Michelbach an der Bilz Tonnenweise Stuttgart-21-Erde in Michelbach

Blick vom Nordwestrand in den Steinbruch Wilhelmsglück. Bis zu 3240 Tonnen Erde aus Stuttgart werden täglich hineingefahren.
Blick vom Nordwestrand in den Steinbruch Wilhelmsglück. Bis zu 3240 Tonnen Erde aus Stuttgart werden täglich hineingefahren. © Foto: Gottfried Mahling
Michelbach / Gottfried Mahling 17.07.2018
Der Steinbruch Wilhelmsglück ist schon zur Hälfte aufgefüllt, ein Ende der Erdtransporte von Stuttgart 21 nicht in Sicht. Immerhin scheinen sich viele Anwohner an den Lärm gewöhnt zu haben.

Insgesamt 59 Kilometer lang sollen die Tunnel von Stuttgart 21 schlussendlich sein. 40 Kilometer, also erst rund zwei Drittel, habe man mittlerweile vorangetrieben, vermeldete die Deutsche Bahn vor wenigen Wochen. Etliche Millionen Tonnen Erde werden bis zur Fertigstellung des mehrere Milliarden Euro teuren Bahnprojekts also noch bewegt werden müssen.

Wo kommt die Stuttgart-21-Erde hin?

Ein Großteil der Stuttgart-21-Erde landet seit 2014 im Steinbruch Wilhelmsglück nahe Michelbach. Wie die Bahn auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, fahren derzeit außer sonntags täglich bis zu drei Züge mit meist 20 Containertragwagen vom Bahnhof Stuttgart Nord zum Bahnhof Wilhelmsglück, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Steinbruchs befindet. Knapp über 3000 Tonnen Erde würden somit jeden Tag angeliefert. Bis Ende Juni 2018 seien zwei Millionen Tonnen in 1900 Zügen in Wilhelmsglück angekommen.

Eine von vier Deponien

Eine Prognose, wann die Transporte enden, möchte die Bahn noch nicht wagen: „Eine Aussage über die potenziell noch folgenden Massen für die Anlage Wilhelmsglück sowie eine Aussage über die verbleibende Restlaufzeit ist aktuell noch nicht möglich.“ Material aus dem Stuttgarter Talkessel werde übrigens nicht nur im Steinbruch Wilhelmsglück, sondern auch in einem Gipsbruch bei Lauffen-Deißlingen, im Braunkohle-Tagebau Romonta (Sachsen-Anhalt) und am Kohnstein in Thüringen deponiert.

Zwei Millionen Tonnen Erde aus Stuttgart in Michelbach

Nach wie vor arbeitet die Bahn in Wilhelmsglück mit dem Satteldorfer Bauunternehmen Leonhard Weiss zusammen, das für das Entladen der Züge und den Transport der Erde vom Bahnhof in den Steinbruch zuständig ist. Für die täglich rund 3000 Tonnen Erde würden drei bis vier Lkw eingesetzt, teilt das Unternehmen mit. Zuletzt habe man auch Erde von anderen Baustellen nach Wilhelmsglück gefahren – unter anderem aus Zuffenhausen und Waiblingen, wo Sportwagen-Hersteller Porsche und Motorsägen-Marktführer Stihl ihre Produktion erweitern.

Trotz der Erdtransporte wird in Wilhelmsglück weiter Muschelkalk abgebaut – 80.000 bis 100.000 Tonnen pro Jahr, schätzt Uwe Zinn von der Ernst Schneider Stein- und Schotterwerke GmbH. Wie viel Erde passt maximal in den Steinbruch hinein? 7 Millionen Tonnen betrage die Gesamtkapazität, 2,7 Millionen Tonnen seien bereits aufgefüllt. Wann der Steinbruch „voll“ sei, lasse sich schwer voraussagen. „Eine Schätzung wäre nicht seriös. Denn wie lange die tägliche Liefermenge von 3000 Tonnen beibehalten wird, weiß heute niemand“, so Zinn.

Weniger Beschwerden wegen Lärms

Wie viel Geld sie von der Bahn für die Erdtransporte erhalten, wollen weder Leonhard Weiss, noch die Ernst Schneider Stein- und Schotterwerke preisgeben. Die Bahn selbst lehnt eine Auskunft ebenfalls ab und verweist dabei auf wettbewerbsrechtliche Gründe.

Nachdem es in der Vergangenheit etliche Beschwerden über den Lärm beim Umladen der Container von den Zügen auf die Lkw gegeben hatte, scheint man sich in Michelbach an die Erdtransporte gewöhnt zu haben. „Die Beschwerden von Anwohnern halten sich derzeit sehr in Grenzen“, sagt Bürgermeister Werner Dörr. Das Piepen der Greiferfahrzeuge beim Rückwärtsfahren sei abgestellt worden. Gegen das Quietschen, das die Züge bei der Bahnhof-Einfahrt beim Bremsen verursachen, könne man indes nichts tun.

Gerade jetzt im Sommer würden die Lkw viel Staub aufwirbeln, aber dieses Problem könne man durch Benetzen der Zufahrtsstraße eindämmen. Zudem gebe es im Steinbruch für die Laster eine Reifenwaschanlage. „Wenn es Probleme gibt, wenden wir uns direkt an Leonhard Weiss. Die Zusammenarbeit funktioniert gut“, betont Werner Dörr.

Genehmigung weiter ohne Frist

Regelmäßig kontrollieren Mitarbeiter des Haller Landratsamts den Fortschritt der Arbeiten. Einen Termin für den Ablauf der Genehmigung zum Auffüllen des Steinbruchs habe man als zuständige Behörde noch nicht festgelegt, heißt es auf Nachfrage. Die Laufzeit hänge von der Menge des angelieferten Materials ab. Nachdem der Steinbruch aufgefüllt ist, soll das Gelände rekultiviert und das ursprüngliche Landschaftsbild wiederhergestellt werden.

Leonhard Weiss nutzt für die Entsorgung von Erdreich mehr als 200 Deponien, die sich vor allem im süddeutschen Raum befinden. Als Beispiele nennt das Unternehmen Anlagen der AVL Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (Froschgraben, Burghof und Hamberg), der Abfallwirtschaft Stuttgart (unter anderem Deponie Einöd) sowie diverse weitere Steinbrüche und Deponien.

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