Rosengarten 25. April 1888: In der Kocheraue wird nach Salz gebohrt

Rosengarten / ELISABETH SCHWEIKERT 25.04.2013
Mit Salz- und Weinhandel ist die Stadt Schwäbisch Hall reich geworden. Im 19. Jahrhundert suchten die Haller kocheraufwärts nach neuen Salzquellen.

In einer Talsenke bei Tullau hatten Geologen ein unterirdisches Salzlager gefunden. Von dort, so hoffte die Haller Salinenverwaltung, könnte mittelfristig Nachschub kommen, denn es zeichnete sich ab, dass die Zeit des Salzbergwerks Wilhelmsglück, in dem seit 1824 Steinsalz und Sole gewonnen wurde, abgelaufen war.

Am 25. April 1888, also vor genau 125 Jahren wurde in der Kocherschleife zwischen Tullau und Uttenhofen mit der Anlage eines Bohrlochs begonnen, um Sole (salzhaltiges Wasser) zu gewinnen. Das Salzflöz wurde über zwei rund 70 Meter tiefe Bohrlöcher erschlossen, schreibt Jan Wiechert im neuen Uttenhofener Heimatbuch. Zum Abbau sollte das Salz mit Kocherwasser aus dem Berg gespült werden. Ein Pumpenhaus wurde gebaut, um das aufgelöste Salz, die Sole, aus den Bohrlöchern hochzupumpen. Ein Pumpenwärter lebte mit seiner Familie in dem Pumpenhaus und betreute die Anlage. Von der Pumpstation aus wurde die Sole über eine erneuerte Rohrleitung nach Schwäbisch Hall transportiert. Dort wurde die Sole zu Salz gesotten.

Als die Haller Saline 1924 aufgegeben wurde, ist nur noch vier Mal die Woche von Tullau aus Sole gepumpt worden, um das Solebad der Diakonissenanstalt zu füllen. 1932 wurde die Tullauer Pumpe auf elektrischen Betrieb umgestellt. Sie wurde 1958 aufgegeben, als am Haalplatz in Schwäbisch Hall ein neues Bohrloch angelegt wurde, um Sole zu gewinnen.

Wie Jan Wiechert im Uttenhofener Heimatbuch weiter schreibt, beschleunigte die Pumpstation bei Tullau das Aus des Salzbergwerks Wilhelmsglück - es war nur eine Frage der Zeit, bis Wasser in den Stollen einbrechen würde, weil Bohrlöcher und Stollen nahe beieinander lagen. 1900 wurde das Salzbergwerk schließlich aufgegeben.

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