Sachsenheim Trockene Bäume ächzen unter der Last des Obsts

 Auch Dieter Köstlin ist nicht verschont geblieben von abgebrochenen Ästen, denen die Last der vielen Äpfel wegen des Wassermangels zu viel geworden ist.
Auch Dieter Köstlin ist nicht verschont geblieben von abgebrochenen Ästen, denen die Last der vielen Äpfel wegen des Wassermangels zu viel geworden ist. © Foto: Mathias Schmid
Von Mathias Schmid 02.08.2018

Wer in diesen Tagen draußen unterwegs ist, hat wahrscheinlich nicht nur die dicht behangenen Obstbäume gesehen, sondern auch den einen oder anderen Ast, der abgebrochen am Boden liegt. Der Grund: Die nach Wasser durstenden Bäume können die Last nicht mehr tragen. Mit einer gewissen Sorge betrachtet deshalb auch Fabian Köstlin die Obstbäume auf einem seiner Stückle bei Spielberg. Der Ochsenbacher Streuobst-Experte kennt das aktuelle Problem nur zu gut: Nach einem vielversprechenden Frühjahr droht die saftige Obsternte jetzt einzubrechen. Etwas dagegen zu tun, ist laut Köstlin schwierig.

Wie auch in anderen landwirtschaftlichen Bereichen bedroht der fehlende Niederschlag die Ernte. „Es besteht die Gefahr, dass es massive Ernteausfälle geben wird“, warnt Köstlin. Zum einen werfe ein Baum einen Teil der beispielsweise Äpfel ab, wenn er merkt, dass er nicht mehr alle Früchte versorgen kann. „Zum anderen leidet natürlich die Qualität, also Größe, Geschmack, Aroma“, beklagt der qualifizierte Obstbaumpfleger und Fachwart beim Obst- und Gartenbauverein Kleinsachsenheim weiter.

In diesem Jahr komme viel zusammen, sagt Köstlin: Über den Winter wurden die Pflanzen mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt, dazu kamen eine gute Befruchtung und eine gute Blüte im Frühjahr, die dafür gesorgt haben, dass die Bäume voll hängen. Außerdem gab es wenig Schädlingsbefall. „Und dieses Jahr war ohnehin mit einer guten Ernte zu rechnen“, sagt Köstlin mit Blick auf die natürliche Alternanz, sprich die Schwankung des Obstertrags im Zwei-Jahres-Rhythmus. Jetzt drohen Hitze und Trockenheit vieles zunichte zu machen. „Vor allem alte Bäume und die, die weniger gepflegt wurden, fehlt die Kraft und sie brechen unter der Last zusammen“, weiß der Streuobstwiesen-Liebhaber, der bereits Aktionen zum Erhalt dieser Kulturlandschaften gestartet hat (die BZ berichtete). Bäume die jetzt bereits eingehen, sind aber seiner Einschätzung nach vor allem solche, die auch bei anderen Bedingungen in den nächsten Jahren eingegangen wären. „Es betrifft aber auch junge Bäume, die die nötige Holzreifung noch nicht haben und bei denen das Gerüst nicht ausgebildet ist.“ Bei ihm selbst hält sich der Schaden noch in Grenzen, da er seine Bäume regelmäßig pflegt und zurückschneidet. „Vor allem die jungen habe ich in den letzten Jahren relativ kurz gehalten. Denn es ist ja nicht das erste Mal, dass es im Sommer trocken wird“, meint er.

Bis zu 100 Liter fehlen

Etwas gegen den Wassermangel der Bäume zu tun, sei schwierig. „Es benötigt bis zu 100 Liter pro Jungbaum, um das Erdreich mit einer gewissen Nachhaltigkeit zu versorgen“, schätzt Köstlin. Einmal kräftig wässern sei dabei wirkungsvoller als mehrere kleine Wassermengen. „Wenn man mit dem Putzeimer kommt und den hinkippt, ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Im häuslichen Garten könne man mit einer großen Wassermenge noch relativ leicht Abhilfe schaffen. Außerhalb auf den Feldern sei das mit einem hohen Aufwand verbunden. „Da braucht man dann schon einen Schlepper.“

Auch das händische Ausdünnen der Ernte sei eine Möglichkeit, um die Last, die die Bäume zu tragen haben, zu reduzieren. „Aber auch das ist natürlich mit einem enormen Aufwand verbunden“, weiß der Obstbauer. Er selbst wartet derzeit noch ab und hofft auf schlechteres Wetter, das aber laut Wettervorhersage noch auf sich warten lässt. „Bei jungen Bäumen sollte man das Obst aber herunterholen, um den Baum selbst zu schützen.“ Auch das Abstützen von Bäumen helfe natürlich. „Dann ist zumindest die statische Belastung weg. Aber die Äpfel werden trotzdem nicht gut versorgt.“ Das einzige, was wirklich helfen würde, wäre eine ordentliche Portion Regen.

Der Obstbau und der Klimawandel

Längst gibt es beispielsweise Aprikosen aus der Region zu kaufen. Dass diese auch hierzulande zu schmackhaften Früchten reifen, ist auch ein Effekt des Klimawandels und der wärmeren Temperaturen. Doch was bedeuten heißere und trockenere Sommer für unsere Streuobstwiesen und den Obstanbau?

Auch dort beschäftigt man sich, ähnlich, wie im Weinbau längst, mit anderen Sorten, die früher nur weiter südlich wuchsen, beispielsweise bei Äpfeln. „Das Thema ist hier aber auch ein kulturelles“, weiß der Ochsenbacher Obstbau-Experte Fabian Köstlin. Denn die Streuobstwiesen sind in der Region ein noch immer gehegtes Kulturgut. „Dabei geht es auch um den Erhalt alter Sorten“, erklärt Köstlin. Einen Wandel sieht er daher vor allem aus kulturellen Gesichtspunkten als schwierig an. Geht es aber so weiter mit den Sommern, könnte den Obstbauern früher oder später nichts anderes übrigbleiben als umzuschwenken. msc

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