Wackershofen 20 Drehorgelspieler unterhalten die Besucher des Hohenloher Freilandmuseums

CORINNA JANSSEN 06.08.2015
Was für ein Ohrenschmaus beim Empfang am Sonntagvormittag im Freilandmuseum in Wackershofen. 20 fröhliche Drehorgelspieler hießen die Besucher mit ihren Leierkästen willkommen.

"Das war die Geschichte vom Paul und seinem Gaul", sagt Frithjof Grögler und strahlt nach seiner musikalischen Darbietung die Zuhörer an. Der Renninger Pensionär ist Drehorgelspieler und unterhält am Sonntag im Hohenloher Freilandmuseum mit einer großen Fülle an Volksliedern die Besucher. Schwungvoll dreht er an der Kurbel seines Leierkastens und trällert gemeinsam mit seiner Frau Rosi die Liedtexte dazu.

Zum zweiten Mal hat Frithjof Grögler den Drehorgeltag im Museum organisiert. Die Idee kam ihm bei einem Besuch in Wackershofen. Er und seine Frau überlegten nicht lange und kontaktierten Museumsleiter Michael Happe. Erfahrung konnte das Paar vorweisen, organisierten sie doch bereits im Jahr 2012 in Nagold einen Drehorgeltag.

Schon als Kind gern schaurige Geschichten gehört

Happe gefiel die Idee. Er machte den Gröglers nur eine Auflage: Es dürfen keine elektrischen Orgeln dabei sein. 20 Drehorgelspieler aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und der Schweiz haben den Weg nach Wackershofen gefunden.

"Ich habe als Kind schon gerne die Moritaten gehört", berichtet Grögler. Die schaurigen und gruseligen Verbrechen hätten stets einen moralischen Hintergrund. Zahlreiche Stücke gehören zu Gröglers Schätzen wie beispielsweise "Der Wilddieb". Den enthält das Paar den begeisterten Zuhörern nicht vor. "Wir haben die Gröglers bereits bei uns in der Gegend gesehen. Ich finde die toll", sagt Werner Heinzelmann aus Leonberg.

Eine kleine Menschentraube hat sich um die Drehorgel gestellt und singt beherzt "Auf'm Wase graset d'Hase". Das sei die Gelegenheit, um Schwäbisch zu lernen, verkündet Grögler. Rund 50 Veranstaltungen besucht das Paar übers Jahr - stets mit dem Ziel, etwas dazu beizutragen, "dass die alten Lieder nicht ganz in Vergessenheit geraten".

Ein paar Meter weiter haben die beiden Schweizer Peter Rohrer aus Basel und Eddie Niederberger aus Liestal ihre Drehorgeln unter einer großen Linde stehen, die Schutz vor der drückenden Mittagshitze bietet. Niederberger hat seinen Leierkasten selbst gebaut. Es ist eine Walzendrehorgel, in der drei Jahre Arbeit stecken. Das Besondere daran: "Die Steuerung ist anders", erklärt Niederberger. Das Ventil werde mechanisch ausgelöst, bei der Papierrolle pneumatisch. Zwischen 10 000 und 30000 Euro koste eine Drehorgel, weiß der Pensionär. Die beiden Schweizer sind bei bester Laune und für jeden Spaß zu haben. Niederberger hat einen Stoffaffen auf seinem Leierkasten sitzen, den er von hinten bewegen kann. Während er besinnlich einen Tango leiert, hebt der Affe einen Arm und hält ihn vor sein Gesicht. Möchte er wohl lieber einen Rocksong hören? Die Zuschauer beginnen zu lachen - und auch Niederberger kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Ein kleines Kind ist sichtlich fasziniert. Es beginnt ausgelassen vor den Musikanten zu tanzen. Die Wangen sind rosig, die Augen leuchten. Keine gute Idee, als die Eltern weitergehen möchten. "Nein", ruft es verzweifelt. Hat der Spaß doch gerade erst angefangen.

"Jeder dieser Drehorgelspieler ist eine Besonderheit", sagt Lieselotte Hermann aus Heilbronn. Jedes Instrument sehe anders aus und auch die Art und Weise, wie die Musikanten ihren Stil herüberbringen, sei faszinierend. "Ich finde den Drehorgeltag spitze", meint die Seniorin begeistert.

Die Drehorgel

Tradition Seit Beginn des 18. Jahrhunderts ist die Drehorgel als Instrument der Straßenmusiker und Gaukler in ganz Europa bekannt. Aber auch als Kirchen- und Saloninstrument findet sie Einsatz. Zahlreiche Drehorgelspieler führen heute einen Plüschaffen auf ihrem Musikinstrument mit sich. Es soll an die Zeiten erinnern, als die Gaukler noch mit einem Kapuzineräffchen unterwegs waren. Es war eine zusätzliche und dazu noch nützliche Attraktion. Es sammelte Münzen von den Zuhörern ein.

COJA