Schwäbisch Hall 14 000 Besucher im Museum

Teamarbeit am Ofen: Frank Wolter zieht mit der langen Stange einen Pflaumen-Blooz aus dem Holzbackofen. Corinna Otterbach legt ihrem Mann Werner die Holzbretter hin, auf dem der Kuchen zum Verkaufsstand gebracht wird.
Teamarbeit am Ofen: Frank Wolter zieht mit der langen Stange einen Pflaumen-Blooz aus dem Holzbackofen. Corinna Otterbach legt ihrem Mann Werner die Holzbretter hin, auf dem der Kuchen zum Verkaufsstand gebracht wird. © Foto: Tobias Würth
Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 30.09.2014
"Man kann in die alte Welt eintauchen, die heutige Hektik verlassen", sagt Günther Wagner (69) aus Bad Friedrichshall. Ähnlich wie er denken wohl viele und kommen zum Backofenfest ins Freilandmuseum.

"Und raus", ruft Frank Wolter. Der Mann zieht mit einem drei Meter langen Holz-Schieber ein Blooz-Blech aus dem Holzbackofen beim Steigenhaus. Jetzt geht alles schnell. Corinna Otterbach legt ein Holzbrett auf den Biertisch. Ihr Mann Werner löst den Blooz aus dem Blech und reicht es zum Verkaufstisch. Und schon zieht Frank Wolter das nächste Blech aus dem Feuer. Akkordarbeit am Ofen. Der Schmierstoff für den reibungslosen Arbeitsablauf ist das Kellerbier der Löwenbrauerei. "Das beste Bier überhaupt", ist Wolter sicher.

Am Verkaufstisch geht es beim Backofenfest zumindest am Samstagnachmittag ruhig zu. Nur 4500 Gäste kommen. Inga Massa bleibt Zeit zu erklären, was auf dem Backblech liegt. "Das ist jetzt der klassische Klumpen-Blooz. Süßer und saurer Rahm bilden die Klumpen", sagt sie. Das Gebäck könnte man am ehesten mit einem Käsekuchen vergleichen.

Von weit her reisen die Besucher des letzten Festes in der Freilandmuseumssaison an. "Kölner waren hier, ein Bus aus Marburg und Autos aus den neuen Bundesländern", sagt Konrad Hirsch. Er ist ehrenamtlicher Helfer des Technik-Teams im Museum und überwacht den Parkplatz. "Ganze Vereine kommen im Bus, die zuerst ins Museum gehen und dann noch die Stadt Hall anschauen."

Das Fest bringt Menschen aus ganz Deutschland zusammen: Das kann man zumindest an einem Beispiel belegen. Die Zwillinge Martha und Charlotte (5) haben eine ganz besondere Beziehung zum Backofenfest. Ihre Eltern haben sich im Museum kennengelernt. Die Mutter stammt aus Brandenburg, der Vater aus Gailenkirchen. "Wir haben uns auf dem Backofenfest getroffen und uns dann beim Schlachtfest verlobt", berichtet Ines Klenner. Die Zwillinge wurden in der Kapelle im Freilandmuseum getauft. "Wir gehen daher immer zum Backofenfest mit der ganzen Familie", erzählt die Oma der beiden Mädchen, Margarete Klenner (67). Die Kinder dürfen beim historischen Karussell Zuckerwatte essen.

"Jetzt erst mal einen Schnaps, den haben wir uns verdient", sagt Frank Rupp nur wenige Schritte weiter an der Bühne vor dem Weidnerhof. Regina Zeitler schenkt ihm einen Selbstgebrannten ein. Die beiden gehören zum Heimatverein Zehntweghütte in Berolzheim. Die Gruppe ist jedes Jahr dabei, tanzt in alten Trachten. "Das sind Arbeiterkleider, die aus dem sogenannten Bauland stammen, das nicht weit von Osterburken weg ist", erläutert Frank Rupp. Die selbst genähte Kleidung sieht farblich dezent aus, hat wenig von den oft überladenen Festtagstrachten manch anderer Traditionsgruppen. Obwohl sie am Sonntag ihr eigenes Kürbisfest feiern, kommen die acht Paare vom Heimatverein am Vortag nach Wackershofen, um dort aufzutreten. Während die Berolzheimer Schnaps trinken, entert die nächste Gruppe die Holzbühne. Paare aus Regenbach drehen sich im Mazurkaschritt.

Für Kinder interessant: Matti Vöge hat sich als Hexe verkleidet. Die freiwillige Helferin des Museums verkauft für einen Euro "Überraschungspäckchen". Heraus kommen selbst gebastelte Hexen und aus Holz gesägte Hasen. Die Kinder sind begeistert.

Einen kulinarischen Gruß aus der guten, alten Zeit können Besucher auf dem Dorfplatz genießen. In einem Topf auf einem Holzfeuer garen Kartoffeln. Braune und blaue hüpfen munter im Kessel hin und her. "Das sind blaue Schweden und die Sorte Allianz", sagt Michael Weller (18). Er kommt von einem Anbaubetrieb in Ziegelbronn. Der Erlös des Kartoffelverkaufs geht ans Museum. "Alle, die probieren, sind begeistert. Die Kartoffeln haben einen ganz besonderen Geschmack", erläutert er.

Flohmarkt, Salzsieden, Blumenstände, eine Wahrsagerin, ein Auftritt des Stadtorchesters: Beim Backofenfest ist viel geboten. "Man muss immer mehr bringen, damit die Menschen kommen", sagt Margarete Klenner, die sich im Museum ehrenamtlich engagiert. "Die Konkurrenz durch andere Veranstaltungen ist groß." Das Backofenfest war schon immer beliebt. Ein Blick ins HT-Archiv zeigt: Vor 25 Jahren kamen zum Beispiel 18 000 Besucher. Diesmal sind es 14 000. Museumsleiter Michael Happe ist zufrieden: "Das sind mehr, als wir erwarten durften. Was für mich noch mehr zählt: Es gab nicht nur viele, sondern viele zufriedene Besucher."

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