Schwerpunkt 70er-Jahre Von 60 auf mehr als 200 PS

Dieter Mollenkopf mit seinen Enkeln Lina, Leni und Theo in einem Deutz Intrac 2003 aus dem Jahre 1979.
Dieter Mollenkopf mit seinen Enkeln Lina, Leni und Theo in einem Deutz Intrac 2003 aus dem Jahre 1979. © Foto: Michaela Glemser
Von Michaela Glemser 28.07.2018

Früher war er auf den Wiesen unterwegs, um das Grünfutter für die Tiere zu mähen und einzubringen, heute dient er Dieter Mollenkopf als Ausflugsmobil für seine Enkel Lina, Leni und Theo. Der kleine Trecker Intrac 2003 von Deutz, Baujahr 1979, hat im landwirtschaftlichen Betrieb des Hohenhaslachers längst ausgedient – nicht nur aus Altersgründen. Auch allgemein hat sich die Landwirtschaft massiv gewandelt.

„Es hat sich seit den 70er-Jahren schon enorm viel verändert. Früher gab es in Hohenhaslach noch viele Landwirte. Heute sind davon vielleicht noch vier bis fünf übrig geblieben“, macht Dieter Mollenkopf deutlich. Er bearbeitet mit mehr als 100 Hektar eine der größten Ackerflächen in der Kirbachtalgemeinde. Angebaut wird darauf heute Getreide für die benachbarten Mühlen und Mais für die Biogasanlagen. Grünland gibt es nicht mehr, da auch die Milchkühe aus dem Stall von Dieter Mollenkopf längst verschwunden sind.

„Zunächst haben wir die Landwirtschaft in Kombination mit dem Weinbau betrieben und uns seit 1991 noch ein drittes Standbein mit einem Erdbauunternehmen geschaffen“, schildert er und fügt hinzu: „Gerade in den 80er-Jahren gingen die Erlöse in der Landwirtschaft enorm zurück. Da gab es nicht mehr viel zu verdienen.“ In seiner Garage stehen noch einige Schlüter Trecker aus den 70er-Jahren sowie der schmucke Flitzer Intrac 2003 von Deutz, der über 60 PS verfügt. „Wenn wir heute auf die Felder hinausfahren, sitzen wir auf großen Treckern mit mehr als 200 PS und hochmoderner Technik. Alle Geräte, wie beispielsweise der Pflug, sind vom Fahrersitz aus variabel mit Knopfdruck einstellbar“, erläutert Mollenkopf, „früher haben wir rund eine Stunde gebraucht, um zehn Ar Ackerfläche zu bestellen. Heute bearbeiten wir in einer Stunde über einen Hektar.“ Natürlich haben sich mit der Technik und der Größe der Trecker auch deren Preise entsprechend verändert. Gab ein Landwirt früher für einen ordentlichen Traktor 15 000 bis 20 000 Mark ausgeben, muss er heute in die großen Modelle schon bis zu 200 000 Euro investieren.

Ausschließlich von der Landwirtschaft lebe heute in Hohenhaslach keiner mehr, so Mollenkopf. Auch der Kartoffelanbau ist so gut wie ganz verschwunden. „Die Kartoffeln mussten früher von Hand ausgelesen werden, weil die Bodenqualität in Hohenhaslach keine Maschine beherrschte“, erinnert sich Dieter Mollenkopf. Den Milchwagen, der früher von Landwirt zu Landwirt in der Kirbachtalgemeinde fuhr, um die gefüllten Milchkannen ins örtliche Milchhäusle zu bringen, gibt es ebenfalls längst nicht mehr.

„Damals hatte jeder Betrieb mindestens einen Schlepper. Der Intrac 2003 von Deutz war darunter schon ein Sondermodell, von dem es auch nicht mehr allzu viele gibt. Mit ihm konnte vorne das Gras abgemäht und hinten gleich aufgeladen werden. Das war schon eine enorme Zeitersparnis“, erinnert sich Mollenkopf, der seit seiner frühesten Kindheit die Stallarbeit kennt. Für ihn gehörte es schon als kleiner Junge dazu, morgens und abends das Vieh zu versorgen, egal ob es ein Werktag, Sonn- oder Feiertag war.

Ausgleich zum Alltag

Heute dient ihm und seinem Sohn Nico die Landwirtschaft eher als Ausgleich zum Berufsalltag im Erdbauunternehmen. Während sich viele Landwirte von ihren alten Schleppern und Treckern getrennt haben, weil sie froh waren, dass die Plagerei mit diesen in die Jahre gekommenen Fahrzeugen endlich ein Ende hatte, hängt Dieter Mollenkopfs Herz an diesen nostalgischen Gefährten. Auch die Landwirtschaft will der Hohenhaslacher nicht komplett aufgeben. „Wenn ich mit meinen Enkeln im Deutz Intrac durch die Gegend fahre, und sie dabei vor Freude lachen, kann ich ihnen vielleicht ein Gespür für die nos­talgischen Trecker und die Landwirtschaft von früher vermitteln“, unterstreicht Dieter Mollenkopf, der diese Tradition auch als Vorsitzender des Vereins der Hohenhaslacher Schlepperfreunde lebendig erhält.

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