Sachsenheim Zu jeder Glocke gibt es ein Video

Pfarrer Michael Wanner und Konfirmand Robin Salmen im Glockenturm der St. Georgskirche in Hohenhaslach. Videos sollen den Klang der Glocken der Bevölkerung näher bringen.
Pfarrer Michael Wanner und Konfirmand Robin Salmen im Glockenturm der St. Georgskirche in Hohenhaslach. Videos sollen den Klang der Glocken der Bevölkerung näher bringen. © Foto: Michaela Glemser
Sachsenheim / Michaela Glemser 14.02.2018

Auf Knopfdruck wird es ohrenbetäubend laut unter dem Holzgebälk des Glockenturms der St. Georgskirche in Hohenhaslach. Besonders, wenn die große, 978 Kilogramm schwere „Domika-Glocke“ ins Schwingen kommt, muss sich sogar Pfarrer Michael Wanner im Glockenturm die Ohren zuhalten. „Es ist schade, dass über unsere vier Kirchenglocken in der Bevölkerung so wenig bekannt ist. Bei Recherchen im Internet kam mir eine Idee, wie wir dies in Zukunft ändern könnten. Um das Projekt verwirklichen zu können, habe ich die beiden diesjährigen Konfirmanden Max Liebrich und Robin Salmen mit ins Boot geholt“, erläutert Pfarrer Wanner.

An diesem kalten Nachmittag im Februar steht der vierzehnjährige Max Liebrich nun in der Sakristei der evangelischen Kirche und bedient die Schalter für die unterschiedlichen Kirchenglocken. Sein Freund Robin Salmen wiederum ist mit Pfarrer Wanner die beschwerlichen Stufen in den altehrwürdigen Glockenturm hinaufgeklettert, um das Läuten der einzelnen Glocken per Videofilm festzuhalten. „Diese Videofilme, jeweils einen für jede Glocke, werden auf die Internetseite unserer Kirchengemeinde gestellt. Jeder kann Zuhause die vier Glockenfilme nacheinander anklicken und damit das Geläut der St.Georgskirche im heimischen Wohnzimmer nachahmen“, so Pfarrer Michael Wanner.

Die große Domika-Glocke mit der Inschrift „O Land, Land, Land höre des Herrn Wort“, die kleinere, 682 Kilogramm schwere Betglocke mit der Inschrift „Wachet und betet“ sowie die 403 Kilogramm schwere Kreuz-, Schied- oder Zeichenglocke mit dem Schriftzug „Ehre sei Gott in der Höhe“ wurden allesamt am 1. Mai 1949 nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs geweiht. Die kleinste, 175 Kilogramm schwere Taufglocke kam erst später hinzu und wurde im Jahr 1969 aufgehängt. Für diese Taufglocke komponierte der damalige Pfarrer Helmut Rathfelder sogar eine eigene Kantate zur Inschrift „Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“.

Alle vier Hohenhaslacher Glocken sind gemeinsam an Sonn- und Feiertagen genau sieben Minuten lang zu hören, wenn um 9.45 Uhr der Beginn des Gottesdienstes signalisiert wird. Zuvor hat jedoch schon eine Stunde vor dem Gottesdienst die Betglocke dazu eingeladen und eine halbe Stunde davor die Zeichenglocke. An Werktagen wiederum kündigt die Betglocke um sechs Uhr den Tagesanbruch an, um 11 Uhr läutet die Kreuzglocke in Erinnerung an die Kreuzigung Jesus, und um 12 Uhr wiederum ruft die Betglocke zum Mittagsgebet.

Je nach Jahreszeit wird um 15 oder 16 Uhr mit der Kreuzglocke der Sterbestunde von Jesus gedacht und um 17 oder 18 Uhr „gen Abend“ mit der Betglocke geläutet, die später zwischen 18.30 und 20.30 Uhr, je nach Monat, auch auf die nahende Nacht hinweist.

 „Viele Hohenhaslacher wissen gar nicht mehr, warum die Glocken gerade zu hören sind. Auch die Sonntage werden mit vollem Geläut samstags um 17 oder 18 Uhr eingeläutet ebenso wie entsprechende Festtage. Auch bei einem Todesfall ist am nächsten Werktag die Kreuzglocke um 9 Uhr drei Minuten lang zu hören“, erklärt Pfarrer Michael Wanner.

Für die beiden Konfirmanden Max Liebrich und Robin Salmen jedenfalls war diese Läuteordnung ihrer Kirchengemeinde bisher weitgehend unbekannt. „Interessant sind auch die unterschiedlichen Töne der einzelnen Glocken und die ganze Technik, die dahinter steckt, dass die Töne eben immer zur passenden Zeit zu hören sind, und die Glocken entsprechend genau programmiert werden“, sagt Max Liebrich.

So ertönt bei der gewaltigen Domika-Glocke der Ton f, bei der Betglocke der Ton g, bei der Kreuzglocke der Ton b und bei der Taufglocke der Ton d. Wer möchte kann dies in den kommenden Wochen selbst hören, wenn die von den Konfirmanden gedrehten Videos online gehen.

www.gemeinde.hohenhaslach.elk-wue.de

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel