Wenn Reiner Weiß aus Ochsenbach im September dieses Jahres seine kommunalpolitische Laufbahn beendet, geht nicht nur in der Kirbachtalgemeinde, sondern auch in ganz Sachsenheim eine Ära zu Ende – 35 Jahre Mitgliedschaft im Ortschaftsrat. Er war 15 Jahre als Ortsvorsteher aktiv und 5 Jahre Gemeinderat in der Gesamtstadt.

Sein Großvater war damals, lange vor der Eingemeindung Ochsenbachs zur Stadt Sachsenheim, auch Gemeinderat und stellvertretrender Bürgermeister im idyllischen Dorf zu Füßen des Geigersbergs. „Mein Großvater hat mir viel von seiner Arbeit in der Kommunalpolitik erzählt und mich mit seinen Geschichten richtig begeistert. Daher war es schon früh klar für mich, dass ich diesen Weg auch einschlagen wollte“, erinnert sich der heute 69-jährige Reiner Weiß, der bei den Kommunalwahlen in diesem Jahr nicht mehr als Kandidat antritt und jüngeren Nachwuchskräften in Ochsenbach Platz machen möchte.

„Ich habe die Bürgermeister Karl-Heinz Lüth, Andreas Stein und Horst Fiedler erlebt und mit allen drei sehr gut zusammengearbeitet. Es wurden in meiner Amtszeit viele Projekte umgesetzt wie beispielsweise die Umlegung am Geigersberg, die sich über zehn Jahre hingezogen hat und sehr schwierig war“, so Weiß. Er kann sich noch gut erinnern, als er damals mit dem ehemaligen baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser bei einem Vor-Ort-Termin auf die Weinberghänge blickte und dieser ihm die finanzielle Förderung für die Entwicklung der heute so bedeutsamen kulturhistorischen Weinlandschaft Geigersberg per Handschlag zusagte. „Auf sein Wort konnte ich mich verlassen. Er sagte, dass wir das machen, und so kam es schließlich auch“, schwärmt Weiß noch heute von dieser Begegnung.

Gerne denkt der scheidende Ochsenbacher Ortsvorsteher aber auch an die vielen Auszeichnungen seines Heimatortes im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ zurück, dessen Urkunden von der Gold- bis zur Silbermedaille des Landes Baden-Württemberg die Wände der Ochsenbacher Verwaltungsstelle schmücken. Stolz ist Weiß auch auf die Sanierung der Pfarrscheuer, die in den vergangenen Jahren immer weiter vorangeschritten ist, sodass sich das historische Bauwerk mit so viel Eigeninitiative der Bürger inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt für Ochsenbacher Feste entwickelt hat. „Vielleicht war es früher, in meinen Anfangsjahren als Ortsvorsteher, leichter, bestimmte Vorhaben durchzusetzen. Heute gibt es mehr bürokratische Hürden oder Widerstände bei den Bürgern. Aber dennoch bleibt mir mein Ehrenamt durchweg in positiver Erinnerung. Ich möchte die vielen schönen Begegnungen bei meinen Geburtstagsbesuchen nicht missen. Nur ein einziges Mal wurde ich in der ganzen Zeit schon an der Haustür weggeschickt“, erzählt Reiner Weiß.

Für ihn waren ebenso wie seinen Amtskollegen Volker Pertler aus Spielberg auch die Besuche der unterschiedlichen Vereinsveranstaltungen im ganzen Jahr nicht nur Pflicht, sondern willkommene Abwechslung. „Ich habe in meiner Zeit als Ortsvorsteher so viele tolle Menschen getroffen, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Dafür bin ich wirklich dankbar. Natürlich steht man als Ortsvorsteher auch immer unter einer gewissen Beobachtung der Bevölkerung und wird häufig auf Probleme angesprochen“, sagt Pertler. Er wurde 2009 in den Spielberger Ortschaftsrat und auch gleich zum Ortsvorsteher gewählt. „Mit dem ‚Oinaweg-Feschd‘ galt es gleich viel zu organisieren und auf die Beine zu stellen. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, und es gab für dieses Fest ein wirklich tolles Echo“, erzählt Pertler. Die Sanierung des sogenannten „Eselswegs“ am Kirbach entlang oder die Erneuerung und Erweiterung der örtlichen Aussegnungshalle sind weitere Maßnahmen, die in der Amtszeit des Spielberger Ortsvorstehers in Angriff genommen wurden.

„Natürlich hat mich auch das Thema der Asylunterbringung und die Zukunft des Gasthauses ‚Ochsen‘ sehr beschäftigt. Den Mitgliedern des Arbeitskreises Asyl ist es zu verdanken, dass die Integration heute so gut gelungen ist“, macht Pertler deutlich. Der 57-Jährige möchte jetzt ebenfalls jüngere Menschen in Spielberg ans „kommunalpolitische Ruder“ lassen. Es sei wichtig, den richtigen Zeitpunkt für den Absprung zu finden, macht der Spielberger Ortsvorsteher deutlich.

Für ihn wie seinen Amtskollegen Reiner Weiß ist es eine Herzensangelegenheit, dass die Ortsgremien im Kirbachtal bestehen bleiben und auch in den Verwaltungsstellen vor Ort vernünftig gearbeitet werden kann. „Das war in der Vergangenheit nicht immer so, und wir sind froh, dass die Verwaltungsstellen inzwischen gut an das Netz der Stadt angebunden sind. Auch das Wort der Ortschaftsräte und Ortsvorsteher hat Gewicht, und dies soll auch so bleiben“, betonen die beiden scheidenden Kommunalpolitiker.

Info Noch bis zum 12. März können sich interessierte Bürger aus dem Kirbachtal für eine Kandidatur zu den Ortschaftsräten bewerben.