Schwäbisch Hall / Tobias Würth  Uhr
Die Vermaktung der Flächen im neuen Baugebiet startet zwar erst im Oktober, doch viele Bauherren begeistern sich schon jetzt dafür.

Die Listen bei der Haller Grundstück- und Erschließungsgesellschaft füllen sich schon, bevor die Vermarktung startet. 43 professionelle Bauträger oder private Investoren können es sich vorstellen, symbolisch den Anker zu werfen und eine Tiefgarage vorzufinanzieren. 138 Interessenten haben sich zudem dafür gemeldet, auf eines dieser Ankerprojekte aufspringen und im Bahnhofsquartier eine Wohnung oder ein schmales Townhouse kaufen zu wollen.

Wollen kann man natürlich viel. „Wir sammeln Interessenten, aus denen werden Bewerber und aus denen wiederum Käufer“, gibt sich Klaus Lindenmeyer gelassen. Denn die große Frage steht immer noch im Raum: Passt das „qualitative Vergabeverfahren“ zu Hall? Bei dieser sogenannten „Konzeptvergabe“ erhält der Investor den Zuschlag, der die meisten Vorgaben erfüllt.

Offener Ausgang

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim hatte in einer Gemeinderatssitzung klargemacht, dass die Bauplätze auch auf klassische Art verteilt werden können, falls die Konzeptvergabe scheitert. Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Es gibt im Moment zwanzigmal so viele Bewerber wie Flächen. In einem ersten Schritt werden zunächst zwei Baufelder an zwei Anker­investoren vergeben.

Doch was verbirgt sich genau hinter diesem für Hall neuen System? „Es gibt einen Wettbewerb der Ideen“, erläutert Thomas Gauggel vom gleichnamigen Architekturbüro aus Tübingen. Er und sein Partner Matthias Gütschow begleiten den Prozess in Schwäbisch Hall. Das Ziel sei es, die Altstadt im Bahnhofsareal „weiterzubauen“, erläutert Gauggel. Das sei das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs gewesen. „Die Forschung besagt, dass die Konzeptvergabe die nachhaltigste Art der Stadtentwicklung ist“, berichtet Christian Mathieu, Stadtplaner in der Bauverwaltung. Ein Investor müsse in der ersten Phase des Vergabeverfahrens anhand einer Beschreibung nachweisen, dass er mit seinem Vorhaben auch etwas zum Wohl des Quartiers und zum Wohl der Gesamtstadt beiträgt.

Nahe Einkaufsmöglichkeiten oder den Wald direkt vor der Tür? Wie magst du es lieber?

Das bedeutet also: Wer im Erdgeschoss eine Fläche vorsieht, in der beispielsweise ein Café einzieht und damit den Nutzen fürs Quartier stärkt, erhält einen Pluspunkt. Wer zum Beispiel ein Wohnforum von Menschen mit und ohne Behinderung vorsieht, könnte von der Bewertungskommission ebenfalls einen Pluspunkt erhalten. Es gibt aber auch die Kategorie „besonderer baulicher Beitrag“. Wer also mit einem architektonischen Konzept die Jury überrascht, könnte ebenfalls einen Pluspunkt erhalten. Die Vergabekommission besteht aus Vertretern der Verwaltung, externen Experten und Abgesandten aus dem Gemeinderat. Sie tagt Ende Januar 2020. Damit keine Hochstapler mit Luftnummern durchkommen, wird später so viel von der Projektidee wie möglich im Grundbuch und in weiteren Verträgen festgeschrieben. Gauggel: „Wenn ich mich mit einem Café bewerbe, dann muss ich das auch umsetzen.“ Zudem wird bereits bei der Vergabe der Ankerprojekte der Investor daraufhin abgeklopft, ob er auch fähig ist, das Konzept zu bezahlen. Er muss schließlich den Bau einer Tiefgarage für die Anwohner organisieren und später Käufer von Wohnungen mit an Bord nehmen. Verkaufspreise für Grundstücke stehen noch nicht fest.

Privatperson als Investor

Dennoch könnten sich Privatpersonen – mit gutem finanziellen Hintergrund – für ein Ankerprojekt bewerben. Mathieu schränkt ein: „Wer das als Privatperson stemmen will, muss mit einem professionellen Projektsteuerer zusammenarbeiten.“

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Der Start der „Projektvergabe“

Das Bahnhofsareal erstreckt sich auf einer Fläche von 4,5 Hektar an der Ringstraße. 350 bis 450 Wohneinheiten für 600 bis 800 Bewohner könnten dort entstehen.

Die im Babauungsplan vorgesehenen sechs Karrees wurden zu fünf Baufeldern zusammengefasst. Das Baufeld im Norden und das im Süden werden zuerst vermarktet. Die weiteren drei Baufelder sind später dran.

Schon jetzt kann man sich bei der Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft unverbindlich vormerken lassen (E-Mail: info@hge-sha.de). Der Vermarktungsauftakt für die beiden Baufelder ist am 10. Oktober. Anfang Dezember endet die Frist zur Abgabe der Bewerbung für ein Ankerprojekt (das den Kauf eines Baufeldes samt Erstellung der Tiefgarage beinhaltet). Ende Januar 2020 soll die Vergabekommission für die Ankerprojekte tagen.

Wer sich vorstellen kann, eine Wohnung oder ein Haus in dem Areal zu kaufen, der sollte sich den April 2020 rot im Kalender markieren. Dann stellen die beiden Ankerkonzepte ihre Projekte vor und gehen bis zum Oktober 2020 auf Suche nach Mitstreitern. Die Grundstücksverkäufe sollen dann im Frühjahr 2021 erfolgen. Baubeginn könnte der Sommer 2021 sein.

Die Zeitung kündigt alle Infoveranstaltungen zum Bahnhofsareal an. Zudem erhält man viele Infos auf: http://www.schwaebischhall.de/wirtschaftsstadt/bauplaetze/wohnen/bahnhofsareal/ tob