„Erhalten Sie mehr Parkplätze, als jetzt vorgesehen. Der Siegerentwurf hat durchaus Platz. Für unsere Praxen ist das existenziell.“, steht als Hauptforderung in einem offenen Brief. Dr. Peter Pauschinger hat ihn aufgesetzt. 38 Ärzte aus 23 Praxen haben unterschrieben. „Es sind fast alle Praxen in dem Bereich dabei. Nur von fünf bis sechs haben wir keine Rückmeldung“, berichtet der Zahnarzt.

Am 14. Januar ging der erste der beiden Protestbriefe raus. „Wir haben weder von der Verwaltung noch von den Fraktionsvorsitzenden etwas gehört“, sagt Pauschinger. Der Brief wurde am Mittwoch öffentlich, da er den Sitzungsunterlagen beilag. Doch die Forderung wurde nicht im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung thematisiert.

Ärzte haben Angst um Patienten

Was wollen die Frauen-, Zahn- ,­ Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Orthopäden erreichen? „Es gibt jetzt schon Patienten, die eine halbe Stunde zu spät zu uns kommen und sagen: ,Tut mir leid, wir haben keinen Parkplatz gefunden’“, berichtet Pauschinger. Das ganze Zeitmanagement der Praxen gerate damit aus den Fugen. Besonders liegt ihm aber der Patient am Herzen. „Ein junger Mensch kann sicherlich von der Weilerwiese in die Innenstadt gehen. Für ältere Menschen ist das eine weite Entfernung.“

Fatal sei, dass die Sanierung des Parkhauses unter dem Landratsamt wohl genau in die Periode fällt, in der Bagger den Haalplatz erneuern. „Man kann Parkplätze nur reduzieren, wenn man vorher nahegelegene Ersatzparkplätze einrichtet“, schreiben die Mediziner.

Kommt der Einwand  zu spät? Die Zahl der Parkplätze auf dem Haalplatz wird mit 161 angegeben. Sie soll auf 60 reduziert werden, mit der Option, im Winterhalbjahr auf 80 Parkplätze hochzugehen. So sieht es die Auslobung des Realisierungswettbewerbs vor, der von der Stadtverwaltung vorgelegt und vom Gemeinderat längst verabschiedet wurde. Die Idee: Die mehr als 40 Dauerparker werden auf andere Parkhäuser verteilt, die unbegrenzte Verweildauer für alle Parker auf zwei Stunden reduziert. Das eröffnet neue Perspektiven: Bei 80 Parkplätzen im Winterhalbjahr käme man mit bis zu 600 prognostizierten Parkvorgängen am Tag auf ähnlich viele wie bisher – nämlich 730. Die Bauverwaltung argumentiert: Selbst in Spitzenzeiten sei immer noch Platz in der Tiefgarage Weilerwiese.

Die Mediziner zweifeln diese Prognose an. Pauschinger: „Die Tiefgarage Kocherquartier war vor Weihnachten immer dicht.“

Alles oder nichts

Als zufällig ausgeloster Teilnehmer – und nicht etwa als Vertreter der Ärzteschaft – habe Pauschinger an dem Beteiligungsprozess zur Haalplatzumgestaltung teilgenommen. So sei er in die inoffizielle Rolle als Sprecher der Ärzte „reingerutscht“.

Den Medizinern sei natürlich klar, dass eine Reduzierung der Parkplätze im Zuge der Haalplatzneugestaltung seit Jahren in der Diskussion ist. „Die Spanne der Vorschläge reicht von null bis zu alle Parkplätze erhalten“, erläutert Pauschinger. Er persönlich sei für Letzteres.

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Peter Klink: „Ein Kompromiss ist erforderlich“


Der Baubürgermeister kennt die Forderung: „Seit 40 Jahren diskutieren wir, dass der Platz nicht der richtige Ort zum Parken ist.“ In einem extrem breit angelegten Bürgerbeteiligungsprozess sei dies ausgiebig – auch von Vertretern von Hall aktiv – diskutiert worden. „Irgendwo ist ein Kompromiss erforderlich“, sagt Peter Klink.

Enttäuschungen gebe es auch auf Seiten derjenigen, die den Haalplatz ganz autofrei haben wollen, meint Klink. Dass der Kompromiss mit den 60 (und saisonal 80) Parkplätzen getroffen wurde, sei ja ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung. Das floss in die Wettbewerbsauslobung ein. Dass dies in Frage gestellt wird, sei enttäuschend.

Der Gemeinderat trage die Kompromissformel beim Parken mit. Es gelte natürlich, die Bauabläufe zu koordinieren und einen zeitgleichen Wegfall von Parkplätzen auf dem Haalplatz und unter dem Landratsamt zu vermeiden. Im April werden die überarbeiteten Entwürfe zum Haalplatz fertigt sein und ein Planer ausgewählt werden, sagt Klink.  tob