Sachsenheim / Ifigenia Stogios

Noch einen Tag, dann findet die Registrierungsaktion unter dem Motto „Arijan sucht Helden“ für den siebenjährigen Arijan Bojku am Samstag, von 13 bis 18 Uhr, im Foyer des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums in Großsachsenheim statt. Der Junge ist an Leukämie erkrankt (die BZ berichtete). Bettina Bojku wollte die Eltern des Jungen zeitlich entlasten und ergriff sofort die Initiative, ihrem Neffen zu helfen. Die 49-jährige Tante des Siebenjährigen stemmt die Aktion mit Unterstützung der Deutschen Knochenmarkspender- Datei (DKMS).

Seit einem Monat ist der Familie bekannt, dass Arijan auf eine lebensrettende Stammzellenspende angewiesen ist. Vor ein paar Tagen wurde dem Jungen Gehirnwasser entnommen. Er bleibt tapfer, genauso wie seine Verwandten. Die Familie hält zusammen. „Jeder übernimmt einen anderen Aufgabenbereich“, sagt Bettina Bojku. Sie erzählt: „Für mich war das komplettes Neuland, ich hatte keine Ahnung, wie man so eine Aktion organisiert.“ Von der DKMS erhielt sie einen Leitfaden. Das Erste, worum sie sich kümmern musste, war der Ort des Geschehens. Ihre 17-jährige Tochter geht aufs Lichtenstern-Gymnasium. So kam sie auf die Idee, den Schulleiter auf die Aktion anzusprechen. Der reagierte positiv. Gemeinsam mit der DKMS schaute sie sich dann die Location genauer an und die Bestuhlung zu planen, da die Typisierung im Sitzen abläuft. Dann verteilte sie in Bietigheim-Bissingen, Sachsenheim, Sersheim, Vaihingen und Ludwigsburg Flyer, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Das Aufhängen von Flyern erwies sich schwieriger als Bojku vermutete. Große Betriebe reagierten ihrer Erfahrung nach eher zurückhaltend. Zunächst sollte sie zwischen 60 und 70 Helfer finden, die am Samstag vor Ort sein werden. „Davor hatte ich am meisten Angst“, gesteht sie, aber „wenn man mit dem Suchen einmal anfängt, dann läuft irgendwann alles von alleine“.

Nervös und überwältigt

Innerhalb von zwei Wochen „sind 70 Helfer zusammengekommen“. Familie, Freunde und Nachbarn stehen ihr zur Seite. „Ich habe sogar eine Nachricht aus Albanien bekommen, von einer unbekannten Person, die danach gefragt hat, ob sie helfen kann. Arijans Familie stammt nämlich ursprünglich aus dem Kosovo. Und eine Nachbarin möchte einen Kuchen backen“, berichtet sie. Ihre Augen strahlen Dankbarkeit aus. Bettina Bojku ist von der Reaktion mancher Menschen überwältigt, zugleich aber auch nervös: „Was ist, wenn die Helfer krank werden oder einfach nicht kommen?“, fragt sie sich.

Verschiedene Unternehmen wie Bäckereien und Getränkemärkte spenden Essen und Trinken. Ein Bäcker, dessen Sohn zusammen mit Arijan den Kindergarten besuchte, meinte: Er brauche keine Spendenquittung, er schenke das Gebäck. Und auch für die Spender ist am Samstag gesorgt: „Es gibt Maultaschen und Kartoffelsalat. – solange der Vorrat reicht.“ Je näher der Tag rückt, desto größer die Aufregung. Die Organisatorin ist sich bewusst: „Mehr können wir nicht machen. Es liegt jetzt an den Menschen, ob sie am Samstag kommen. Wir versuchen, den Alltag von Arijan so normal wie möglich zu gestalten. Das gibt allen Kraft“, betont sie. Sie gibt aber auch zu, dass manchmal Zweifel aufkommen. Doch unterkriegen lässt sich die Familie dennoch nicht. „Wir hoffen, dass er alles übersteht und sind positiv eingestellt.“

Info Die Typisierungsaktion am Samstag, 16. März, von 13 bis 18 Uhr, im Foyer des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums läuft wie folgt: Bei der völlig schmerzlosen Stäbchenprobe wird Speichel aus dem Mund entnommen. Die Stäbchen werden eingetütet und abgegeben. Und schon ist man typisiert. Wenn man für Arijan oder einen anderen Leukämie-Patienten als Stammzellenspender in Frage kommt, erfolgt eine Benachrichtigung. Jede Registrierung kostet die DKMS 35 Euro. Spenden sind willkommen. Arijan Boiku ist selbst nicht anwesend, wird aber per Videoanruf zugeschaltet.