wahlkreis:Vaihingen (13) Vogel- und Finanzwart: Markus Rösler (Grüne) im Porträt

Markus Rösler genießt den Blick vom Berg Schanzenreiter unterhalb der Ensinger Eselsburg. Den Feldstecher hat er stets dabei. Das Fernglas hat er sich 1982 gekauft. Von 1981 bis 1983 arbeitete der Schwabe als Vogelwart auf Sylt.
Markus Rösler genießt den Blick vom Berg Schanzenreiter unterhalb der Ensinger Eselsburg. Den Feldstecher hat er stets dabei. Das Fernglas hat er sich 1982 gekauft. Von 1981 bis 1983 arbeitete der Schwabe als Vogelwart auf Sylt. © Foto: Martin Kalb
Vaihingen / CAROLINE HOLOWIECKI 01.03.2016
Am 13. März will der Vaihinger Grünen-Abgeordnete Markus Rösler seinen Sitz im Landtag verteidigen. Punkten will er bei den Wählern mit einer Mischung aus Ökologie und Ökonomie.

Ganz links, da kann man blass in der Ferne das Ingersheimer Windrad erahnen. Das einzige im Landkreis Ludwigsburg. Wandert das Auge dann nach rechts, thront oben am Horizont ein Kasten. Das ist das Firmengebäude von Bosch auf der Gerlinger Schillerhöhe. Direkt geradeaus hinunter hat man einen fantastischen Blick über den historischen Weinort Ensingen, aber auch das recht neue Gewerbegebiet "Perfekter Standort". Und ganz rechts, da sieht man Streuobstwiesen. Es ist eine Kulisse wie bestellt für Dr. Markus Rösler. Während er den Blick über seinen Heimatort schweifen lässt, kann der Landtagsabgeordnete seine Arbeit quasi als 360-Grad-Panorama erklären.

Rösler ist ganz nach dem Vorbild des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, für den er während dessen Zeit als Fraktionsvorsitzender als parlamentarischer Berater gearbeitet hat, einer der grünen Wirtschaftsversteher. Und das im besten Sinn. Promoviert hat der heute 54-jährige Rösler als Landschaftsökonom. Zahlen, Finanzen, das ist sein Ding, wie er sagt. "Ich habe im Kopfrechnen immer alle geschlagen." Nicht zuletzt deswegen ist Rösler im Landtag der stellvertretende Vorsitzende des Finanz- und Wirtschaftsausschusses. Was er immer wieder betont: Er sei einer, der Ökologie und Ökonomie auf einen Nenner bringe und vereine.

Röslers Lieblingsbild ist das von den langen Linien. Zum meisten, was seine Arbeit angeht, habe er eine lange Beziehung. Etwa zu Streuobstwiesen. Auf denen sei er aufgewachsen, damals in Gerlingen, seiner Geburtsstadt. Die Familie habe eine Wengerter- und Obstbauer-Historie bis ins 15. Jahrhundert, weiter reichten die Kirchenbücher nicht. Most und Süßmost keltert Rösler bis heute selbst, wie er sagt. Seit 1992 ist er Sprecher des Bundesfachausschusses Streuobstwiesen. Dann und wann gibt er Schnittkurse für Gartenbesitzer. Zudem ist Rösler Koordinator des Vaihinger Streuobst-Schorle-Projektes.

Wie es sich für einen Grünen gehört, fühlt sich Rösler freilich auch der Fauna verbunden. Spezialgebiet: Vögel. Von 1981 bis 1983 war der Schwabe als Vogelwart auf Sylt tätig - als Zivi. Später arbeitete er eine Zeitlang als Nabu-Geschäftsführer im Saarland. Heute ist Rösler naturschutzpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Landtag. Auch das Ehrenamt dreht sich bei ihm um den Naturschutz. Ein Grüner, wie er im Buche steht, könnte man meinen. Doch tatsächlich schaffte er es vor fünf Jahren als Quereinsteiger in den Landtag. "Ich hatte bis heute kein Parteiamt", sagt er. Wohl aber hat er seit 1998 ein Parteibuch.

Rösler ist zuversichtlich, dass es auch nach dem 13. März für ihn im Landtag weitergehen wird. Auch seiner Partei räumt er gute Chancen ein. "Die Umfragen für uns Grüne sind sehr günstig. Wir freuen uns, wenn ein Dreier vorne ist", sagt er, um dann ein Zitat seines Chefs Kretschmann hinterherzuschieben: "Wir bleiben auf dem Teppich, auch wenn der Teppich fliegt."

