Erneuerung Umbau für eine „moderne Justizbehörde“

ubö 13.01.2018

Das Arbeiten in dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert war nicht immer einfach. Bei jedem bisschen Wind wackelten die Fenster, die Heizung gab ruckzuck ihren Geist auf. Die Beleuchtung war mehr als mangelhaft. Jetzt wird das Amtsgericht in der Heilbronner Straße in Vaihingen grundlegend saniert. Das Land lässt sich den Umbau rund drei Millionen Euro kosten.

„Wir sollen eine moderne Justizbehörde werden. Bis jetzt hatten wir hier eher einen alten Dorfbahnhof“, kommentiert Gisela Borrmann, Direktorin des Amtsgerichts Vaihingen. Am 1. April geht es los – soweit es der Denkmalschutz zulässt. Heizung, Sanitär, Elektronik und Böden werden erneuert, Wände versetzt. Der Eingang ins Erdgeschoss wird mit einem Hebelift barrierefrei gestaltet. Im besten Fall dauert der Umbau neun Monate, im schlimmsten zwei Jahre.

Danach ist das Polizeirevier Vaihingen an der Reihe, das im selben Komplex untergebracht ist. Derzeit können dort beispielsweise die Arrestzellen im Keller nicht mehr genutzt werden, da sie nicht der geforderten Norm entsprechen. Zum Gewahrsam müssen die Personen nach Bietigheim-Bissingen gebracht werden.

Platz für 100 Jahre Urkunden

Die derzeit rund 20 Beschäftigten des Amtsgerichts ziehen vorübergehend ins Landratsamt in die Franckstraße. Die zweite und dritte Etage der Landratsamts-Außenstelle bleibt auch nach der Sanierung des Gerichtsgebäudes der zweite Standort des Gerichts. Denn durch die Vollendung der Notariatsreform mit der Auflösung der Bezirksnotariate gehen die Urkunden der vergangenen 100 Jahre in den Besitz des Amtsgerichts über: Testamente, Erbverträge, Verträge über Grundstücksverkäufe und Übertragungen von Grundstücken werden künftig allesamt in der dritten Etage des Landratsamts aufbewahrt.

Zuständig für Betreuungssachen ist das Amtsgericht Vaihingen, während für Nachlasssachen wie Erbverträge, Testamente und Erbscheine künftig das Amtsgericht Besigheim zuständig ist (die BZ berichtete). Auch für neue und errichtete Beurkundungen ändern sich die Zuständigkeiten. „Derzeit rufen die Leute bei den Mitarbeitern im ehemaligen Notariat verzweifelt an. Die Lage ist unübersichtlich“, sagt Amtsgerichtsdirektorin Borrmann.

Kaltenstein zu teuer

In den Jahren zuvor gab es auch Überlegungen, das Amtsgericht und weitere Behörden im Schloss Kaltenstein anzusiedeln. Borrmann: „Doch als ein Gutachten Brandschutzmaßnahmen von 18 Millionen Euro vorrechnete, winkte das Land schnell ab.“