Präriesalbei und Sonnenhut statt Liebes-Hainblume und Sommer-Adonisröschen. Anstelle von einjähriger, möglichst bunter Blühwunder wachsen in Sachsenheim jetzt an mehreren Stellen Pflanzen, die den immer trockener werdenden Sommern standhalten. Auch für Insekten sind die neuen Gewächse besser.

An fünf Stellen wurde das neue Konzept bisher umgesetzt: In Großsachsenheim am Kreisel Ortseingang von Oberriexingen, an der Ecke Klingenberg/Sersheimer Straße und am Kreisel Ecke Heinrich-Heine-/Traunreuter Straße sowie in Kleinsachsenheim am Kreisel Ortseingang von Löchgau und am Ortsausgang Richtung Metterzimmern.

Anstoß war vor allem die viele Arbeit mit den bisherigen Blühmischungen für den städtischen Bauhof. Im Sommer musste regelmäßig gegossen werden. Das ist jetzt anders. „Im ersten Jahr mussten wir schon gießen, aber wesentlich weniger als bisher“, erklärt Alois Danner, zuständig für Umweltschutz bei der Stadt. In Zukunft wird dieser Aufwand noch geringer: „Wenn die Pflanzen größer sind, muss man in sehr trockenen Sommern vielleicht mal gießen.“ Die bisherigen einjährige Pflanzen mussten auch jedes Jahr frisch ausgesät werden. Deshalb musste der Boden offen sein. So trocknete der nicht nur schnell aus, auch das Unkraut konnte wuchern. „Spätestens jedes zweite Jahr, musste die obere Erdschicht deshalb abgetragen werden“, erinnert sich Danner.

Jetzt schützt rotes Substrat den Boden. Die Stadt hat verschiedene Mischungen teilweise auch selbst zusammengestellt. Es finden sich darin Pflanzen aus der amerikanischen Prärie, zum Beispiel der Präriesalbei, dabei. Aber auch Pflanzen, die sich seit vielen Jahren in heimischen Gärten wiederfinden, wie der Sonnenhut. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind an Trockenheit und Hitze angepasst. „Wichtig ist es, die richtigen Pflanzen am richtigen Platz zu haben“, erklärt Danner exemplarisch am Kreisverkehr in der Heinrich-Heine-Straße: Im Innern des Kreisels, der permanent in der Sonne steht und an den teilweise schattigeren vier Außenflächen wachsen unterschiedliche Pflanzen.

Früher setzte man beispielsweise auf die beliebte „Mössinger Mischung“. „Die war in meinen Augen überbewertet. Es geht einem natürlich das Herz auf, wenn man die bunt blühenden Flächen sieht. Aber für die heimischen Insekten ist die Mischung eher ungeeignet“, meint Danner. „Mir persönlich gefällt es so besser. Eine Wiese voll mit Narzissen oder Krokussen ist für mich weniger ansprechend als eine naturnahe mit ein paar Eyecatchern.“

Die neuen Mischungen sind zudem auch „mehr als zuvor“, so Danner, wertvoll für Wildbienen und andere Insekten. So sind beispielsweise Verwandte der Katzenminze und Schafgarbe enthalten. „Es ist jetzt aber keine spezielle Wildbienenmischung“, betont der Experte, „das ist auch ein Zugeständnis an die Bürger, die in so einem Bereich mit einer Wildblumenwiese nichts anfangen können. Im Herbst sieht die nicht mehr so schön aus“, erklärt Danner, „die Leute sind eben bisher die Bonbon-Mischungen gewöhnt. Da jetzt gleich radikal umzusteigen – da hätten sie uns gekreuzigt.“ Das jetzt gewählte Konzept kommt in der Bevölkerung offenbar gut an. „Von vielen Bürgerinnen und Bürger haben wir positive Reaktionen auf die blühenden Beete erhalten“, sagt Stadtsprecher Matthias Friedrich.

Für das Projekt interessiert hat sich von Anfang an Neu-Stadträtin Dr. Angela Brüx. Die Mikrobiologin hat in Kleinsachsenheim Richtung Metterzimmern eine besonders insektenfreundliche Bepflanzung mit vorangetrieben. Eine Gruppe Ehrenamtlicher pflegt die Fläche (die BZ berichtete). „In Kleinsachsenheim ist es besser gelungen, weil da schon die Brille auf war“, meint sie bezogen auf die Insektenfreundlichkeit. Für sie ist die neue Bepflanzung ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Ich hoffe aber, dass sich da nächstes Jahr noch viel tun wird. Mit 2000 bis 3000 Euro kann man da schon richtig was machen“, betont sie.

Indirekt haben die neu gestalteten Flächen entlang der Straßen noch einen größeren Effekt für die heimischen Insekten. Denn sie sind eine Art „Zwischenschritt“, so Danner. Die eingesparten Kapazitäten nutzt die Stadt zur Teilnahme am Projekt „Blühender Naturpark“ Stromberg-Heuchelberg. Dabei sollen auf städtischen Flächen ökologisch wertvolle Wildblumenwiesen entstehen – als Lebensgrundlage für Schmetterlinge, Wildbienen, Laufkäfer, Honigbienen und Co (die BZ berichtete). Hier wachsen dann ausschließlich Pflanzen, die in der Region originär vorkommen. „Das können wir uns nur leisten, weil wir uns Arbeitszeit freigeschaufelt haben“, erklärt Danner.

Nahe des Friedhofs in Hohenhaslach wird auf einer Wiese, die bisher gemulcht wurde, nun eine Samenmischung ausgebracht. Und in Großsachsenheim wurden im Wohngebiet Goethestraße sogenannte Initialstreifen umgegraben. Von dort aus sollen sich jetzt die Mischungen über die ganze Wiese ausbreiten. Auch im Randbereich des neuen Wohngebiets Sonnenfeld sollen auf lange Sicht insektenfreundliche Wiesen-Randbereiche entstehen.

Die Wildbiene und die Suche nach Nahrung


„Die Wildbiene ist bezüglich Pollen sehr anspruchsvoll“, erklärt Alois Danner, bei der Stadt Sachsenheim zuständig für Umweltschutz, „es gibt Wildbienen, die für den Nachwuchs der Jungen auf eine bestimmte Pflanze oder Pflanzengattung angewiesen sind.“ Sie werden oligolektische Bienen genannt. Dementgegen stehen die polylektischen Bienen, die das Blütenangebot in vielfältiger Weise nutzen. Sie werden auch Pollengeneralisten genannt. msc