Sachsenheim Windhundrennen: Mit 65 Sachen auf der Bahn

Schnell, schneller, am schnellsten: Zahlreiche Hunde aus dem In- und Ausland gingen am Sonntag in Sachsenheim an den Start.
Schnell, schneller, am schnellsten: Zahlreiche Hunde aus dem In- und Ausland gingen am Sonntag in Sachsenheim an den Start. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / SABINE DETTLING 16.04.2013
Der Windhund-Rennsportverein Solitude läutete am Sonntag die Rennsaison ein. Zahlreiche Zuschauer erlebten bei strahlendem Sonnenschein packende Wettkämpfe von Greyhound, Whippet und anderen schnellen Schönheiten mehr.

Träge liegt Simba im Camper und blinzelt in die Sonne. Zwei Vorläufe liegen hinter ihm. Nun blickt er gelassen auf das, was kommt - den finalen Lauf über 360 Meter. Zweiter wird er später werden, nach einer packenden Hatz, die 24,7 Sekunden dauert, nur eine knappe Sekunde hinter dem Sieger prescht er über die Ziellinie, bejubelt von einer stattlichen Zahl an Zuschauern, die an diesem Sonntag bei prächtigem Frühlingswetter die Sachsenheimer Rennbahn säumen. Simba, der Whippet mit dem glänzenden rehbraunen Fell, stammt aus Oberhausen-Rheinhausen und lebt im Haus von Hannelore Vogel. Die ehemalige Rennleiterin vom WRV Kurpfalz ist hingerissen von ihrem drei Jahre alten Rüden. Simba, der eigentlich Catkylls Emmet Brown heißt, sei "sehr liebevoll, verträglich, sozial und ein ganz aufgeweckter Kerl". Trotz des Jagdtriebes, der allen Windhunden eigen ist, kann Vogel ihn beim Gassigehen von der Leine lassen, damit Simba auf spielerische Art und Weise für sein nächstes Rennen trainieren kann. "Ich gehe mittags und abends mit ihm raus, damit er mit anderen Hunden spielen und sich richtig austoben kann", so Vogel.

Simba ist abrufbereit, denn, wie Rainer Scholz, Vorsitzender des WRV Kurpfalz, erklärt, sind Windhunde entgegen der landläufigen Meinung gut erziehbar. Ein Paradebeispiel ist Scholz Magyar-Agar-Hündin Lara. "Ich trainiere mit ihr sogar Unterordnung", berichtet Scholz. Dies ist aber nicht die Hauptbeschäftigung der "ungarischen Rennsemmel" Lara, die nicht als solche geboren wurde. Sie, die 65 Kilometer pro Stunde schnell laufen kann, stammt aus dem Tierschutzheim, doch ihr Talent ist offensichtlich - das Finale über 480 Meter beendet sie als Zweite.

Mit dem Rennverlauf sehr zufrieden ist Helmut Rischer, Vorsitzender des WRSV Solitude. "Super", sagt er strahlend. "Leute zufrieden, Hunde auch", bringt er die Stimmung am Sachsenheim-Ring auf den Punkt. Die Schlangen vor der Essensausgabe sind lang, und am Sonntagmittag ist der Salat vom Büfett knappes Gut. Die Terrasse vor dem Vereinsheim ist voll besetzt, die Sonne lacht vom Himmel.

Trotzdem umwölkt sich Rischers Miene wieder. "Ob wir in fünf Jahren hier auch noch Hunde laufen sehen, ist ungewiss", spricht er die Tatsache an, dass das Rennoval einer Erweiterung des Gewerbeparks Eichwald weichen soll, und nimmt kein Blatt vor den Mund. "Wenn hier überbaut wird, ist der Verein tot." Die Lobby der Wirtschaft schlägt die der Sporthunde. Nicht einmal die schriftliche Intervention des Präsidenten der Weltorganisation Fédération Cynologique Internationale (FCI) bei Sachsenheims Bürgermeister Horst Fiedler, am Sitz des Zweckverbands also, sei auf Resonanz gestoßen, zeigt sich Rischer enttäuscht. Wäre der Sachsenheim-Ring Geschichte, müsste nicht nur die Windhundrenngemeinde im In- und Ausland Abschied nehmen vom Solitude- und anderen Rennen auf der international hoch geschätzten Bahn. Auch die Kinder aus der Umgebung, deren Gesichter ob der schnellen Vierbeiner um die Wette strahlen, kämen nicht mehr in diesen Genuss.

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