Sachsenheim Tempolimits auf Durchfahrtsstraßen

Große Teile der Ortsdurchfahrt in Großsachsenheim, wie hier kurz vor der Stadtkirche, sollen laut Sachsenheimer Lärmaktionsplan nur noch mit 30 Kilometer pro Stunde befahren werden dürfen.
Große Teile der Ortsdurchfahrt in Großsachsenheim, wie hier kurz vor der Stadtkirche, sollen laut Sachsenheimer Lärmaktionsplan nur noch mit 30 Kilometer pro Stunde befahren werden dürfen. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Von Mathias Schmid 26.06.2018

Lange haben Gemeinderat und Bürger darauf warten müssen. Jetzt hat die Verwaltung den Lärmaktionsplan für die Gesamtstadt vorgelegt. Am Donnerstag wurde er dem Gremium vorgelegt. An den Hauptverkehrsadern in vier Ortsteilen soll zukünftig (zeitweise) nur noch Tempo 30 erlaubt sein, sofern das Landratsamt zustimmt. Den Verkehrsinitiativen in den Ortsteilen, denen es vor allem um Sicherheit geht, ist das zu wenig.

Eine große Veränderung soll es in Großsachsenheim geben. Dort soll nach Auswertung der Lärmhochrechnungen in der Ortsdurchfahrt (Sersheimer, Haupt- und Ludwigsburger Straße) von der Kleinsachsenheimer Straße bis zur AGIP-Tankstelle kurz vor dem Lichtenstern-Gymnasium eine generelle 30er-Zone eingerichtet werden. Gleiches gilt für die Oberriexinger Straße zwischen Hauptstraße und Fuchsweg. Dort wird das Tempolimit, das tagsüber bereits wegen Schulen und Kindergärten besteht, auf die Nachtstunden erweitert. Bei den Stadträten stieß das natürlich auf Zustimmung, einigen ging es allerdings noch nicht weit genug. Die SPD-Vorsitzende Helga Niehues mahnte zur Durchfahrtsstraße an, dass die 30er-Zone eigentlich über die Tankstelle hinaus bis zum Kreisel ausgeweitet werden müsse. Dort gebe es beim Einfahren Probleme, weil die Autos an den Einmündungen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten ankämen.

Noch mehr Forderungen

Langsamer soll es in Zukunft auch in der Kleinsachsenheimer Ortsdurchfahrt (Großsachsenheimer und Löchgauer Straße) werden – und zwar ganztags zwischen der Friedens- und der Eugen-Doster-Straße beim Kleeblatt-Heim. Diese Reduzierung, betont die Verwaltung, sei auch aus Gründen der Verkehrssicherheit sinnvoll. Auf dem Abschnitt verkehren Schülerströme und liegt das Pflegeheim. Zudem kommt es beispielsweise am Stachus zu gefährlichem Begegnungsverkehr. Die Initiative Ortsdurchfahrt Kleinsachsenheim (IOK) begrüßt diesen Vorstoß zwar, hält ihn aber aus Gründen der Verkehrssicherheit für nicht weitreichend genug. Sie fordert unter anderem mehr Zebrastreifen, Maßnahmen zur Eindämmung des Schwerlastverkehrs und ein ganzheitliches Verkehrskonzept für Sachsenheim und Umgebung. Aus Sicherheitsaspekten wird auch bedauert, dass die 30er-Zone nicht bis zum Sportplatz gehen soll.

Ebenfalls zu hohe Lärmwerte werden in der Hohenhaslacher Durchfahrtsstraße angenommen. Hier soll das bereits aktive nächtliche Tempolimit auf der Freudenstraße auf die Ochsenbacher Straße (zwischen Allmandklinge und Vaihinger Straße) ausgeweitet werden. Zwischen Allmandklinge und An der Steige wäre nach Einschätzung der Stadt aus Sicht der Verkehrssicherheit ein uneingeschränktes Tempolimit sinnvoll, da im Bereich der Bushaltestelle „das Geschwindigkeitsverhalten sehr hoch ist“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Das würde auch BZ-Leser Dr. Berthold Spahlinger begrüßen, der sich zuletzt unter anderem wegen dieser gefährlichen Situation an die BZ gewandt hatte.

Als fünfte Maßnahme soll auch das Tempolimit in der Ochsenbacher Dorfstraße auf 30 Kilometer pro Stunde gedrosselt werden  – allerdings ebenfalls nur nachts. Auch hier geht diese Lärmmaßnahme an den Sicherheitsbedenken der Initiative Verkehr-im-Kirbachtal vorbei. Diese beklagt tagsüber viele LKW, die bei Gegenverkehr auch mal über die Bordsteine rauschen.

Freie Wähler Stadtrat und Häfnerhaslachs Ortsvorsteher Holger Springer bedauerte erneut, dass Spielberg gar nicht berücksichtigt wurde und in Häfnerhaslach von zu wenigen Autos ausgegangen worden sei. Ordnungsamtsleiter Hartmut Schmid berichtete daraufhin von neuen Verkehrserhebungen des Landratsamts. Demnach ist in beiden Durchfahrten die Verkehrsbelastung zu gering.

Bei Sanierungen soll zukünftig Flüsterasphalt aufgebracht werden – spätestens bis 2025 auf alle Durchfahrtsstraßen. Der Lärmaktionsplan wird noch diese Woche für vier Wochen im Rathaus und online ausgelegt. Das Landratsamt prüft in dieser Zeit ebenfalls. Im September oder Oktober soll der Gemeinderat die endgültige Fassung verabschieden.

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Wo es zu laut ist und wer von Tempo 30 profitiert

Laut Lärmgutachten wird in Sachsenheim an 336 Gebäuden der Lärmsanierungswert überschritten – an 180 nur nachts (über 60 Dezibel) und an 156 auch tagsüber (über 70).

Durch Tempo 30 statt 50 sollen die Werte um 2,5 Dezibel zurückgehen. In den 35 Gebäuden in der Ortsdurchfahrt Großsachsenheim können so 110 der 156 betroffenen Personen (35 Gebäude) entlastet werden. In der Oberriexinger Straße sind es alle 53. Für Kleinsachsenheim wird eine Verbesserung für 108 der 124 Betroffenen (30 Gebäude) prognostiziert. In Hohenhaslach können alle 55 Personen in 16 Gebäuden entlastet werden, in Ochsenbach alle 12 Betroffenen (4 Gebäude). msc

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