Bepflanzung Weniger Arbeit und mehr Blütezeit

Bis sich die Stauden (hier am Bauhof) ausgebreitet haben, soll das rote Substrat am Boden Unkraut fernhalten.
Bis sich die Stauden (hier am Bauhof) ausgebreitet haben, soll das rote Substrat am Boden Unkraut fernhalten. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Von Mathias Schmid 15.05.2018

Das Thema war im wahrsten Sinne des Wortes ein trockenes: Vergangene Woche ging es im Sachsenheimer Gemeinderat um die Pflanzungen im öffentlichen Grün. Mit Staudengewächsen soll den regenarmen Sommern begegnet und der Bauhof entlastet werden. Doch es bleiben Fragen.

In den letzten Jahren mit häufig heißen Sommern sei der Bauhof vor allem mit dem Gießen nicht hinterhergekommen. Abhilfe schaffen sollen mehrjährige Staudengewächse, die eine größere Hitze und mehr Sonne vertragen und gleichzeitig weniger Wasser benötigen als die bisherigen einjährigen (nicht heimischen) Wiesenblumen-Mischungen. „Vergangenen Sommer mussten wir uns wirklich fragen: Wo gießen wir noch, und wo schaffen wir es nicht mehr?“, berichtete Nicole Toussaint-Prella, Kaufmännische Bauhof-Leiterin.

Selbstregulierendes System

Gepflanzt wurden die Staudenmischungen an den Ortseingängen von Groß- und Kleinsachsenheim sowie entlang des Bauhofs in Großsachsenheim. „Wenn die Pflanzen tief genug verwurzelt sind und sich entwickelt haben, erzeugen sie langfristig einen minimalen Pflegeaufwand“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Sind sie nach zwei bis drei Jahren richtig gewachsen, sorgen die sogenannten Bodendecker in den Mischungen dafür, dass der Untergrund komplett bedeckt ist und Unkraut keine Chance hat. Insgesamt sollen pro Quadratmeter nur 5,2 Minuten Arbeit pro Jahr anfallen. Außerdem sollen die Stauden von Frühjahr bis Herbst blühen. „Es entsteht ein weitgehend selbstregulierendes System“, heißt es in der Vorlage.

Gepflanzt wurde laut Verwaltung eine Staudenmischung, die vom Arbeitskreis Pflanzenverwendung im Bund deutscher Staudengärtner schon mehrere Jahre verwendet wird. In Kleinsachsenheim sei eine besonders bienenfreundliche Mischung ausgebracht worden. An den Ecken Sersheimer Straße/Klingenberg und Heinrich-Heine-/Traunreuter Straße wurden niedrig wachsende Stauden gewählt – wegen der Verkehrssicherheit.

Von den acht Mitarbeitern des Bauhofs sind fünf für die städtischen Grünflächen verantwortlich. Offenbar zu wenig. Im Sommer werden aus Zeitgründen außerstädtische Grünflächen bereits nur noch gemulcht, sprich mit nicht verrottetem organischen Material bedeckt, anstatt gemäht. Günter Dick, GLS-Fraktionschef, brachte daher eine externe Firma zur Entlastung ins Spiel: „Die innerstädtischen Flächen kann nur der Bauhof betreuen“, meinte er. Dafür müssten die Mitarbeiter ausreichend Zeit bekommen. Toussaint-Prella merkte an, dass durch die neuen Gewächse ebendies bewirkt werde.

Die Kleinsachsenheimer Bezirksbeirätin (GLS) und (Mikro-)Biologin Angela Brüx hatte sich in der Bürgerfragestunde nicht überzeugt gezeigt. Zum einen wollte sie den Anteil der einheimischen Pflanzen in den neuen Mischungen wissen. In der Vorlage stand nur, dass dieser höher als zuvor sei. Die Verantwortlichen blieben zunächst eine Antwort schuldig. Zudem stellte Brüx den Inselcharakter der drei Standorte infrage. Sie ist der Meinung, dass „das alles viel ganzheitlicher betrachtet“ werden müsse. Sie frage sich, „ob eine bienenfreundliche Bepflanzung von einem fünftel Kreisel in Kleinsachsenheim“ wirklich Bienen anlocke, zumal es drumherum ebenfalls wenig Blühendes gebe. Sie stellte in Aussicht, dass sie und einige Mitstreiter sich ehrenamtlich für eine bienenfreundlichere Stadt engagieren würden. „Auf dieses Angebot werden wir auf jeden Fall zurückkommen“, meinte Bauhofleiterin Toussaint-Prella.