Es war der 12. Juli 1970, als die Großsachsenheimer und Kleinsachsenheimer bei einer Bürgerbefragung, wie bereits berichtet, über den Zusammenschluss zur Stadt Sachsenheim abstimmten. Die Großsachsenheimer waren mit 90,7 Prozent dafür. Die Kleinsachsenheimer lehnten mit 59 Prozent den Zusammenschluss ab.

Der Kleinsachsenheimer Bürgermeister Karl-Heinz Lüth hatte mit einer größeren Ablehnung in Kleinsachsenheim gerechnet. „Dass bei einer solch schwerwiegenden Frage kein Baum beim ersten Hieb gefällt wird, ist verständlich. Trotzdem sind auf Grund der künftigen Entwicklung gute Anzeichen für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Ziel eines späteren Zusammenschlusses durchaus gegeben“, gab sich Lüth trotzdem optimistisch.

Spannende Bürgermeisterwahl

Der Großsachsenheimer Bürgermeister Paul Roller ging Anfang 1971 in den Ruhestand. Um Rollers Nachfolge bewarben sich Klaus Wenz aus Wernau, der Kleiningersheimer Bürgermeister Siegfried Braitling, der Mundelsheimer Bürgermeister Hans Wetzel, der Regierungsamtsmann Werner Hauser aus Denkendorf und der Kleinsachsenheimer Bürgermeister Karl-Heinz Lüth.

Vor dem Hintergrund eines immer noch möglichen Zusammenschlusses von Groß- und Kleinsachsenheim, war diese Bürgermeisterwahl besonders spannend. Am 24. Januar 1971 wurden die Großsachsenheimer an die Wahlurnen gerufen. Die Wahlbeteiligung war mit 81,9 Prozent erwartungsgemäß hoch. 3011 Wähler gaben ihre Stimme ab. Karl-Heinz Lüth erhielt 1351 Stimmen und hatte damit knapp die Mehrheit verfehlt. Ein zweiter Wahlgang am 7. Februar 1971 sollte die Entscheidung bringen. Es war ein knappes Kopf-An-Kopf-Rennen und ein harter Wahlkampf. Lüth erhielt 1531 Stimmen, Werner Hauser kam auf 1459 Stimmen. Mit einer knappen einfachen Mehrheit von 72 Stimmen wurde Karl-Heinz Lüth damit neuer Großsachsenheimer Bürgermeister.

Nach der damaligen Zielplanung der Landesregierung würden Groß- und Kleinsachsenheim einen Verwaltungsraum bilden. Ein respektabler Zuschuss in Höhe von rund 2,9 Millionen D-Mark durfte dann eingeplant werden. Letztendlich sahen sich die Gemeinderäte von Groß- und Kleinsachsenheim unter Zugzwang. Auch die anstehenden Aufgaben in beiden Kommunen schienen es zwischenzeitlich mehr als vernünftig erscheinen, einen Zusammenschluss auch auf Kleinsachsenheimer Seite anzustreben. Dass Lüth seit fünf Jahren Kleinsachsenheimer Bürgermeister, nun auch in Großsachsenheim Bürgermeister war, führte wesentlich dazu bei, dass der Widerstand in der Einwohnerschaft und im Kleinsachsenheimer Gemeinderat allmählich aufgegeben wurde.

Eingliederung vereinbart

Am 21. September 1971 gab es eine aus heutiger Sicht historische gemeinsame Sitzung der beiden Gemeinderäte. Der einzige Tagesordnungspunkt war der Zusammenschluss von Groß- und Kleinsachsenheim. Der Kleinsachsenheimer Gemeinderat Fritz Sauer kam zu der Feststellung, dass auch aufgrund der bevorstehenden Kreisreform sich nunmehr die Ansicht der Bürger geändert habe. Die ganze Angelegenheit sei zu rasch über die Bühne gegangen. Indirekt mit Schuld sei aber auch der Bürgermeister, den man nicht habe verlieren wollen. Der Großsachsenheimer Stadtrat Werner Hald meinte, man solle sich der Zukunft zuwenden. Die Veränderung komme spät, aber nicht zu spät.

Einstimmig sprachen sich dann beide Gemeinderäte für eine Eingliederung der Gemeinde Kleinsachsachsenheim in eine neue Stadt Sachsenheim. Die Eingliederung sollte bereits zum 1. Januar 1972 erfolgen. Beide Gremien einigten sich zudem für eine Eingliederung ohne erneute Bürgermeisterwahl. Bürgermeister Karl-Heinz Lüth ging auch auf die besonderen Wünsche der beiden Gemeinderäte ein. Großsachsenheim war an einem Lehrschwimmbecken beim Schulzentrum interessiert, Kleinsachsenheim wünschte sich, als Verbindung zwischen den Stadtteilen, eine Schwimmhalle mit Naherholungszentrum im Mettertal. In dieser, später von Kritikern abfällig als „Blitzaktion“ bezeichneten Abstimmung, wurde für den 1. Oktober eine Bürgerversammlung und eine erneute Bürgeranhörung für den 17. Oktober in Kleinsachsenheim beschlossen. Von 1595 Wahlberechtigten gingen 850 an die Wahlurne. Davon stimmten nun 88,2 Prozent für den Zusammenschluss.

Damit war auch mit dem Segen der Kleinsachsenheimer der Weg zur Einheitsgemeinde frei. Bereits am 28. Oktober 1971 wurde von beiden Gemeinderäten die Vereinbarung über den Zusammenschluss unterzeichnet. Der Zusammenschluss sei ein Gebot der Stunde gewesen, so Lüth bei der Vertragsunterzeichnung. Die Vereinbarung trat am 1. Dezember 1971 in Kraft. Die erste offizielle Sitzung des Gemeinderats der neuen Stadt Sachsenheim war am 3. Dezember 1971.

Unter dem Motto „Im Zusammenschluss liegt der Fortschritt“ feierten die Sachsenheimer am 14. und 15. Juli 1972 in Kleinsachsenheim ein Eingliederungsfest. Mit dem Naherholungszentrum und der Schwimmhalle im Mettertal wurde es bekanntlich nichts. Stattdessen steht dort heute ein Regenrückhaltebecken. Eine Schwimmhalle steht inzwischen beim Schulzentrum in Großsachsenheim. Mit Groß- und Kleinsachsenheim war die Stadt Sachsenheim jedoch noch nicht komplett.

Info Im fünften und letzten Teil unserer Miniserie anlässlich 550 Jahre Stadt Sachsenheim, schildern wir die Eingliederung der Kirbachtalgemeinden Häfnerhaslach, Ochsenbach, Spielberg und Häfnerhaslach in die Stadt Sachsenheim.