Am Dienstagmorgen ist in der Grundschule Kleinsachsenheim etwas los. Von Montag bis kommenden Freitag findet dort die Stadtranderholung (Stara) für Kinder zwischen sechs und 12 Jahren statt. Auf dem Pausenhof lassen Kinder ihrer Kreativität freien Lauf. Einige der Mädchen basteln Einhorn-Haarreife und Kronen, während andere Stoff zuschneiden. Sie haben vor, selbstgemachte Umhänge zu kreieren.

Der zehnjährige Marc Malcher bastelt einen Hut. Er zeigt auf einen schwarzen Stoff: „Den schneiden wir. Dafür haben wir Schablonen als Vorlage. So entstehen Hexenhüte“, sagt er begeistert. Seine Schwester, Jacqueline Malcher sitzt am selben Tisch und ist als Betreuerin aktiv.

Die 21-Jährige ist zum achten Mal dabei. „Es macht super viel Spaß, man sieht sich jedes Jahr wieder und die Gemeinschaft ist super“, stahlt sie. Die Betreuer treffen sich schon im April, um sich auf alles vorzubereiten, erzählt sie. Was Jacqueline Malcher besonders gefällt: „Man hat die Möglichkeit eigene Ideen einzubringen.“

Auch Betreuer Andre Müller betont, dass der Zusammenhalt unter den Ehrenamtlichen sehr stark sei. „Wir treffen uns privat und haben auch Besuch von ehemaligen Betreuern. Es freut uns, zu sehen, dass die Kinder sich an dem Programm erfreuen und es wertschätzen. Ich selber war hier als Kind auch dabei und möchte meine positiven Erfahrungen weitergeben.“ Müller kreiert mit den Kindern eine Märchenkulisse passend zum Motto „Märchenwald“, die aus bunten „Fantasiebäumen“ besteht. Das Szenario dahinter: „Ein böses Fabelwesen hat den Bäumen Energie entzogen. Die Aufgabe der Kinder besteht darin, „den Bäumen ihre Energie wieder zu verleihen“, erklärt Müller. Das funktioniere nur mit Farbe. Die Kulisse wird auch am Klopferlestag für das Bühnenprogramm dienen.

Auf der anderen Seite des Pausenhofs beklebt Tobias Oppenländer gerade eine Maske mit Zeitungspapier, während ein anderer Junge der Gruppe eine weiße Maske aufsetzt und versucht Freunde zu erschrecken. Oppenländer ist auch nicht das erste Mal dabei. Er berichtet begeistert: „Hier ist es immer so abwechslungsreich.“

Jugendreferent Nico Blum ist ebenso vor Ort. „Wir sind jedes Jahr ausgebucht. Eigentlich waren 80 Plätze vorgesehen, wir versuchen aber alle aufzunehmen, letztendlich sind es nun 83 Kinder, die mitmachen“, sagt er zufrieden und ergänzt noch: Fast alle Kinder, die in der Stara gewesen sind, kommen immer wieder und auch die Eltern loben uns sehr.“ Besonders erfreulich sei zudem, dass kein Nachwuchsproblem bei den Betreuern bestehe. Im Gegenteil: „Letztes Jahr haben sich so viele gemeldet, dass wir sogar manchen absagen mussten.“ Blum verrät noch, was dieses Mal besonders ist: kein Catering. „Das Essen ist selbst gemacht.“ Eine Herausforderung: Vier Personen kochen für über 100 Menschen, denn insgesamt beteiligen sich an der Stara samt Ehrenamtlichen 105 Leute. Das Kochteam besteht aus langjährigen Betreuern „und wird von einem Papa eines Teilnehmers unterstützt“.

Im Gebäude der Schule gibt es noch zwei Kreativstationen. „Wir basteln Froschkönige aus Pompons“, erzählt Lulu Hamaydeh, die sieben Jahre alt ist. Was ihr am meisten an der Stara gefällt? „Wir singen neue Lieder und ich freue mich auf den Waldspielplatz.“ Die gleichaltrige Minoo Göhringer präsentiert einen selbstgemachten Spiegel, dessen Rand sie mit Federn, Muscheln und Mosaiksteine beklebt hat. Dass Göhringer recht jung ist, hindert sie nicht daran, gewisse Werte zu vermitteln. Ihre Freundin möchte eine neue Spiegelfolie verwenden, obwohl die alte noch nicht aufgebraucht ist, daraufhin sagt sie: „Es ist umweltfreundlicher erst die ganze Folie zu benutzen.“

Und auch der 15-jährige Tom Grühle möchte den Jüngeren etwas vermitteln. „Gerade beim Schnitzen ist Geduld wichtig“, sagt er. Das Schnitzen entdeckte er für sich, als er seine Freizeit auf einem großen Grundstück seiner Familie verbrachte. „Da lag viel Holz rum und statt mein Handy mitzunehmen, habe ich es bevorzugt, zu schnitzen.“

Die Teilnehmer der Stara halten sich nicht nur auf dem Schulgelände auf. Bereits am Montag fand ein Stadtspiel statt, im Rahmen dessen die Kinder verschiedene Spielstationen im Ort durchliefen. Es folgt außerdem noch ein Besuch des Waldspielplatzes. In der Hohenhaslacher Kelter findet nächste Woche ebenfalls eine Stara statt.