Vaihingen Verurteilt wegen Sex-Chat: Vaihinger hat Minderjährige bedroht

Vaihingen / MARTIN TRÖSTER 25.06.2015
Zu einer Bewährungsstrafe ist ein 26-Jähriger vor dem Vaihinger Amtsgericht verurteilt worden. Er hat gestanden, dass er mit Geld junge Mädchen zum Sex bewegen wollte - und ihnen drohte, als sie ablehnten.

Das erlebt man nicht alle Tage: Als es um die Höhe der Strafe geht, stimmt der Verteidiger der Staatsanwältin uneingeschränkt zu: "Auch ich sehe eine Freiheitsstrafe als nötig und geboten an, um dem Angeklagten vor Augen zu halten, dass so etwas gar nicht geht." Auch er plädierte schließlich für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten wegen versuchten sexuellen Missbrauchs in sieben Fällen und wegen der versuchten sexuellen Nötigung in vier Fällen.

Noch seltener erlebt man, dass der Richter diesen gemeinsamen Nenner unterwandert: Er verpasste dem 26-jährigen Vaihinger einen Monat weniger als von beiden gefordert - ein Jahr und drei Monate.

Mindestens neun Mädchen hat der hagere, bleiche Mann mit den nach hinten gegeelten Haaren im Internet auf Plattformen wie Facebook angeschrieben und versucht, sie mit Geld zum Sex zu bewegen. Die Mädchen waren 14 bis 16 Jahre alt. Minderjährig. Einigen bot er mehrere hundert Euro für mehrere Arten von Sex. Einer bot er 50 Euro fürs Spazierengehen, Sekttrinken und Anfassendürfen. Einer bot er Geld, damit sie sich vor der Computerkamera auszieht. Alle lehnten ab.

Bei mindestens vier Mädchen hatte er sich über die Abfuhr so geärgert, dass er sie bedrohte: Er wisse, wo sie wohnt, schrieb er einer. Einem anderen Mädchen drohte er, Name und Bild zu veröffentlichen - und sie als "Schlampe" zu verunglimpfen. Alle lehnten ab.

"Seien Sie froh, dass die Mädchen alle so gescheit waren", donnerte der Richter. "Sonst hätte die Sache anders ausgesehen, und sie säßen im Gefängnis." Der Vaihinger auf der Anklagebank gestand fast alles. Die Beweislage schien auch recht eindeutig zu sein: Die Polizei hatte seinen Rechner, sein Tablet und sein Handy beschlagnahmt. Die Chats konnten die Beamten bequem im Netz nachlesen.

Nur in zwei Punkten wollte der Angeklagte die Vorwürfe präzisiert wissen. Einer davon: Eines der Mädchen habe sich älter gemacht als sie war. Sie war 14. Zweiter Einwurf, zu einem irrelevanten Detail in einem der verhandelten Straftaten, wonach der Kontakt im Bus entstanden sein soll: "Ich habe nie ein Mädel im Bus angesprochen. Das muss ich offen und ehrlich sagen." Letztlich war das egal, auch wenn danach zwei Anklagepunkte unter den Tisch fielen - es blieben ja immer noch sieben. Er sagte, warum er das alles getan hat: "Ich habe mich relativ allein gefühlt." Und: "Ich war in Kreisen, in dem jeder aufs Geld geguckt hat."Daher die Geldangebote.

Warum der Richter einen Monat unter der Forderung der Staatsanwältin - und des Verteidigers - blieb, begründete er nicht eindeutig. Zugute hielt er dem Mann jedoch das Geständnis - so mussten die Mädchen nicht vor Gericht aussagen. Auch sah der Richter keinen Fall von Pädophilie - dafür sei der 26-Jährige zu jung. Als günstig bewertete er auch, dass er einen Job und eine Freundin hat. Auch wenn die noch nicht weiß, weswegen er vors Vaihinger Amtsgericht musste.