Sachsenheim Vorerst kein Konzept für Bahntreff

Die Stadt hat ihre Pläne für das Bahnhofsgebäude mit Kiosk vorerst zurückgestellt.
Die Stadt hat ihre Pläne für das Bahnhofsgebäude mit Kiosk vorerst zurückgestellt. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Mathias Schmid 14.02.2019

Eigentlich wollte die Stadt das Grundstück um den ehemaligen Bahntreff am Großsachsenheimer Bahnhof neu überplanen und so einen Beitrag für die Belebung der Innenstadt leisten. Das ist bis auf Weiteres gestoppt – aus gutem Grund: Denn in den Räumen ist der Schneider untergekommen, der im November wegen eines Feuers sein Geschäft in der Bahnhofstraße aufgeben musste (siehe auch Infobox).

„Das Gebäude Bahnhofskiosk musste nach dem Brand in der Bahnhofstraße 1 von der Stadt auf die Schnelle hergerichtet werden, und der Mieter hat sich hier in nicht unerheblichem Maße selbst engagiert“, berichtet Stadtsprecherin Nicole Raichle. Deshalb sei der Mietvertrag seitens der Stadt auf mehrere Jahre abgeschlossen worden. „Die gutachterliche Marktanalyse für das Bahnhofsgebäude wurde deshalb nicht in Auftrag gegeben.“

Es war bereits beschlossene Sache: Der Pachtvertrag mit den Betreibern des Bahntreffs am Großsachsenheimer Bahnhof war – ein Jahr im Voraus – auf Ende 2017 gekündigt worden. Stadtsprecher Matthias Friedrich hatte damals argumentiert: „Da die ursprüngliche Nutzung, Reisende mit Waren für die Zugreise zu versorgen, nicht mehr gegeben ist und die aktuelle Entwicklung der Gaststätte immer mehr auf Glücksspielangebote abzielt, möchte die Verwaltung direkt Einfluss nehmen und mit dem Auslaufen des Mietvertrags die Chance ergreifen, den Bahnhofsvorplatz einer anderen Nutzung zuzuführen.“

Die Pächter hatten in mehreren Gesprächen versucht, mit der Stadt ein neues Nutzungskonzept zu erarbeiten. Das scheiterte aber letztlich. Und vermutlich war es der Stadt nicht unrecht, dass sich hier die Möglichkeit ergab, ein neues Nutzungskonzept zu erstellen. Auch ein Abriss und eine gänzliche Neugestaltung standen im Raum. Eine ansprechende Gastronomie mit Essensangebot war ebenfalls denkbar. In einer nicht öffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses wurden im Oktober 2017 bereits verschiedene Konzepte präsentiert. Daraufhin soll es sogar schon einen Favoriten gegeben haben. Doch aus dem Konzept wurde letztlich nichts.

Die Stadt suchte danach weiter nach einem passenden Nutzungskonzept – und vor allem nach einem geeigneten Betreiber. Bis zum Brand am 4. November. Denn dann ging es zunächst darum, einem ortsansässigen Unternehmer Räume zur Verfügung zu stellen – und somit auch darum, nicht ein weiteres Geschäft in der Innenstadt zu verlieren.

Die Chance, die Innenstadt an dieser zentralen Stelle attraktiver zu gestalten, ist aber so erst mal zurückgestellt. Genau damit hatte der Verwaltungsausschuss die Stadt einst beauftragt: eine Nutzung für das Grundstück zu finden, die belebend für die Innenstadt wirkt. Kritisch sehen viele seit Langem die zunehmende Anzahl an Glücksspielautomaten in vielen Gaststätten. Meist ist die Stadt aber machtlos, weil sie nicht Eigentümerin des Gebäudes ist. Das ist beim ehemaligen „Bahntreff“ anders, der nun ja zunächst auch einer sinnvollen Nuztzung zugeführt ist – wenn auch einer anderen als angedacht.

Nach Brand: Wie geht es weiter mit dem Gebäude Bahnhofstraße 1?

Anfang November war in der Großsachsenheimer Bahnhofstraße 1 ein Mehrfamilienhaus in Brand geraten. Der Dachstuhl brannte dabei komplett aus. Ursache war nach den Auskünften der Behörden ein technischer Defekt. Das Gebäude ist nach wie vor unbewohnbar. Wie es damit weitergeht, ist noch nicht klar.

Die Stadt Sachsenheim, der zwei der drei Stockwerke gehören, betont auf BZ-Nachfrage: „Wir haben Interesse, dass das Haus wieder aufgebaut wird.“ Dazu wäre die Stadt offenbar auch nicht abgeneigt, das gesamte Gebäude in ihren Besitz zu bekommen.

Ob hier ein Neu- oder ein Wiederaufbau die bessere Option ist, ist auch aus versicherungsrechtlichen Gründen noch nicht klar. „Wir warten derzeit noch auf das Gutachten der Versicherung. Erst wenn es klare Aussagen über den Zustand des Gebäudes und die möglichen Optionen gibt, wird die Stadt die weitere Vorgehensweise konkretisieren“, sagt Sprecherin Nicole Raichle. msc

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