Schäferlauf Vom Schäferkind zum Kaiser

Yasina Hipp 27.08.2018

Schon als kleiner Junge war ich bei den Proben immer dabei, und schaute meinem Vater auf der Bühne zu“, erinnert sich Walter Jahke an seine Anfänge in der Festspielgruppe. Sein Vater mimte im traditionsreichen Festspiel „Der treue Bartel“ den Koch, der vor ein paar Jahren in die Rolle des Burgkaplans umgewandelt worden ist. „Ich bin also schon dabei, seit ich denken kann und hab auch die traditionelle Karriere beim Markgröninger Festspiel durchlaufen“, so Jahke.

Der 62-Jährige startete als Schäferkind, bekam mit 14 Jahren die Rolle des Landsknechtes, zwei Jahre später stellte er einen Ritter dar und mit 19 Jahren übernahm er die ehemalige Rolle seines Vaters. „Nach einigen Umstrukturierungen war meine letzte Rolle von 2004 bis 2014 der Kaiser. Da hatte ich immer ein besonders schönes Kostüm“, meinte der Markgröninger.

Besonders gern erinnert er sich an die Zeit zurück, als ein paar Jahre drei Generationen der Familie Jahke beim „Treuen Bartel“ auf der Bühne standen. „Da war mein Vater noch dabei, natürlich ich und mein Sohn“ so Jahke. Inzwischen hat es den Schauspieler weg von der Bühne, hinter die Kulissen verschlagen.

Er übernimmt rein organisatorische Aufgaben, wie den Ablauf während den Vorstellungen zu regeln und den Schauspielern den Rücken freizuhalten. Sonntags leitet er zusätzlich die Moderation der einzelnen Szenen auf dem Stoppelfeld als „Geist des Ritters“.

Die Organisation des Festspiels für das neue Jahr beginnt direkt in den Tagen nach dem Schäferlauf. Gemeinsam mit Regisseur Matthias Eckert und Stefanie Warthmann gibt es eine Nachbesprechung der Aufführungen. Dieser ersten Besprechung folgen bis ungefähr Mai noch drei bis vier weitere. Ab dann geht es auch für die Schauspieler rund einmal pro Woche zum Proben. In der Woche direkt vor dem Schäferlauf probt das Ensemble dann jeden Tag, bis donnerstags zur Generalprobe. „Das Ganze nimmt schon viel Kapazität in Anspruch. Seit ich im letzten Jahr in Ruhestand gegangen bin, ist es viel entspannter geworden. Aber davor musste alles nach der Arbeit bis in die Nacht geregelt werden“ erklärt Jahke.

2011 wurde das Theaterstück „Der treue Bartel“ umgeschrieben und musicalähnlich inszeniert: „Wir haben unter den Schauspielern wirklich tolle und gut ausgebildete Sänger und die Lieder sind auch sehr schön.“ 

In diesem Jahr beteiligten sich 45 Schauspieler am Festspiel, darunter 17 Kinder. Die Rolle des Grafs musste allerdings provisorisch mit dem Vorgänger Günter Merz besetzt werden, da der ursprüngliche Schauspieler erkrankt ist. „Da Günter Merz gleichzeitig auch noch Festredner ist, kann er nur Freitag und Sonntag mit uns auftreten“, weiß Walter Jahke.

Der 62-Jährige freut sich auf den Schäferlauf: „Meine Highlights sind vor allem die Veranstaltungen draußen. Der Stoppelfeldlauf, der Schäfertanz und das ganze Spektakel außenrum. Aber auch das ganze Treiben abends in der Innenstadt ist toll.“ Am Montagmorgen heißt es für die Festspieltruppe rund um Walter Jahke Requisiten aufräumen und bis zum nächsten Jahr einlagern. „Ich bin dann auch erstmal froh wenn diese aufregenden Tage vorüber sind“, so Jahke.

Aus all den Jahren beim Markgröninger Festspiel gibt es viel zu erzählen. An eine Sache erinnert sich der 62-Jährige besonders gern zurück: „Vor ein paar Jahren waren Besucher von weiter weg da und schauten sich das Festspiel an. Sie fragten mich ob die Stadthalle extra für unser Stück gebaut worden ist, wie die großen Musicals, die ihre eigenen Hallen bekommen, das war dann schon ein riesiges Kompliment für uns.“

Für seine langjährige Mitarbeit wurde Walter Jahke am Freitagabend dann auf der Bühne von seiner Festspielgruppe geehrt und später von Bürgermeister Rudolf Kürner auf dem Marktplatz. Für Walter Jahke war 2018 nicht der letzte Schäferlauf. Er möchte gerne noch viele weitere Jahre beim „treuen Bartel“ hinter den Kulissen mitwirken.

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