Die Pläne für ein stationäres Hospiz werden konkreter. Das Anwesen Bier auf dem Teurershof ist präferierter Standort sowohl von der Stadtverwaltung als auch vom Landkreis und dem Krebsverein. Letzterer stellt 200 000 Euro als Anschubfinanzierung bereit. Ein erster Schritt sei nun mit der Gründung eines Fördervereins im Dezember erfolgt, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Der zweite Schritt sei in Arbeit: die Gründung eines Trägers, in dem neben Stadt, Land, Krebsverein und Kirchen auch das Diak beteiligt werden sollen. „Der Hohenlohekreis, der als Partner angedacht war, hat abgelehnt“, so Pelgrim weiter. Dennoch: Noch im Januar könnte die Gründung abgeschlossen sein.

Jährlich 1,2 Millionen Euro

Dass ein breit aufgestellter Träger nötig ist, stehe außer Frage, so Markus Golling, Vorsitzender des Krebsvereins. Geplant ist eine Einrichtung mit acht Plätzen. Jeder koste circa 150 000 Euro im Jahr, in Summe 1,2 Millionen Euro. Pelgrim ergänzt, dass zwar die Krankenkassen Kosten bis 95 Prozent erstatten. „Aber oft ist nicht klar, was überhaupt abgerechnet werden kann.“

Grund für die hohen Kosten sei der Personalaufwand. Für die Haller Einrichtung rechnen die Beteiligten mit 18 Vollzeitstellen. „Das Personal muss hochqualifiziert sein“, meint Golling. Ergänzt wird das Team durch Ehrenamtliche aus dem Hospizdienst.

Es sei enorm wichtig, dass über den Förderverein stetig Spenden gesammelt werden. Birgit Messner, die als Vorsitzende gewählt wurde, hat bereits erste Erfolge zu melden. So kamen 8000 Euro beim Bühlerzeller Winterlauf zusammen, die sich je zur Hälfe auf ambulantes und stationäres Hospiz verteilen. Zudem erhält Mesner vom OB einen Umschlag mit 700 Euro Bargeld überreicht. Das Geld stamme von der Versteigerung der Weihnachtsgeschenke an die Rathausspitze, so Pelgrim.

Wie geht es weiter? Nach der Gründung des Trägers fehlt noch der Beschluss des Hospitalausschusses für den Umbau. Erfolgt dieser, trägt die städtische Stiftung die Kosten in Höhe von rund 2 Millionen Euro. Das umgebaute Objekt soll dann an den Träger vermietet werden.

Bis 2020 könnte die Einrichtung mit circa 450 Quadratmetern Fläche im einstigen Ateliergebäude auf dem Anwesen Bier eröffnet werden. Neben den eigentlichen Patientenräumen sollen noch weitere, etwa für Angehörige entstehen. Ein Problem, so Baubürgermeister Peter Klink, sei die Zufahrt, die in der jetzigen Form nicht praktikabel sei. „Wir haben da zwei, drei Ideen, über die wir noch beraten.“

Über Stadtgrenze hinaus

Mit der Eröffnung entstehe ein Zentrum, das zwar in Hall verortet wird, aber auch von Patienten von außerhalb genutzt werden könne, sagt Pelgrim, der explizit Menschen aus dem Hohenlohekreis meint. Der Bedarf sei enorm. „Die Gesellschaft wandelt sich. Die Verabschiedung von der Welt kann man nicht immer zu Hause erfahren.“ Golling ergänzt: „Die meisten Menschen sterben im Krankenhaus, das sind etwa 70 bis 80 Prozent.“ Häufige Todesursache seien Krebserkrankungen. Alleine mit Patienten aus dem Diak ließen sich daher „sofort sechs der acht Plätze belegen“.

Das Thema stationäres Hospiz ist indes nicht neu in Hall. Darüber wird bereits seit mehr als 15 Jahren diskutiert. „Wir brauchen die Einrichtung. Sie schafft Beruhigung für Patienten, wenn keine Heilung mehr möglich ist, wenn die Schmerzen unerträglich werden“, so Birgit Messner.

Betreuung bei unheilbaren Krankheiten


Stationäre Hospize gibt es bereits in Ellwangen und in Aalen-Ebnat. Derzeit wird an einer weiteren Einrichtung in Backnang gebaut. Laut Hospiz- und Palliativverband Baden-Württemberg verfügen die Einrichtungen mindestens über acht und in der Regel höchstens über 16 Betten. Die ganzheitliche Pflege und Versorgung erfolgt durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit palliativmedizinisch erfahrenen Ärzten.

Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass der Patient an einer Erkrankung leidet, die fortschreitend verläuft und eine Heilung ausgeschlossen ist. Krankenkasse und Pflegeversicherung tragen bis zu 95 Prozent der Kosten.