Der Gleisrückbau auf der alten WEG-Trasse zwischen der Kehlstraße in Vaihingen und dem alten Haltepunkt Kleinglattbach in der Nähe der Tunnelröhre ist bald abgeschlossen. 3,2 Kilometer Schiene werden entfernt, im April soll dann der Bau des Radwegs starten.

Doch bevor die Gleise komplett abgebaut sind und ein Teil der Stadtgeschichte verschwindet, sind jetzt Schienenstücke mit Walzzeichen an die Vaihinger Gesellschaft für Stadtgeschichte übergeben worden. Die Schienenstücke werden in ein Depot der Stadt gebracht, damit sie künftig bei Ausstellungen gezeigt werden können.

„Es ist schon irre, was da aus früherer Zeit ans Tageslicht gekommen ist“, sagt Reinhard Wahl, Vorsitzender der Gesellschaft für Stadtgeschichte. Mitgliedern des Vereins fiel schon vor Jahren auf, dass die Strecke geradezu eine Walzzeichen-Sammlung ist. Ein Walzzeichen ist die Hersteller-Kennzeichnung einer gewalzten Schiene.

Ältestes Stück von 1913

Das älteste Schienenstück lag vor dem ehemaligen BayWa-Turm beim alten Vaihinger Stadtbahnhof und lässt sich auf das Jahr 1913 datieren. Und über dieses Schienenstück rollten bis 2001 – solange war die WEG-Strecke von Enzweihingen nach Kleinglattbach in Betrieb – die Züge. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagt dazu Steven Eich von der Firma Diringer und Scheidel, die für den aktuellen Gleisrückbau zuständig ist. Beim Beginn des Betriebsgleises der Firma Baresel wurde gar ein Schienenstück aus dem Jahr 1885 entdeckt. Das muss aber eine Zweitverwendung sein, denn 1885 gab es die Strecke noch gar nicht.

Die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) erbaute die Strecke zwischen Kleinglattbach und Enzweihingen in den Jahren 1902 bis 1904. Und anhand der Walzzeichen entsteht der Eindruck, dass die Strecke nur geflickt wurde: Zwischen der Kehlstraße in Vaihingen und dem Bahnhof Kleinglattbach fanden sich rund 60 bis 70 unterschiedliche Walzzeichen. Für manche Teilstrecken ließen sich genaue Aussagen machen, andere Bereiche waren so verschmutzt oder mit Steinen und Erde bedeckt, dass kaum Erkenntnisse zu gewinnen waren, so Wahl.

Die Walzzeichen sind ein Stück Geschichte der Herstellerfirmen, die zum Teil heute noch bestehen, jedoch kaum mehr Schienen produzieren. So zeugen die Walzzeichen vom Eisen- und Stahlwerk Hoesch aus Dortmund, den Rümelinger und St. Inberter Hochöfen und Stahlwerke aus St. Inbert, die Friedrich Krupp AG aus Essen, Eisenwerke De Wendel aus Lothringen, Azowstal aus Mariupol (Ukraine) und das Stahlwerk Rodingen aus Luxemburg. Wahl: „Sie erzählen von den Schwierigkeiten bei den Instandsetzungen der Strecke: Wenn kleine alte und große neue Schienen unmittelbar verschweißt werden mussten, war Talent gefragt.“