VR-Bank Neckar-Enz I Video-Plausch in der Bankfiliale

ban 15.02.2018

Die VR-Bank Neckar-Enz steht vor ganz ähnlichen Problemen wie ihre Mitbewerber. Weil immer mehr Kunden ihre Geldgeschäfte mittlerweile von daheim aus organisieren, lohnt sich der Betrieb wenig frequentierter Filialen oft nicht mehr. Der mit Servicepersonal bestückte Bankschalter weicht dann oft einem  Geldautomaten. Und allzu häufig gibt es nicht einmal mehr den.

Dieser Entwicklung begegnet die VR-Bank Neckar-Enz nun auf neue und in der Region bisher einzigartige Weise – mit einem Pilotprojekt in Vaihingen. Auch dort in der Filiale an der  Franckstraße gibt es seit Jahren nur noch einen Automaten. Außerdem mangelt es an Parkplätzen für die Kunden. Deshalb werden die Räume zum Monatsende aufgegeben. Nicht jedoch, ohne einen Ersatz zu schaffen, von dem VR-Bank-Vorstandsvorsitzender Timm Häberle überzeugt ist, dass er einen echten Mehrwert für die örtliche Kundschaft mit sich bringt. Denn der Pavillon, den die VR-Bank in den vergangenen Monaten zwischen der Aral-Tankstelle und dem Burger-King am Vaihinger Eck errichtet hat, ist eine digitale Bankfiliale im Miniaturformat – zwar ohne eigenes Personal, aber trotzdem mit persönlicher Betreuung.

Das funktioniert so: Aus dem in Freiberg angesiedelten Kundenberatungscenter der VR-Bank werden Mitarbeiter per Video zugeschaltet, sobald ein Kunde das sogenannte VR-Service-Interaktiv-System – kurz: „SISy“ – betritt. Vier Mitarbeiter wurden eigens dafür geschult und sollen quasi das bekannte Gesicht für die Kunden vor Ort sein. Sie helfen diesen bei allen gängigen Angelegenheiten weiter, die bislang am Schalter erledigt werden konnten: von Überweisungen über Daueraufträge bis zu Adressänderungen. Wer Probleme beim Online-Banking oder mit der Bank-App hat, findet ebenso Hilfe.

Weitere Standorte denkbar

Beratungsgespräche beispielsweise für eine Baufinanzierung werde es freilich weiterhin nur im direkten Gespräch mit den Fachleuten der Bank geben, so Timm Häberle. Aber auch diese Termine lassen sich im „SISy“ vereinbaren. „Obwohl alles digital ist, kann man alles erledigen wie in einer SB-Filiale“, versichert der Vorstandsvorsitzende.

In Baden-Württemberg sei dies bislang einzigartig. Ein ähnliches Modellprojekt in der Pfalz werde von den Kunden bereits gut angenommen. Deshalb soll nun auch in Vaihingen dieser Versuch gestartet werden, erklärt Häberle und betont die Kundenfreundlichkeit: So müsse man keinerlei Knöpfe drücken oder Daten eingeben, um sich einzuloggen. Stattdessen geschehe alles in direktem Kontakt. Die Mitarbeiter können per Kamera auch Kartennummern ablesen und so alles Nötige in die Wege leiten. Was der Kunde noch tun muss: auf einem Display unterschreiben, um den Auftrag zu bestätigen. Auf diese Weise wolle man die digitale mit der analogen Welt verbinden.

Der Standort sei mit Bedacht so gewählt worden: nicht in einem Wohngebiet, sondern dort, wo die Menschen unterwegs sind und einkaufen. Die Kundenberater im „SISy“ werden versuchsweise zunächst von Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr erreichbar sein. Das könne später durchaus noch ausgedehnt werden. Der ebenfalls integrierte Geldautomat sei aber rund um die Uhr erreichbar, fügt VR-Vorstand Heiko Herbst hinzu. Kommt das Konzept beim Kunden an, seien weitere „SISy“-Standorte denkbar, die problemlos vom Freiberger Kundenberatungscenter aus mit betreut werden könnten. Dabei gehe es gar nicht mal so sehr darum, bestehende Filialen zu ersetzen, sondern vielmehr um eine Ergänzung. Beispielsweise als Anlaufpunkt außerhalb der Öffnungszeiten.

Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch begrüßt die Neuerung: Eine Weiterentwicklung der Bankgeschäfte sei notwendig und der „SISy“-Pavillon ein guter Weg, dies zu tun, ohne den persönlichen Kontakt zum Kunden zu verlieren.