Mit der Weinherstellung kennt er sich trotz seines jungen Alters seit Jahren aus. „Ich bin im Weinberg aufgewachsen“, sagt der 22-jährige Hannes Weiberle. Der Hohenhaslacher ist Weintechnologe. Wer eine solche Ausbildung gemacht hat, begleitet die Trauben von der Anlieferung in der Winzerei oder der Weinkellerei bis hin zum Versand an den Weinhandel. Wein gehört zur Tradition seiner Familie. Seine Eltern Ulrike und Klaus Weiberle betreiben ein Weingut in Hohenhaslach. Inzwischen beschäftigt sich die 17. Generation mit dem edlen Getränk. Doch Weiberle wollte noch mehr dazulernen. Aus diesem Grund beschloss er Erfahrungen im Ausland zu sammeln.

In Neuseeland machte der junge Mann, der zudem noch eine Konditorlehre erfolgreich abgeschlossen hat, von März bis Mai ein Praktikum auf der Südinsel Neuseelands, in Nelson, in einem mittelgroßen Weinbaubetrieb – auch ein Familienunternehmen – mit einer Fläche von 360 Hektar. So ganz fremd habe er sich dort nicht gefühlt, berichtet er: „Die Betreiber sind Nachfahren eines Österreichers. 1970 verließ dieser seine Heimat und wanderte nach Neuseeland aus. Der Senior konnte besser Deutsch als Englisch.“ Als Praktikant war Weiberle an dem Betrieb nicht allein beschäftigt. „Wir waren zu zehnt, sieben davon deutschsprachig.“ Sprachlich war es trotzdem zu Beginn „ein bisschen gewöhnungsbedürftig: „Neuseeländer sprechen schnell“, findet er. Doch „die Leute sind sehr offen und sie haben ihn herzlich aufgenommen.“

Vielfältiger Arbeitstag

Der Arbeitsalltag bei einem Weinbetrieb ist nicht jeden Tag derselbe, erzählt Weiberle: „Einen klassischen Arbeitsablauf gibt es selten.“ Besonders viel zu tun, ist während der Lese. Da kam es schon vor, dass wir an einem Tag bis zu zehn Stunden arbeiten mussten.“ Sein Aufgabenbereich war vielfältig. „Ich durfte in alle Kellertätigkeiten reinschnuppern, von der Annahme der Trauben, der Mengenbestimmung und dem Pressen bis hin zur Vergärung und dem Abfüllen.“

Vieles kannte Weiberle schon, doch an bestimmte Sachen musste er sich gewöhnen. Zum Beispiel, dass Neuseeländer sehr pingelig in Bezug auf Kellerhygiene seien. „Dort wird alles sehr gründlich desinfiziert, bei uns spült man mit Wasser“, berichtet er. Woran sich Weiberle noch gewöhnen musste, war die unterschiedliche Jahreszeit. Zum dem Zeitpunkt als er nach Neuseeland flog, war dort Herbst und in Deutschland Frühling. „Als ich wieder in Deutschland war, dauerte es ein paar Wochen, bis ich mich an die neue Jahreszeit gewöhnen konnte“, sagt Weiberle und lacht.

Während Deutschland eine lange Weingeschichte hat, ist laut Weiberle die Weinhistorie Neuseelands nicht so alt. „Erst seit 60 Jahren wird dort Wein angebaut.“ In dem fernen Land gedeihen zudem andere Rebsorten. „Das Sortenspektrum ist natürlich nicht das schwäbische.“ Der Trollinger gedeihe dort nicht. Und für den Riesling seien viele Regionen des Lands zu warm. „Stattdessen ist die Primärsorte Sauvignon Blanc und im Süden trinkt man Spätburgunder.“ Weiberle betont zum Schluss „auch  wenn der Wein aus Neuseeland so gelobt wird, schmecken deutsche Weine genauso so gut.“