Das Familienoberhaupt ist tot, es lebe das Familienoberhaupt – könnte man rufen, wenn Patriarch Manfred nicht so ein Despot wäre. Das neue Stück des Oberriexinger Theaters unter der Dauseck, „Deckel drauf“, in der Reihe XXL-Produktion ist eine Familienkomödie mit schwarzem Humor.

Zum ersten Mal lassen sich das Ensemble, Autorin Barbara Schüssler und Regisseur Walter Menzlaw vom Chawwerusch-Theater Herxheim darauf ein, eine Komödie zu inszenieren. Bekannt ist das Ensemble sowie seine Haus- und Hofautorin für die historischen Stücke, die meist als Theaterspaziergänge konzipiert sind, aber auch die sogenannten Winterstücke bezogen sich bisher auf historische Begebenheiten, wie „Franzosenbraut“, „Zündstoff“ oder „Auf Anfang“.

Rasantes Stück

Und nun eine Komödie: Eine Patchworkfamilie, wie sie die Akteure auch in ihrer familiären Umgebung finden, wie Walter Menzlaw betont, ist der Boden, auf den schwarzer Humor gesät wird und ein rasantes, einfallsreiches Stück wächst. Schon in den Proben zu dem Stück, das ab Ende des Monats im Möbelhaus Schmid’s Domino in Sachsenheim aufgeführt wird, geht es rasant zu. Ein Klassenzimmer der Markgröninger Ludwig-Heydt-Schule wurde dazu zur Probenbühne umfunktioniert.

Das Bühnenbild von Anne Brügel ist noch nicht ganz fertig, aber man sieht an dem Aufbau, dass „Deckel drauf“ auch für sie eine Bedeutung hatte: Die Holzwand ist mit vielen Klappen gespickt, großen und kleinen, mit denen die Schauspieler ständig zugange sind. Fast wie eine Choreografie wirkt das, vor allem, da sie ständig in Bewegung sind und die Wand umrunden oder durchbrechen. „Deckel drauf“ – damit ist aber vor allem der Sargdeckel gemeint, den die Familie um Ehefrau Anneliese einfach nur zuschlagen  und den Familientyrann schnell vergessen will.

Patriarch Manfred ist tot. Traurig scheint darüber niemand zu sein. Aber so leicht lässt der tote Mann Frau, Sohn, Stieftochter und uneheliche Tochter nicht in Ruhe. Er weilt immer noch unter ihnen, gibt zu allem seinen Senf, kommandiert Anneliese rum, als ob der Sarg kein Hindernis wäre. Frei nach dem Motto: Tot ist, wer vergessen ist – und vergessen werden, das will der dominante Manfred auf keinen Fall.

Das Ensemble wäre nicht das Theater unter der Dauseck, wenn es einen schenkelklopfenden, tumben Lacherfolg aus seiner Inszenierung machte. Walter Menzlaw ist ein Regisseur, der mit modernen Mitteln des Theaters arbeitet. Da ist Sprache sehr wichtig und das Tempo. Der Humor des Stücks ist sarkastisch, „das mag ich“, sagt er. „Jedes Stück muss voller Respekt den Menschen gegenüber sein, und auch den Schauspielern und die müssen sich bei mir nicht zum Affen  machen“, so Menzlaw.

Als eine neue, ganz eigene Erfahrung wertet Bernd Schlegel, Urgestein des Ensembles und Vorsitzender des Vereins, die Proben zu einer Komödie. „Die Geschichte, so kann man sagen, ist voller Schichten, und wenn es ums Sterben geht, hört ja für viele der Spaß auf“, so Schlegel. Er spielt den  toten Manfred in weißer Totenkleidung. Auch seine Frau Anneliese wird von einer bekannten Oberriexingerin gespielt: Barbara Scheyda scheint eine Rolle wie für sie auf den Leib geschneidert bekommen zu haben. „Nun, wir haben das Stück gemeinsam mit Barbara Schüssler entwickelt, ich glaube, sie hatte genau vor Augen, wer wie besetzt wird“, sagt Walter Menzlaw. Manfreds Stiefsohn Mirko wird vom Profi Fabian Friedel und seine Cousine auch von einer Berufsschauspielerin übernommen: Melina Schöfer. Hinzu kommen noch die Laien Günther Hanauer als Nachbar Freddy und Debora Hösch als uneheliche Tochter Lea.

„Es hat sich als gut erwiesen, das Ensemble für die XXL-Produktionen mit Laien und Profis zu besetzen“, sagt Bernd Schlegel. Seit ein paar Jahren hat das Ensemble auch das Sachsenheimer Möbelhaus Schmid’s Domino für sich als gute Aufführungsstätte entdeckt. Seither ist es so etwas wie die Stammbühne für die Dauseckler geworden. Doch in der Folge der ersten Aufführungen, so Schlegel, will das Ensemble wieder durch die Lande ziehen.

„Deckel drauf“ vom Theater unter der Dauseck


Vorführungen des Stücks „Deckel drauf“ vom Theater unter der Dauseck im Sachsenheimer Möbelhaus Schmid’s Domino sind am 22., 23. und 24. November, am 27., 28. und 29. Dezember, am 3., 4., 17., 18., 19. Januar 2020. Die nächste Station ist am 24. Januar die Walheimer schule am Baumbach. Am Freitag, 31. Januar 2020 wird das Stück im Glasperlenspiel in Asper aufgeführt, am 6. Februar in der Vaihinger Peterskirche. Weitere Termine und genaue Uhrzeiten der Aufführungen gibt es online.

Die Premiere ist am Freitag, 22. November, 20 Uhr im Schmid’s Domino mit Premieren-Buffet. Der Eintritt kostet 25 Euro, Schüler und Studenten 14 Euro.

Kartenvorverkauf online oder per Kartentelefon (07141) 939 09 36. Restkarten gibt es an der Abendkasse, Abendkassentelefon (0162) 707 78 79.

www.theater.dauseck.de