Vaihingen Vaihingen muss 413 Asylplätze schaffen

Auf einer freien landwirtschaftlichen Fläche am Ende der Uhlandstraße in Kleinglattbach könnte eine Asyl-Großunterkunft entstehen.
Auf einer freien landwirtschaftlichen Fläche am Ende der Uhlandstraße in Kleinglattbach könnte eine Asyl-Großunterkunft entstehen. © Foto: Helmut Pangerl
Vaihingen / RUDI KERN 02.03.2016
Der Infoabend der Stadt Vaihingen über die Flüchtlingsunterbringung hat viele Bürger interessiert. Die Stadthalle war voll. Tenor: Ohne Asylkreise wäre die Stadt arm dran. Zudem wurden potenzielle neue Flächen genannt.

Rund 600 Besucher kamen am Montag in die Vaihinger Stadthalle, um bei einer Bürgerinformationsveranstaltung mehr über die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge in der Kernstadt und den Stadtteilen zu erfahren. Es gebe einen großen Informationsbedarf, sagte Oberbürgermeister Gerd Maisch in seiner Begrüßung. Ziel der Veranstaltung aus Verwaltungssicht: Gerüchten entgegentreten und aufklären, wo in den nächsten Wochen und Monaten weitere Flüchtlinge eine Unterbringung in der Stadt bekommen. Maisch hatte mit Martin Schliereke vom Fachbereich Asylbewerber und Aussiedler des Landratsamtes Ludwigsburg, Markus Bauder, dem Revierleiter der Polizei in Vaihingen, sowie Gerhard Ruhl, dem Beauftragten der Kirchengemeinden, und Matthias Volk, dem Ordnungs- und Sozialamtsleiter der Stadt, kompetente Ansprechpartner aufgeboten.

Eindrucksvoll schilderte Gerhard Ruhl die ehrenamtliche Arbeit in den Arbeitskreisen Asyl samt aller Problemstellungen bei der Betreuung, von der Abstimmung mit den Behörden über die vielschichtige Integrationsarbeit bis hin zur Aufklärung von Missverständnissen und Vorurteilen. Ruhl regte für Vaihingen eine Info-Mappe für Asylbewerber an, mehrsprachig und mit Angaben von Kontakten. Ohne die Arbeit der Asylkreise wäre die Stadt viel ärmer, wie der frühere Schuldekan anmerkte.

Polizeioberrat Markus Bauder stellte das Zehn-Punkte-Programm des örtlichen Polizeireviers vor, das vom Streifendienst, der Gefährdungsbewertung sowie Prävention bis hin zum Fahrrad-Training reicht. Bisher habe man positive Ergebnisse und eine gute Resonanz festgestellt, so Bauder, der von fünf Kontaktbeamten sprach, die regelmäßig 65 Unterkünfte, 15 davon in Vaihingen, besuchten.

Fragen, die sich um das Thema Flüchtlingsunterbringung samt Betreuung der asylsuchenden Menschen und deren Anschlussunterbringung ergeben, blieben wohl keine offen. Es waren vor allem Mitarbeiter der Asylkreise, die entsprechende Anfragen zu Unterkünften stellten. So zum Beispiel, woher die Wohnungen für die Anschlussunterbringung kommen sollen, wie eine Bürgerin anmerkte. Sie hieß einen damit verbundenen Wohnungswechsel anerkannter Asylanten nicht gut. Das würde in den meisten Fällen nicht funktionieren, erklärte Oberbürgermeister Maisch, der die Problematik der Auslastung anführte und zugleich die zahlreichen Besucher in der Stadthalle zur Vermietung freier Wohnungen aufrief. Im rechtlichen Sinn seien diese Asylbewerber obdachlos, die Stadt müsse für die Unterkünfte stellen. Auch Umwidmungen von Plätzen in der vorläufigen Unterbringung zu dauerhaften wurden angeregt, was allerdings von Schliereke als Kaffeesatzleserei bezeichnete wurde.

Offen blieben indes die Einwanderungszahlen. Welche Entwicklung sie in Zukunft nehmen, ist ungewiss, so Maisch. Die Zahl der Menschen aus den Krisengebieten, die in Deutschland Schutz suchten, seien seit Sommer 2015 spürbar gestiegen. Rund 200 seien es in der Stadt, und man müsse sich auf weitere Asylbewerber vorbereiten.

Der Rathauschef stellte schließlich das Konzept der Unterbringungsplätze vor. Für dieses Jahr wird mit zunächst 413 Plätzen geplant. Der Gemeinderat wird in der Sitzung Anfang April über geplante Unterkünfte entscheiden. Zur Diskussion stehen Flüchtlingsunterkünfte auf dem früheren Werksareal von Connect Chemicals in der Steinbeisstraße. Auch auf einer landwirtschaftlichen Fläche am Ende der Uhland- beziehungsweise Industriestraße in Kleinglattbach, im Eigentum der Stadt, soll eine Unterkunft mit 140 Plätzen entstehen, die dann an den Landkreis Ludwigsburg vermietet wird.

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