Der Druck, neuen Wohnraum zu schaffen ist in der ganzen Region groß. Ehrgeizige Ziele hat sich in diesem Zusammenhang auch die Stadt Markgröningen gestellt: Die Schaffung von 300 Wohneinheiten bis 2021 ist ambitioniert, könnte aber für ein wenig Entlastung sorgen. Das wäre Platz für rund 650 Personen. Ein Großprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei mit 200 Wohneinheiten ist in Planung, zwischen Engelgasse und Jahnstraße (50 Einheiten) rollen schon die Bagger an. Ein drittes Projekt mit preisgünstigen Wohnungen an der Unterriexinger Straße nördlich des Musikerviertels ist nun im Gemeinderat aber ins Stocken geraten.

„Wir brauchen Wohnraum“, sagte Bürgermeister Rudolf Kürner bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag, und „es brennt unter den Nägeln“. Deshalb sollte auch an der Unterriexinger Straße, wo die Gemeinde ein Grundstück besitzt, gebaut werden. Für das an die Mozartstraße angrenzende Gelände liegt bereits eine Projektstudie der Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau BW AG Stuttgart (GWG) vor. Auf der 3500 Quadratmeter großen Fläche könnten laut Planungen der GWG 27 oder 28 geförderte Wohnungen errichtet werden, mit einer Kaltmiete von neun Euro pro Quadratmeter. Hier könnte in 24 Wohnungen (vier Sechs-Familien-Häuser) Wohnraum für 80 bis 100 Menschen entstehen – ein nicht unwesentlicher Teil beim Vorhaben bis 2021. Doch anstatt einen Bebauungsplan in einem beschleunigten Verfahren nach Paragraf 13b des Baugesetzbuches (die BZ berichtete) im vereinfachten Verfahren auf den Weg zu bringen, entbrannte eine heftige Diskussion unter den Stadträten, was dort überhaupt entstehen soll.

Die Fraktion der Freien Wähler meinte, das schlauchartige Grundstück eigne sich nicht für das Vorhaben und das Gelände müsse durch Hinzukauf angrenzender Flächen erweitert werden, wies aber zugleich auf „schwierige Eigentumsverhältnisse“ hin. Auch die CDU-Fraktion hat Bedenken, möchte den Bau von Kitas als vordringlicher behandeln und will erst mal eine Prüfung durch das Hochbauamt abwarten, ob es nach Paragraf 13b rechtlich überhaupt möglich sei, in eine Planung zur Schaffung von Wohnraum den Bau einer Kita einzubeziehen.

Gleich mehrere Fragen blieben offen: Ob das besagte Grundstück in der Unterriexinger Straße nicht im Besitz der Gemeinde bleiben, oder ob man dort nicht ausschließlich Kinderbetreuungseinrichtungen vorsehen könne? Der Beschlussantrag der Verwaltung, der vorsah, die Bauleitplanung einzuleiten sowie die Grundstücke an die GWG zu verkaufen, wurde abgelehnt.

Erst mal sollen die offenen Fragen von Verwaltungsseite geklärt werden. Auch, ob die Fläche nicht durch Zukauf erweitert werden könnte. Doch die Zeit drängt. Denn um den zeitlich begrenzt geltenden Paragrafen 13b nutzen zu können, muss – sofern dieser nicht verlängert wird – bis Jahresende der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst werden. „Wenn wir dieses Projekt – vielleicht sogar noch in größerem Umfang – umsetzen können, könnten wir unsere Ziele erreichen“, sagt Bürgermeister Kürner mit Blick auf die strategische Planung, „wenn nicht wird es eher schwierig.“ Noch dieses Jahr will die Verwaltung das Thema in einer der verbleibenden Sitzungen erneut in den Rat bringen.

Auch bei der Kinderbetreuung ist Eile geboten


Hinsichtlich mehr Kinderbetreuungsplätzen ist Markgröningen einige Schritte weiter. Momentan wird für Unterriexingen ein Architektenwettbewerb für das Glemstal-Areal durchgeführt. Weiter ist bei aktuellem Bedarf die Erweiterung der Kita Im Nonnenpfad möglich. In der Kernstadt ist der Neubau einer Kita im Gebiet Schäferweg geplant. Zudem wird in Kürze ein neuer Waldkindergarten seinen Betrieb aufnehmen. Die Kleinkindgruppe in der Kita Pappelweg soll künftig Kinder ab einem Jahr aufnehmen.

Auch ist man auf der Suche nach weiteren Räumlichkeiten für die Schaffung eines „Kindernestes“ und für einen Naturkindergarten. Im Bereich der Kleinkindbetreuung sei ein privater Träger gefunden worden. Gespräche soll es demnächst geben. Um den kurzfristigen Bedarf abzudecken, legte die Verwaltung den Plan vor, die Kita Betzgasse (bei Rossmann) durch Anmietung von Räumen für die Einrichtung eines Bewegungsraums und die Erweiterung um eine Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit für Kinder ab drei Jahren zu erweitern. Doch wegen Bedenken wurde der Punkt vertagt. bas