Markante Bauten Vom Reizthema zum Kulturzentrum

Das Sachsenheimer Kulturhaus war zunächst umstritten, ist aber heute gut belegt.
Das Sachsenheimer Kulturhaus war zunächst umstritten, ist aber heute gut belegt. © Foto: Helmut Pangerl
Von Walter Christ 01.12.2018

Kaum ein Thema hat einen Großteil der Sachsenheimer so in Wallung gebracht wie das Kulturhaus an der Oberriexinger Straße.  Seit 20 Jahren nun steht der architektonisch attraktive Komplex, der laut Pressesprecherin Nicole Raichle  inzwischen von morgens bis abends gut  ausgelastet ist.

Sachsenheims Ex-Bürgermeister Andreas Stein spricht „nach wie vor mit Hochachtung von Professor Stockburgers tollem, elegantem Werk“, den „faszinierenden, wunderschönen  Lichtwirkungen und den absolut gerechtfertigten Räumen für Historie, Kultur und Begegnungen“.  Der frühere Bürgermeister: „Heute bin ich sehr stolz darauf!“

Bereits Mitte der 80er-Jahre andiskutiert, dauerte es bis zum 20. Dezember 1995, ehe mit dem Bau des 1500 Quadratmeter Gesamtfläche umfassenden „Musentempels“ auf dem ehemaligen Hinterhof eines landwirtschaftlichen Anwesens begonnen wurde. Am 3. Mai 1998 wurde das Kulturhaus dann eingeweiht. In dieser Phase bedurfte es viel Standhaftigkeit und Mut, das vom Sachsenheimer „Hausarchitekten“ Professor Dr. Martin Stockburger (Stuttgart) entworfene Acht-Millionen-Mark-Objekt gegen die lautstarken Widersacher durchzubringen.

Der damalige Bürgermeister Stein erinnert sich nur zu gut an das von ihm hauptsächlich wegen des Erhalts wichtigen Kulturguts und der Zusammenführung aller Statteilarchive über zehn Jahre hinweg initiierte und forcierte Vorhaben. Erst recht an die mitunter wüsten Proteste: „Die Gegner, viele darunter aus Kleinsachsenheim, hatten die Notwendigkeit bestritten, auch den Standort und die Kosten kritisiert, 2515 Unterschriften dagegen gesammelt, deftige Leserbriefe geschrieben, mir beim Wahlkampf eingeheizt und, und, und.“ Von „Prestigebau für den Schultes“ und vielem anderem war die Rede.

Ein steiniger Weg

Jedenfalls hatten Stein und Kommunalparlament beim Reizthema Stadthaus einen steinigen Weg zu meistern, bis das Kulturzentrum vollbracht war. Nicht zuletzt auch deswegen, weil  die CDU 1994 einen viel diskutierten Bürgerentscheid gegen das Vorhaben inszeniert hatte und auch die Grünen die Bürgerhaus-Lösung in dieser Form ablehnten. Der Bürgerentscheid war jedoch wegen erheblicher Formfehler unzulässig. Ein wichtiger Befürworter des Bürgerhauses war die Sport- und Kulturgemeinschaft (SKS) um den Vorsitzenden Manfred Luxem und dessen Nachfolger Heiner Bierbrodt.

Heute sind alle voll des Lobes. So spricht Bürgermeister Horst Fiedler von einem „ganz wichtigen Baustein nicht nur im Hinblick auf die Kultur und Historie, sondern auch in Bezug auf die unzähligen Begegnungen von Menschen in diesem Haus, die sehr starke Auslastung, idealen Dimensionen und die hervorragenden Ausstellungen.“, betont der Rathauschef mit Blick auf die stete Besetzung durch Kultur-Veranstaltungen, Ausstellungen, privaten Seminaren und Sportkursen, VHS-Angeboten, Musikschulstunden sowie Sitzungen von Gemeinderat und anderen Gremien. Den Standort am Schulzentrum, meint Fiedler freilich auch, „würde man heute wohl nicht mehr wählen“.

Bierbrodt, Chef der 64 SKS-Vereine, findet, dass sich die „Super-Lösung tausendprozentig bewährt“ habe. Auch die „Hausherrin“, Stadtarchiv- und Stadtmuseumsleiterin Dr. Claudia Papp, freut sich über das Kulturzentrum: „Die moderne Architektur, die technische Ausstattung, die Größe und die damit verbundenen Möglichkeiten des Hauses und die relativ zentrale Lage, noch dazu direkt neben den Schulen, schaffen für uns eine sehr positive Arbeitsatmosphäre.“ Das Kulturhaus mit Außenbereich habe sich „zu einem lebendigen Treffpunkt für ein breites Benutzerspektrum entwickelt“.

Das Kulturhaus und sein Innenleben

Auf einer Fläche von 615 Quadratmetern gibt es im Sachsenheimer Kulturhaus drei Vereinszimmer, ein Turmzimme und den Großen Saal mit 165 Quadratmetern. Im Untergeschoss sind Stadtmuseum und -archiv. Neben der Dauerausstellung zur städtischen Geschichte gibt es wechselnde Sonderausstellungen. Das Stadtarchiv bewahrt Dokumente zu allen sechs Teilorten aus mehr als 500 Jahren Vergangenheit auf. wch

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