Die Sonne verschwindet als große rote Kugel. Schon zeigt sich am Abendhimmel der Mond als schmale Sichel. Wolkenpilze türmen sich über Besuchern am Flugplatz auf, ohne ihre Wasserlast zu entladen. Der Tag geht, die Skatenacht kommt.

Freie Fahrt auf der Startbahn

Leise surren die Rollen des Skateboards über die Startbahn des Würth Airports. Der leicht ansteigende Taxi-Way kommt unter die Räder. Beim Einbiegen auf die breite Startbahn erscheint der wohl größte Zebrastreifen Schwäbisch Halls. Er markiert zusammen mit einer großen „10“ das westliche Ende der 1570 Meter langen Bahn.

Flugplatz Schwäbisch Hall Skatenight 2019: Gemütlich skaten auf der Adolf-Würth-Airport-Landebahn

Es scheint ständig bergab zu gehen. So viel freie, glatte Fläche zum Rollen gibt es sonst nirgendwo weit  und breit. Alles was Rollen hat, scheint unterwegs zu sein: Rollschuhe, Rollerskates, Fahrräder, E-Bikes, Kinderanhänger, Langlaufski-Trainer mit Rollen, elektrisch betriebene Hooverboards, Roller, Laufräder, Dreiräder, Tret-Traktoren, elektrische Bobbycars, zweirädrige  Snake-Boards, Roller-Trikes, skatende Mütter hinter Kinderwägen, Rollstühle, Elektroroller zum Aufsitzen, Elektro-Skateboards und Mono-Wheels. Das sind kleine, elektrisch betriebene Einräder, die man stehend fährt. Auch Fußgänger sind unterwegs.

Doch diese Masse an Teilnehmern zerstört nicht das kosmische Gefühl, eine mega-große Freifläche für sich zu haben, auf der man nach Herzenslust rollen kann. Auf der Strecke trifft man Gleichgesinnte. Heike Hohenstein aus Rosengarten ist mit Sohn Quentin (6) unterwegs. Der übt sich als Skateboarder und stellt sich dabei schon sehr geschickt an. „Es ist super. Es sind ganz viele Leute da, aber das Gelände ist so groß, dass man die gar nicht bemerkt. Wann kann man mal so lange so gerade fahren?“, fragt Heike Hohenstein.

Wen man auch fragt, alle sind begeistert. „Ich finde es gut, dass ich etwas mit meinen Eltern machen kann. Ich kann gut Inlinerfahren“, sagt Ina (9), die mit Vater Hartmut und Mutter Andrea Heeger flott unterwegs ist.

Einigen Fahrern sieht man an, dass sie nicht gerade mit Rollen an den Füßen geboren wurden. Wie zitternde Fohlen, die von der Funktionsweise der Beine  überrascht sind, staksen sie übers Gelände. Für den Ernstfall steht ein Rettungswagen einsatzbereit am Rollfeld. Was sind die typischen Verletzungen? „Schürfwunde, Schürfwunde, Schürfwunde, Blase am Fuß“, liest der ehrenamtliche Sanitätshelfer Henning Rösner  aus dem Protokoll vor. „Es sind aber alles nur Kleinigkeiten“, beruhigt er. Am Ende wird das Sanitätsteam 14 Pflaster verbrauchen und einen Fahrer mit Verdacht auf einen gebrochenen Finger ins Krankenhaus fahren müssen.

Ganz oben am Himmel kreuzt ein Flugzeug das Gelände. Das sollte nicht hier landen. „In den offiziellen Nachrichten für Luftfahrer wurde die Sperrung des Flugplatzes schon vor zwei Monaten bekannt gegeben“, beruhigt Sven Knudsen, Vorsitzender des Segelfliegerclubs Schwäbisch Hall. Letztes Mal kamen 2500 Besucher. Dieses Mal sind es 2800. Die 48 Helfer erfassen die Gäste mit kleinen Handzählgeräten an den Eingängen. Für den Segelfliegerclub geht die Veranstaltung bilanziell Null auf Null auf. Ob es nächstes Jahr eine Skatenight geben wird, sei noch nicht zu 100 Prozent klar. Es gebe Terminschwierigkeiten, da eine Segelflugwettkampf zeitgleich anstehe.

Entspannung am Ende

Am Ostende der Start- und Landebahn erwartet die Skater  eine  Bar. Hier kann man das Ende des Sonnenuntergangs mit einem Glas Cocktail in der Hand aus einem Liegestuhl betrachten. Das Technische Hilfswerk beleuchtet die Fläche. Karussell, Biathlonschießen, Trampolinspringen: Man vergnügt sich. Oder man genießt es einfach, die Räder ohne Hindernisse rollen zu lassen.

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