Früher zogen sie durch die Straßen der Kirbachtalgemeinde und ließen ihre Musik erklingen, heute sorgen sie für gute Unterhaltung in der altehrwürdigen Kelter: Musikanten und das Hohenhaslacher Kirbefest gehören seit Jahren untrennbar zusammen. „Schon als kleiner Junge bin ich mit den Musikanten am Kirbesonntag oder -montag durch den Ort gelaufen, und wir haben an unterschiedlichen Plätzen vom Äußeren Dörfle bis hoch hinauf auf den Berg Ständchen gespielt. Damals fand die Kirbe noch in den zahlreichen Gasthäusern im Ort statt“, erinnert sich Alfred Xander, der langjährige Vorsitzende des Musikvereins Hohenhaslach 1920.

43 Jahre hatte er das Ehrenamt inne und dabei viele Kirbefeste miterlebt. In den 70er- und 80er-Jahren, als die Kelter noch nicht umgebaut worden war, fand der Kirbetanz am Samstagabend in der Kirbachtalhalle statt. 1990 schließlich wurde die renovierte Kelter als Veranstaltungsstätte offiziell eröffnet, und seitdem hat das Kirbefest am dritten Sonntag im Oktober auch wieder eine neue Heimat gefunden. „Die Weinlese ist meist beendet, und alle haben Zeit ausgiebig zu feiern. Unser Kirbefest hat in Hohenhaslach immer noch große Tradition“,schildert Xander. Zum Mittagessen gibt es Maultauschen mit Kartoffelsalat oder Schweinehals. Anschließend spazieren die Festbesucher durch die Weinberge und lassen sich am Nachmittag den leckeren Kirbekuchen schmecken.

Viele Sonntagsausflügler

Doch nicht nur die Hohenhaslacher fanden gestern den Weg in die Kelter, sondern auch viele Sonntagsausflügler aus dem umliegenden Gemeinden nutzten das schöne Wetter, um auf dem Kirbefest zu schlemmen und durch die herbstlichen Rebenhänge zu schlendern. Rund 35 Festhelfer hatten die Hohenhaslacher Musikanten aus ihren Reihen im Einsatz, um ihre Besucher kulinarisch zu verwöhnen. „Das ist für uns schon ein Kraftakt. Daher können wir auch selbst beim Kirbefest nicht aufspielen, sondern laden uns dazu befreundete Kapellen ein. Heute besuchen uns der Musikverein aus Kleinglattbach und eine Kapelle mit Musikanten aus Illingen sowie Kleinglattbach. Wir wiederum spielen auch auf deren Festen und unterstützen uns so gegenseitig“, betonte Xander.

Für den Musikverein in Hohenhaslach markierte das diesjährige Kirbefest gewissermaßen einen Neustart. Nachdem ihr Dirigent vor wenigen Jahren krankheitsbedingt die Leitung des Orchesters aufgeben musste und daraufhin einige Orchestermitglieder den Verein verließen, standen die Musiker vor großen Problemen. „Über ein Jahr lang haben wir bewusst auf jegliche Auftritte verzichtet und uns ein komplett neues Musikprogramm mit traditionellen sowie modernen Stücken erarbeitet. Doch wir brauchen noch Unterstützung“, erzählt Xander, der interimsweise den Dirigentenstab übernommen hat.

Musiker gesucht

Er sucht weiterhin dringend neue Musiker, die das Orchester vor allem bei den Tenorhörnern und Posaunen, aber auch auf allen anderen Positionen verstärken. Xander setzt in Zukunft auch auf die Ausbildung des Musikantennachwuchses, denn bereits mit der Flöte können die Kleinen in den Reihen des Musikvereins ihre Instrumentenausbildung beginnen. „Wir profitieren leider nicht von der Bläserklasse der Kirbachschule. Daher hoffen wir, dass die Kinder und Jugendlichen, die ein Instrument erlernen wollen, trotzdem den Weg zu uns finden“, macht Xander deutlich. Im kommenden Jahr, wenn der Musikverein sein 100-jähriges Bestehen begeht, sollen die Musikanten in neuer Besetzung wieder groß aufspielen. Dass trotz aller Schwieirgkeiten der Zusammenhalt unter den Ver­eins­mitgliedern stimmt, zeigte sich beim Kirbefest eindruckvoll, bei dem alle Hand in Hand arbeiteten, um ihren Festgästen unbeschwerte Stunden zu bereiten. Michaela Glemser

Info Auf der Vereins-Hompage werden die Probentermine und Informationen zur Musikausbildung veröffentlicht.
www.hohenhaslacher-musikaten.de