Sachsenheim / Von Michaela Glemser

Es ist kalt, es nieselt, und der Himmel ist an diesem Donnerstagvormittag wolkenverhangen. Dennoch zieht einen der Panoramablick hoch oben am Pfefferwald in den Hohenhaslacher Weinbergen in seinen Bann. Die weite Landschaft liegt dem Betrachter gleichsam zu Füßen, ein Gefühl der Ruhe fernab von der Hektik des Alltags stellt sich ein. Genau dies war die Intention der rund 23 Mitglieder des Vereins Weit-Blick-Weg Hohenhaslach, der bereits im September 2012 ins Leben gerufen wurde.

Inzwischen sind einige Kunstwerke an dem rund 4,5 Kilometer langen Weit-Blick-Weg mit seinem Startpunkt oberhalb der Hohenhaslacher Kelter durch die Bereiche „Hohe Reute“ und „Pfefferwald“ bis zum Schlusspunkt am Geologischen Fenster aufgebaut. Besonders imposant ist der „Kelch der Hoffnung“, der sich aus Stahl erstellt in den Himmel schraubt und nach oben hin offen ist, um dem Betrachter zu signalisieren, auch in den dunklen Momenten des Lebens nie die Hoffnung auf das Gute zu verlieren. Der leere Kelch kann sich immer wieder mit neuer Kraft und Freude füllen.

„An jedem Kunstwerk werden zwei Texttafeln mit einer eher weltlich geprägten Erläuterung und einer christlichen Symboldeutung aufgestellt“, erklärt Künstler Martin Burchard. Die Texte mit den religiösen Impulsen hat Pfarrer Michael Wanner verfasst. „Wir wollen dem Besucher aber bewusst die Wahlfreiheit zwischen der christlichen und der weltlichen Erklärung lassen“, so Burchard.

Beim „Kelch der Dankbarkeit“ der mit Regenbogenfarben und unterschiedlichen Begriffen gefüllt ist, sollen die Betrachter dankbar auf die reichhaltige Fülle des eigenen Lebens blicken. An der „Himmelstreppe“ führt durch ein vier Meter hohes Portal mit einem schmalen Durchlass eine Treppe die Rebhänge hinauf zu einem breiteren Austritt, dessen Spitze ein Kreuz aus Robinienholz ziert. Symbolisch muss zunächst ein Gefühl der Enge durchbrochen werden, um oben den weiten Blick genießen zu können. In biblischem Sinne steht diese Treppe für den Weg hinauf zu Gott in den Himmel. Entlang der Treppe erklären Informationstafeln verschiedene Elemente des Weinbergs und des Weinbaus.

Hohe Aufenthaltsqualität haben auch die beiden letzten Stationen des Weit-Blick-Wegs. Im Bereich „Luginsland“ werden Tische und Bänke aufgestellt, auf denen die Besucher entweder den Blick in den Wald oder ins weite Tal bestaunen können. Auf den Tischen werden Sanduhren stehen, die nach 15 Minuten abgelaufen sind. Dies soll den Besuchern signalisieren die Plätze zu tauschen, um eine neue Perspektive einzunehmen. Am „Geologischen Fenster“, der letzten Station wiederum, fordert eine Uhr ohne Zeiger die Besucher auf, die Zeit einmal still stehen zu lassen und sich von der Hektik des Alltags zu befreien. Dafür hat die Stadt Sachsenheim verschiedene Baumstämme als Sitzgelegenheiten beigesteuert.

Insgesamt hat das Projekt „Weit-Blick-Weg“ rund 205 000 Euro gekostet. Davon wurden 105 000 Euro aus Fördermitteln unter anderem auch des Naturparks Stromberg-Heuchelberg generiert. „Wir haben dieses Vorhaben von Beginn an unterstützt, denn es passt perfekt zu unserer Arbeit im Naturpark, deren Aufgabe die Schaffung von naturnahen Erholungseinrichtungen ist“, unterstreicht der Geschäftsführer des Naturparks, Dietmar Gretter. Die restliche Summe musste und muss noch aus Spendengeldern finanziert werden.

Teile der Hohenhaslacher Bevölkerung befürchteten zunächst zu große touristische Veränderungen. Der Verein musste viel Überzeugungsarbeit für den Weit-Blick-Weg leisten. Zudem mussten Kompromisse mit Naturschützern eingegangen werden. Am 14. April dieses Jahres soll der Hohenhaslacher Weit-Blick-Weg offiziell eingeweiht werden. An diesem Tag gibt es nicht nur Weinprobierstände und kulinarische Angebote entlang des Wegs, sondern auch Führungen und die Möglichkeit zu Gesprächen mit Künstler Martin Burchard.

www.weitblickweg.de

Weit-Blick-Weg: Von der Idee zum Projekt

2012 hatte der Hohenhaslacher Pfarrer Michael Wanner angeregt, eine Art Besinnungsweg zu schaffen, wie er bereits unter dem Namen „Weiterweg“ in der Gemeinde Gschwend im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald existierte. „Mit Vertretern unseres Naturparks Stromberg-Heuchelberg, der örtlichen Weinbaubetriebe und der Stadt Sachsenheim sind wir nach Gschwend gefahren und haben uns vor Ort umgesehen. Danach war uns klar, dass wir dies in Hohenhaslach in ähnlicher Weise umsetzen wollen“, erinnert sich Reinhard Baumgärtner vom Verein „Weit-Blick-Weg“.

Er nahm Kontakt zum Tübinger Künstler Martin Burchard auf, der mit seinen Kunstwerken schon den Sinnespfad in Gschwend gestaltet hatte. „Mir ist es wichtig, dass meine Kunstwerke allgemein verständlich sind. Sie sollen nicht mit Absurdem provozieren, sondern den Menschen positive Lebensimpulse vermitteln“, betont Burchard. Der Verein als Bauherr gab dem Künstler den Auftrag, dass unter anderem der Weinbau als Kernthema beleuchtet werden sollte. mig