Ferienaktion Vaihingen vier Tage in Kinderhand

Vaihingen / ub 06.08.2018

Mit Vorführungen in der Sporthalle am Alten Postweg endete am Samstag die Kinderspielstadt Mini-Vaihingen. 174 Buben und Mädchen im Alter von sieben bis elf Jahren hatten in der neunten Auflage der Aktion ihren Spaß. Heute geht das Ferienprogramm auf dem Gelände zwischen Friedrich-Abel-Gymnasium und Sporthalle mit dem Afrika-Camp weiter.

Langeweile gibt es für die Kinder in den Sommerferien in Vaihingen nicht. Mit der Kinderspielstadt, die gemeinsam von der Familienbildung Vaihingen zusammen mit der städtischen Jugendarbeit auf die Beine gestellt wird, ist ein Volltreffer in Sachen Unterhaltung und sozialem Miteinander garantiert. Bei der Abschlussveranstaltung am Samstag gab es von den Eltern immer wieder Lob für Mini-Vaihingen.

Und dort ging es eine Woche lang wie im richtigen Leben zu. Um Mini-Euros zu verdienen, musste geschafft werden oder es wurden gleich richtige Betriebe gegründet. Der Fahrradverleih, die Garderobe und der Eisverkauf waren Eigenbetriebe, das Kauf haus kaufte die Sachen an und gab sie teurer weiter. Im Reisebüro konnten Touren ins Tierheim oder zum Imker gebucht werden. „Und richtig gut besucht“, so Margit Rösslein von der Familienbildung und Ingeborg Welz von der städtischen Jugendarbeit, war auch wieder das Theater.

Die Betreuer funktionieren bei der Kinderspielstadt quasi als Helfer der Kinder. Welz: „Wir schleppen das Zeug an, damit die Ideen verwirklicht werden können.“ „Denn die Kinder gestalten die Stadt“, so Rösslein. Vorsitzende der Familienbildung.

Natürlich gibt es bei Mini-Vaihingen auch eine Bank. Und da ist in dieser Woche Kurioses passiert. Alle vermuteten, dass es einen Bankraub gegeben habe, weil nur noch ganz wenig Geld im Umlauf war. Dann wurde entdeckt, dass die Kinder, also die Kunden der Bank, das Geld stapelweise horten. „Das hatten wir noch nie und das war volkswirtschaftlich schon ein kleines Chaos“, sagt Ingeborg Welz. So musste der Stadtrat von Mini-Vaihingen eingreifen und alle Waren um zwei Euro erhöhen. Und so kam das Geld wieder in den Kreislauf.

Bei der Abschlussveranstaltung in der 1-2-3-Halle zeigten die Theaterakteure „Schneewittchen“, Theo führte seine Fahrräder Marke Eigenbau vor, das Amt für besondere Maßnahmen zeigte sich mit Seilspringen, die Bäcker hatten für die Eltern noch eine kleine Kostprobe dabei.

Mini-Stadtrat kümmert sich um Beschwerden

Das Interesse war auch bei der mittlerweile neunten Auflage der Kinderspielstadt ungebrochen. Das Prinzip hat sich seither kaum verändert. Im Grunde lernen die Kinder auf spielerische Weise den Ernst des Lebens kennen. Es gab verschiedene Firmen und Arbeitsplätze, wo sich die Kinder – in diesem Jahr buchstäblich – im Schweiße ihres Angesichtes das nötige Geld verdienen müssen. Denn wer ins Kino gehen, im Fitness-Studio Sport treiben oder sich eine Maniküre machen lassen wollte, der musste dafür in Mini-Euros dafür bezahlen. Zehn Mini-Euros gab es gegen Vorlage des am Eingang ausgegebenen Ausweises als Startgeld in der Bank – in roten Einser- oder in gelben Zweier-Noten.

Zahlreiche Berufe boten die Möglichkeit zum Geldverdienen. Nach maximal drei Stunden sollten die Kinder aber etwas anderes machen. Denn in erster Linie sollte die Arbeit Spaß machen. Im Arbeitsamt von Mini-Vaihingen konnte man seine Wünsche äußern. Für besondere Jobs wie in der Bank mussten die Kinder Zusatzqualifiktionen erwerben. Auch konnte man sich als Schreiner, Juwelier, Künstler, oder Bäcker versuchen. Ein Teil des Lohnes wurde aber, ganz wie im echten Leben, wieder als Steuer einbehalten, erklärte Ingeborg Welz von der Jugendarbeit der Stadt Vaihingen. Über die Verwendung dieser Steuergelder entschieden auch in Mini-Vaihingen Bürgermeister und Stadtrat, die von den Mini-Vaihingern gewählt und anschließend von Vaihingens Bürgermeister Klaus Reitze ins Amt eingesetzt wurden. Dabei wurde stets Wert auf eine paritätische Besetzung mit Mädchen und Jungen geachtet,

Der Kreativität waren kaum Grenzen gesetzt. So konnten die Kinder auch neue Firmen gründen, brauchten dafür aber die Erlaubnis des Stadtrates. Der kümmerte sich in auch um die Beschwerden, die die Teilnehmer in der „Meckerbox“ einreichen. So gab es in der Vergangenheit Klagen über Kinder, die sich vordrängeln. Der Rat erließ daher Verhaltensregeln. Auch ein Security-Dienst war in den vergangenen Jahren von den Mini-Stadträten ins Leben gerufen worden. „Wir fanden das nicht so gut, aber es war deren Entscheidung“, berichtete Margit Rösslein. Das Experiment glückte aber nicht, weil das Sicherheitspersonal dazu neigte, seine Macht zu missbrauchen. Allzu viel Bedarf gab es ohnehin nicht. Die immer mal wieder vorkommenden Banküberfälle konnten bislang immer auch so aufgeklärt werden. ub

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