Schwäbisch Hall 40 Prozent mehr Platz für Hähne im „Tierwohlstall“

Landwirt Nico Schumacher erläutert Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim (Mitte) das Konzept von dem Hähnchenstall. Die Ort­schaftsräte aus Tüngental hören interessiert zu. Der Raum ist 100 Meter lang.
Landwirt Nico Schumacher erläutert Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim (Mitte) das Konzept von dem Hähnchenstall. Die Ort­schaftsräte aus Tüngental hören interessiert zu. Der Raum ist 100 Meter lang. © Foto: Tobias Würth
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 16.08.2018
Nico Schumacher aus Weckrieden baut außerhalb von Ramsbach bei Schwäbsich Hall einen Aufzuchtstall, in den 29.990 Tiere reinpassen.

Sie erhalten eine Fußbodenheizung, werden bei 36 Grad Temperatur sommers wie winters begrüßt, können in den Wintergarten gehen. Die Hähnchen sollen es in dem riesigen Stall, der außerhalb des Tüngentaler Ortsteils Ramsbach entsteht, einmal gut haben.

Mit 29.990 Tieren in dem 2000 Quadratmeter großen Stall samt 500 Quadratmeter großem Wintergarten entsteht zwar keine kleine Mastanlage für Hähnchen. Dennoch soll trotz der großen Zahl der Hähnchen das Tierwohl besondere Beachtung finden.

„Bisher haben wir nur Ackerbau und Zuchtsauen“, berichtet Nico Schumacher, der zusammen mit seinem Vater die Außenanlagen am Stall anlegt, als eine Delegation aus Ortschaftsräten und Verwaltungsmitarbeitern am vorvergangenen Freitag bei ihm Station macht. „Tierhaltung und Ackerbau gehören zusammen“, berichtet der Landwirt. Es sei ein Kreislauf: Der Mist kommt aufs Feld. Die Nahrung für die Tiere wachse auf dem Feld. Er glaubt an diesen Kreislauf. Daher habe er sich nach einem neuen Geschäftsfeld umgesehen und ist auf die Hähnchenzucht gekommen.

Die ersten Eintagsküken sollen im September bei ihm ankommen. Sie werden an 2500 Getränkenippeln Nahrung finden. Im Stall gibt es Aufsitzstangen und kleine Strohballen, auf die die Tiere klettern können. Ab der vierten Woche werden Klappen geöffnet. Dann können die Tiere auch raus in den Wintergarten – wie es ihnen beliebt.

Platz zum Sich-Tummeln

„Das nennt sich Bodenhaltung im Tierwohlstall“, erläutert Nico Schumacher. Denn das Federvieh hat 40 Prozent mehr Platz als bei der herkömmlichen Haltung. „Man muss bedenken, dass es sehr kleine Tiere sind. Sie überschreiten zusammengerechnet nicht das Gewicht von 30 Tonnen.“

„Das sind keine 50 Milchkühe“, vergleicht der ehemalige Tierarzt und heute ehrenamtliche Ortsvorsteher von Tüngental, Dr. Werner Philipp, die Maße. Daher hält er das Konzept für sehr gut. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim rechnet die Zahl der Hähnchen auf die Fläche um. Man kommt auf elf Tiere pro Quadratmeter. In einem konventionellen Stall sind es fast doppelt so viele Tiere.

Nico Schumacher erklärt, dass die Hähnchen bereits früh geschlachtet werden, wenn sie noch recht klein sind. Nach 43 Tagen verlassen sie den Stall und werden zu einem Schlachthof nach Bayern transportiert, der nach den Richtlinien des Programms arbeitet: „Privathof“ und „Tierwohl“. Die jeweilige Supermarktkette führt die Hähnchen dann unter einem speziellen Label.

Vieles sei genau definiert: Es sei den Fängern vorgeschrieben, jeweils nur ein Tier mit der Hand zu ergreifen. In herkömmlichen Ställen erfolgt die Entnahme bündelweise. Es würden trockene Pellets als Futter eingestreut, um Emissionen zu verringern. Denn die entstünden, wenn Kot die Masse anfeuchtet. Zudem trage die Fußbodenheizung zur Trockenheit am Boden bei. Eine Lüftung mit Wärmetauscher befördere die Feuchtigkeit nach draußen und sei dabei energiesparend.

Der Kot kommt in eine Biogasanlage in Raibach und erst danach aufs Feld. So werde unnötiger Gestank vermieden. Und die Biogasanlage könne laut Berechnungen so viel Kot pro Jahr einsetzen, dass die Maisernte von acht Hektar Fläche ersetzt werden könne. Auch das sei ökologisches Wirtschaften.

„Man kann gegen die Massentierhaltung sein oder man tut was dagegen“, meint Nico Schumacher. Er sei sich seiner Sache auf jeden Fall sicher, habe nichts zu verbergen. Wer sich davon überzeugen will, könne auf ihn zukommen. Der Stall habe eigens ein Glasfenster an der Seite, durch das Besucher das Leben der Hähnchen beobachten können.

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