Am Sonntag haben sie die Wahl: Rund 14 500 Bürger sind in Sachsenheim dazu aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu bestimmen. Doch gehen sie überhaupt wählen? Was sagen sie eigentlich zum Bewerberfeld? Wurden die richtigen Themen angesprochen? Und was ist ihnen in den nächsten Jahren wichtig. Die BZ hat in einer stichprobenartigen Umfrage die Stimmung aufgegriffen.

Jan Meier, Häfnerhaslach: „Ich will auf jeden Fall mein Stimmrecht wahrnehmen, da es um die nächsten acht Jahre der Stadtentwicklung geht. Ich wäre gerne bei einer der Kandidatenvorstellungen gewesen, leider hat das nicht geklappt. Dennoch habe ich mich schon entschieden. Ich habe die Berichterstattung in der Zeitung verfolgt und eine Internetrecherche drangehängt, um etwas über die Hintergründe der Kandidaten zu erfahren. Den direkten Schlagabtausch zwischen den Kandidaten habe ich zwar nicht mitbekommen, aber ich denke, die wichtigsten Kernthemen sind im Wahlkampf angesprochen worden. An ein paar Stellen wäre bei manchen Kandidaten etwas mehr Detailwissen wünschenswert gewesen.“

Claudia Göttfert, Großsachsenheim: „Ich gehe am Sonntag nicht zur Bürgermeisterwahl, da meine Stimmabgabe mir persönlich nichts bringt. Seit 21 Jahren lebe ich in Sachsenheim. Für die Neubürger wird, meiner Meinung nach, alles getan in der Stadt, aber der soziale Wohnungsbau wurde extrem vernachlässigt. Die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, werden alleine gelassen. Über die einzelnen Kandidaten habe ich mich auch gar nicht informiert.“

Eduard Schenk, Großsachsenheim: „Natürlich werde ich am Sonntag zur Bürgermeisterwahl gehen. Ich war in Hohenhaslach bei der Vorstellung der Kandidaten und habe mich im Vorfeld schon ausreichend über ihre Themen erkundigt. Besonders stört mich die Parksituation in der Innenstadt von Großsachsenheim. Parkhäuser könnten dabei durchaus eine Lösung sein. Sonst bin ich mit der Situation in der Stadt zufrieden.“

Erika Paulo, Hohenhaslach: „Selbstverständlich werde ich am Sonntag zur Bürgermeisterwahl gehen. In der Zeitung und in Gesprächen habe ich die einzelnen Kandidaten näher kennengelernt. Mit kommt es vor allem darauf an, dass etwas für die älteren Bürger getan wird. Sie müssen fußläufig zu erreichende Einkaufsmöglichkeiten vor Ort finden. Auch die Chancen auf Bildung und Betreuung für die jüngere Generation müssen vor Ort gegeben sein. Für Hohenhaslach wünsche ich mir, dass das Pflegeheim endlich realisiert wird und sich die Busanbindung erheblich verbessert.“

Denis Kungl, Großsachsenheim: „Auf jeden Fall gehe ich wählen – man sollte mitbestimmen, wer der Bürgermeister der Stadt ist, in der man wohnt. Mein Favorit hat sich sehr schnell herauskristallisiert. Mir hat es leider nicht gereicht, eine der Kandidatenvorstellungen zu besuchen. Stattdessen habe ich mich selbst über die Kandidaten und ihre Themen informiert – auf ihren Homepages und in den sozialen Netzwerken. Einen Wahlkampf in dem Sinne habe ich nicht wahrgenommen, weil es einige Kandidaten gibt, von denen man kaum etwas hört. Große Probleme in Sachsenheim sind die Innenstadt und die Infrastruktur. Das wurde meiner Meinung nach auch genügend thematisiert.“

Birgit Bass, Großsachsenheim: „Ich werde auf jeden Fall wählen gehen, weil ich dadurch vielleicht ein bisschen etwas in die Richtung beeinflussen kann, die mir wichtig ist. Ich weiß auch, wen ich wählen werde, hatte gleich eine Tendenz, die auf meinem Bauchgefühl basiert hat und die sich bestätigt hat, nachdem ich mir eine Vorstellungsrunde über das Internet angeschaut habe. Ich bin in der komfortablen Lage, dass ich mit meinem Stand auf dem Wochenmarkt bin, da habe ich zwei der Kandidaten gesehen. Besonders schön fand ich, dass ein Bewerber bei mir zu Hause geklingelt hat. Manche Kandidaten haben sich bei den Bürgern erkundigt, was ihnen auf der Seele brennt. Das zeigt, dass sie wirklich daran interessiert sind, was man in Zukunft angehen muss. Was mir bisher gefehlt hat, ist das Thema Umweltschutz, zum Beispiel, dass unser Wald nicht so ausgebeutet wird.

