Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Damit haben sich Schüler des Lichtenstern-Gymnasiums in Sachsenheim und ihre Gäste beim 19. Wirtschaftsgespräch am Mittwoch auseinandergesetzt. Der Abend in der Aula der Schule stand unter dem Motto „Mobilität von morgen“ und wurde gemeinsam mit der Stadt und der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung organisiert. Die Schüler hatten sich für eine Podiumsdiskussion vier Experten zum Thema Mobilität eingeladen: Ricarda Becker von der deer GmbH, die auch in Sachsenheim Carsharing von E-Autos anbietet, Nachhaltigkeitsguide Werner Burkhardt, Julius Emrich vom Bietigheimer Autohaus Weller und Jürgen Wurmthaler, Leitender Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur vom Verband Region Stuttgart. Nach einführenden Worten von Schulleiter Reinhart Gronbach und Bürgermeister Holger Albrich, der unter anderem von seinem neuen Hybrid-Dienstwagen erzählte, waren die Schüler mit einem Impulsvortrag an der Reihe in dem sie die grundlegenden Probleme bei der Mobilität skizzierten und kritisch mit dem Lösungsansatz der E-Mobilität ins Gericht gingen (Ressourcenverbrauch für Batterien).

BZ-Redakteur Mathias Schmid nahm als Moderator den Ball auf und gab zum Start der Podiumsdiskussion, bei der sich die Experten zunächst eine Stunde lang den Fragen der Schüler und anschließend auch aus dem Publikum stellen mussten, ein paar Zahlen mit auf den Weg. Unter anderem ging es dabei um das Ziel des Verkehrsministers 10 Millionen E-Autos auf die Straße zu bekommen. „Die Nachfrage für E-Autos ist sehr hoch“, sagte Emrich. „Aber es gibt keine bezahlbaren Produkte.“ Emrich forderte mehr Förderung für die E-Mobilität, die Autos würden in Kleinserien produziert und seien deswegen einfach zu teuer. Bei Unternehmenskunden sei die Situation noch schlechter, für manche Betriebe, die ihren Fuhrpark umrüsten wollen, gebe es schlicht keine größeren Fahrzeugen mit E-Antrieb auf dem Markt. „Da ist die Ladesäule schon da, aber es fehlt an Autos“, nannte Emrich ein konkretes Beispiel eines Kunden.

Für Becker gehört das Kaufen von Autos ohnehin der Vergangenheit an. In Zukunft gehe es eher darum Autos effizienter zu nutzen und etwa zu teilen. Das Eigentum an Autos werde dabei immer unwichtiger. Die Kritik der Schüler, dass E-Autos auch Ressourcen verbrauchten, relativierte Burkhardt, der sagte, für Mobilität werde man immer Rohstoffe brauchen. Wurmthaler erklärte, dass die Zukunft vor allem dem Mix verschiedener Mobilitätsformen gehören werde. So sei es durchaus denkbar, dass man in zehn oder 20 Jahren Flugtaxis nutze, aber auch weiter mit Autos und der Bahn fahre. Die einzelnen Arten müssten besser aufeinander abgestimmt werden, waren sich die Experten einig.

Zum ÖPNV musste Wurmthaler sich die Kritik auch aus dem Publikum anhören, dass die neuen Metropolexpresse eine schlechtere Lösung als eine S-Bahn-Verlängerung sein. Er warb um Geduld mit dem Angebot, erklärte aber auch, dass eine Verlängerung nochmal ins Gespräch kommen könnte, wenn die Probleme nicht verschwänden.

Die Schüler zeigten immer wieder durch kritische Nachfragen, dass sie sich gut vorbereitet hatten und auch Aspekte wie der Arbeitsplatzverlust durch E-Mobilität und Alternativen zum Schwerlastverkehr wurden diskutiert. Becker erklärt, dass die Mobilitätswende immer davon abhänge, wie sehr Menschen auch zum Verzicht bereit seien und zum Schluss warb Emrich dafür bei der ernsten Thematik nicht zu vergessen, dass Mobilität auch Spaß machen soll. Ein E-Auto zu fahren sei „geil“.