Von Störfeuern wie der AfD will er sich nicht beeindrucken lassen. "Die AfD schadet zunächst am meisten der CDU." Dies im Hinblick auf den Wahlkampf. Aber sie schade freilich auch der demokratischen Debatte. Was Rösler zum Beispiel moniert: Dass im Hauen und Stechen rund ums Thema Flüchtlinge andere Themen in den Hintergrund geraten. Griechenland etwa, die Finanzkrise und das Thema Haushaltskonsolidierung.

"Die Tätigkeit eines Abgeordneten ist mehr als eine 50-Stunden-Woche", sagt Rösler. Nur montags, da versucht er sich keine Termine zu legen. "Montag ist Familientag", sagt der Vater dreier Söhne. Geschafft wird dann im Home Office. Familie, Heimat, die seien ihm wichtig, betont er. Ein Grund, warum er nach Abstechern in andere Bundesländer letztlich wieder in der Region gelandet sei. "Da, wo man Schwäbisch schwätzt, da isch' meine Heimat", sagt er. Seit neun Jahren leben die Röslers am Ortsrand von Ensingen. Da können die Jungs im großen Garten toben. Da kann man schön spazieren gehen. Besonders gern ist Markus Rösler dann eben auf dem Berg unterhalb der Eselsburg. Von dort kann er quasi seinen ganzen Wahlkreis 13 überblicken.
 

Name: Dr. Markus Rösler

Alter: 54

erlernter/ausgeübter Beruf: Landschaftsökonom und Landschaftsökologe

Wohnort: Ensingen

Familienstand: seit 14 Jahren verheiratet, drei Kinder (14, acht und fünf)

Hobbys: Tischtennis, Klavier, Schach und Skat spielen, Bergwandern und Fotografieren, Familienforschung und Garten, Schwäbisch und Griechisch

Lieblingsfilm: "Jenseits der Stille" und "Nathan der Weise"

Lieblingsbuch: "Die Vermessung der Welt" und "Der Großtyrann und das Gericht"

Lieblingslied: "Lemon tree" und "Non, je ne regrette rien"

 

Positionen

Thema Asyl: Wie lässt sich der Druck von Landkreis und Kommunen nehmen?

In Deutschland kürzere Bearbeitung der Asylanträge, damit schneller klar ist, wer bleiben darf und wer nicht.

Seitens der EU erfolgreiche Verhandlungen nach innen und mit den Herkunfts- und Transitländern nach außen.

Was kann das Land tun?

Zusammenarbeit mit Landkreis-, Städte- und Gemeindetag weiterführen, faire Kosten- und Arbeitsteilung zwischen den Ebenen (2015/2016 hat das Land 1,8 Milliarden Euro zusätzlich eingestellt, vieles davon fließt in die Kommunen).

Integrationsbemühungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene stärken. Dabei gilt "fördern und fordern". Asylbewerber sollen gefördert werden, aber sie müssen auch unsere Verfassung sowie Grundrechte kennen und achten.

Was ist ansonsten Ihr wichtigstes landespolitisches Ziel?

Nachhaltige Entwicklung des Landes: Interessen von Wirtschaft, Umwelt und Menschen gleichberechtigt betrachten und in Einklang bringen.

Wie wollen Sie dies erreichen?

Keine neuen Schulden aufnehmen, mittelfristig Schulden zurückzahlen sowie umweltschädigende Subventionen und Sozialdumping abbauen.

Dadurch gibt es mehr Handlungsspielraum für künftige Generationen.

Zwei weitere Ziele, die Ihnen für die Landespolitik wichtig sind?

Thema Schule:

Gymnasien, Realschulen und Gemeinschaftsschulen gemeinsam stärken. Bildung ist unser wichtigster Rohstoff.

Thema Verkehr:

Mobilitätsgarantie: Stündliche Erreichbarkeit aller Städte und Dörfer per ÖPNV, Bus oder Ruftaxi von fünf Uhr morgen bis Mitternacht.

Warum soll man Sie wählen?

Weil ich mich - bodenständig und weltoffen zugleich - mit Kompetenz in Ökonomie und Ökologie für den Wahlkreis und für ein modernes Baden-Württemberg einsetze.

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