Die S-Bahn-Linie wird nicht von Bietigheim-Bissingen bis nach Vaihingen verlängert. Das hat der Sachsenheimer Bürgermeister Horst Fiedler am Donnerstagabend dem Verwaltungsausschuss mitgeteilt. In der Lenkungskreissitzung des Verbandes Region Stuttgart (VRS) vor gut einer Woche sei den Verwaltungen jener Kommunen, die von der Verlängerung der Linie 5 profitiert hätten - Sachsenheim, Sersheim, Vaihingen und Bietigheim-Bissingen -, mitgeteilt worden, dass durch den Plan des Landes Baden-Württemberg, sogenannte Metropol-Expresszüge einzuführen, das Aus der extra langen S 5 besiegelt ist.

Ganz überraschend kommt die Fahrt aufs Abstellgleis nicht: Im Februar 2014 hatten das Land, der VRS, die Landeshauptstadt und die Nachbarlandkreise unter Vermittlung von Verkehrsminister Winfried Hermann den sogenannten ÖPNV-Pakt 2025 geschlossen. Ein wesentlicher Bestandteil sind die Metropol-Expressbahnen, die im 30-Minuten-Takt von Heilbronn, Aalen, Geislingen, Schwäbisch-Hall, Horb und Pforzheim nach Stuttgart fahren sollen. Bereits Ende November 2014 bestätigte Dr. Jürgen Wurmthaler, der Leitende Direktor des Bereichs Wirtschaft und Infrastruktur beim VRS, im BZ-Gespräch, dass dadurch die Verlängerung der S 5 obsolet werde, denn der Zug habe gegenüber der S-Bahn zwei entscheidende Vorteile: Während ein Großteil der Kosten für die S-Bahn-Verlängerung der VRS und über die Umlage auch die Kommunen tragen müssten, habe laut Jürgen Wurmthaler das Land zugesagt, die Kosten für die Expresszüge zu übernehmen. Zudem müssten die Kommunen die Bahnsteige nicht baulich verändern.

Was Horst Fiedler und seine Kollegen aus Sersheim und Vaihingen, Jürgen Scholz und Gerd Maisch, nun aber auf die Palme bringt: Sie haben in der Lenkungskreissitzung erfahren, dass der Metropol-Expresszug, der eigentlich zwischen Pforzheim und Stuttgart hätte verkehren sollen, nach den aktuellen Planungen nun doch bereits in Bietigheim-Bissingen enden soll. Dort wird man, wie bisher auch, umsteigen müssen: entweder in einen anderen Regionalzug, der Stuttgart ansteuert, oder in die S-Bahn, um die Zwischenstopps zu erreichen. Dass der Takt dieser Züge von einem pro Stunde auf zwei erhöht werden soll, ist etwa für Gerd Maisch ein schwacher Trost. "Bietigheim-Bissingen ist eine wichtige Stadt, aber die Metropole ist Stuttgart", sagt er.

Jürgen Scholz spricht von einem "Skandal". "Wir haben einen Nutzenfaktor von 4,3 nachgewiesen, einen der höchsten Werte bundesweit. Rund 3200 Fahrgäste mehr pro Tag hätten die S-Bahn genutzt. Das Land übergeht das", wettert er und verweist darauf, dass das Gutachten immerhin einen sechsstelligen Betrag für den Landkreis und die Kommunen gekostet habe und nun keinerlei Beachtung finde.

Horst Fiedler spricht von einem "Schock, dass in Kenntnis dieses Fahrgastpotenzials die Metropol-Expresszüge ausgeschrieben wurden". Denn dadurch bestünde nun ein Rechtsanspruch potenzieller Bieter, das Verfahren sei also nicht mehr zu stoppen. "Am tatsächlichen Zustand für Sachsenheim wird sich nichts ändern. Es spart uns zwar Millionen für den Umbau des Bahnhofs, aber das Zeichen ist katastrophal."

Ganz zufriedengeben will man sich mit den Plänen dennoch nicht: Im Landkreis Ludwigsburg setzt man nun darauf, politisch Druck aufzubauen, um wenigstens das Projekt Metropol-Expresszüge zu optimieren, wenn es mit der S-Bahn schon nichts wird. Fiedler forderte die Verwaltungsausschuss-Mitglieder am Donnerstag auf, ihre Parteien und schließlich auch ihre Landtagsabgeordneten ins Boot zu holen, laut Jürgen Scholz sei der Grünen-Abgeordnete Dr. Markus Rösler bereits aktiviert. Ziel: Die Metropol-Expresszüge sollen doch noch Pforzheim und die Landeshauptstadt verbinden. Und auch eine höhere Taktung als alle 30 Minuten streben Fiedler, Scholz und Co. an. Der Landkreis will sie dabei unterstützen. "Ja, wir werden gemeinsam mit Sachsenheim ein Schreiben entwerfen, es mit den anderen beteiligten Städten abstimmen und an das Land senden", teilt der Sprecher Dr. Andreas Fritz mit.