Gerhard Breitmayer, Großsachsenheim: „Ich werde zur Bürgermeisterwahl gehen. Mit einzelnen Kandidaten konnte ich schon Gespräche führen. Auch in der Zeitung habe ich über sie viel gelesen. Vor allem beim Thema Verkehr muss in Zukunft etwas passieren. Die Straßen in der Stadt sind marode, die Belastung nimmt immer mehr zu. Auch bei der Stadtentwicklung gibt es Verbesserungsbedarf. An eine neue Festhalle in Großsachsenheim brauchen wir in den kommenden Jahren leider erst einmal nicht zu denken. Wir werden sowieso erst nach der Wahl merken, ob der Wunschkandidat das hält, was er im Vorfeld versprochen hat.“

Kathrin Schaber, Hohenhaslach: „Am Sonntag werde ich zur Bürgermeisterwahl gehen. Über die einzelnen Kandidaten und ihre Themenschwerpunkte habe ich mich in ihren Flyern und in der Zeitung informiert. Besonders wichtig sind mir Bildung und Betreuung in Sachsenheim, da ich zwei kleine Kinder habe. Zudem hoffe ich, dass künftig allgemein mehr für junge Familien, aber auch für die älteren Menschen sowie für die Pflegesituation und die Stärkung der einzelnen Stadtteile unternommen wird. Auch die Wirtschaftsförderung liegt mir am Herzen.“

Karl Heinz Siber, Großsachsenheim: „Ich will mitbestimmen, wer Bürgermeister wird. Ich habe mir einiges des BZ-Wahlforums hinterher auf Youtube angeschaut. Ich glaube, ich habe mich entschieden, wen ich wähle, aber beschwören will ich es nicht. Das Thema, wie es mit den Finanzen der Stadt weitergeht, ist nicht in angemessener Form angesprochen worden – vielleicht, weil niemand eine Lösung dafür hat. Den Aufwand, den einige Bewerber betreiben, kannte ich von bisherigen Wahlen in Sachsenheim nicht. Mein Problem ist: Sind die Qualitäten, die ein Kandidat mitbringen muss, um eine Wahl zu gewinnen, dieselben Qualitäten, die er als Bürgermeister braucht?“

Julia Haas, Kleinsachsenheim: „Ich finde es wichtig, dass jeder wählen geht. Dann kann man sich auch nicht beschweren, was gewählt wurde. Meine Mutter hat uns Kindern das auch immer ans Herz gelegt. Bei größeren Wählermassen können auch andere Ergebnisse zustande kommen. Ich habe mir das Video von der Kandidatenvorstellung in Hohenhaslach im Internet zu Gemüte geführt und erst kurz vor der Wahl meinen Entschluss gefasst, wen ich wähle. Ich denke, die Themen, die dort angesprochen wurden, waren die wichtigsten.“

Siegfried Seitz, Großsachsenheim: „Ich weiß noch nicht, wen ich wählen werde. Das Thema Wohnungsbau ist mir ein großes Anliegen. Ich setze darauf, dass sich für Mieter und Vermieter die Situation in der Stadt in Zukunft verbessern wird. Ich lebe jetzt seit 57 Jahren in Sachsenheim und bin sonst mit der Entwicklung hier ganz zufrieden.“

Laura Wägelein, Sachsenheim: „Ich bin vor rund einem halben Jahr aus Bietigheim-Bissingen nach Sachsenheim gezogen. An der Bürgermeisterwahl habe ich schon per Briefwahl teilgenommen. Im Internet habe ich die Kandidaten und ihre Ziele näher kennengelernt. Vor allem für die Jugend kann in Sachsenheim noch mehr passieren. Weiterhin fehlt eine richtige Stadtmitte mit der passenden Aufenthaltsqualität wie in Bietigheim-Bissingen.“

Renate Stolz, Kleinsachsenheim: „Ich möchte am Sonntag den neuen Bürgermeister wählen, habe in dieser Woche angefangen mich ausreichend zu erkundigen. Flyer habe ich nicht erhalten und die Vorstellungen auch nicht besucht. Mir ist vor allem die Bürgernähe des neuen Bürgermeisters wichtig. Auch die Ortsdurchfahrt in Kleinsachsenheim ist verbesserungswürdig.“

Info Die Sachsenheimer Bürgermeisterwah ist am 3. Februar, ein eventueller zweiter Wahlgang am 17. Februar. Zur Wahl stehen Verwaltungsjurist Holger Albrich (48), PR-Berater Thomas Schärer (56), Krankenschwester Heiderose Frankenhauser (63), Sparkassenkaufmann Thomas Bay (53), Unternehmerin Simone Gaiser (53), Fahrlehrer Michael Sax (47) und Pädagoge Ulrich Raisch (58). Alles zur Wahl online bei der BZ, Suchbegriff „Bürgermeisterwahl Sachsenheim“.

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