Wie soll sich die Gemeinde bis 2035 weiterentwickeln? Mit dieser Frage beschäftigten sich in den vergangenen Wochen die Sersheimer Bürger im Rahmen einer Umfrage, aber auch die Kinder und Jugendlichen bei Workshops im örtlichen Jugendtreff und in der Hofäckerschule. Die Ergebnisse, die in unterschiedliche Leitziele für die künftige Gemeindeentwicklung münden, konnten Anne Neubert von der STEG Stadtentwicklungs GmbH und Sersheims Bürgermeister Jürgen Scholz am Mittwochabend in der Sport- und Kulturhalle präsentieren. Der Rathauschef der Mettertalgemeinde zeigte sich mit dem Rücklauf der Fragenbögen sehr zufrieden: 781 ausgefüllte Antworten erreichten die Gemeindeverwaltung.

„Die Mehrzahl der Bürger, die geantwortet haben, lebt schon mehr als 20 Jahre in Sersheim. Die meisten davon im eigenen Haus oder in der Eigentumswohnung. Dennoch wünschen sich insgesamt 456 Haushalte mehr bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde“, erläuterte Neubert. Bürgermeister Scholz ergänzte, dass die Kommune derzeit bereits bezahlbaren Wohnraum schaffe und dies auch weiterhin als eine Zukunftsaufgabe ansehe. Dem Wunsch der Bürger, mehr Bauland innerhalb des Ortsgebiets zu erschließen und Baulücken zu schließen, begegnete Scholz mit einer gewissen Skepsis: „Gegen eine Nachverdichtung gibt es immer viele Vorbehalte der Anwohner. Das ist ganz schwierig.“ Die Stadt werde im Rahmen der Fortschreibung des Flächennutzungsplans festlegen, wo noch Baugebiete entwickelt werden können. „Ich denke aber, dass unsere Einwohnerzahlen in den nächsten Jahre 6000 nicht übersteigen werden.“

Schon erledigt

Die Anregung der Bürger, die Ortsmitte neu zu gestalten, hat die Gemeinde mit der Umstrukturierung der Flächen am Markt schon erledigt. Kinder und Jugendliche wünschten sich ein besseres Konzept zur Müllvermeidung im öffentlichen Raum und eine Verschönerung der Unterführung beim Bahnhof, die auch schon verwirklicht wurde.

Beim Thema Bildung und Betreuung zeigten sich die Bürger mit der Betreuung im Kindergartenalter zufrieden, ab Schuleintritt jedoch wünschen sich viele Verbesserungen. Auch bei den Pflegeplätzen für Senioren ist laut der Umfrageergebnisse noch Bedarf vorhanden. Vielen sind zudem die Kosten für die Kinderbetreuung zu hoch, und die Kinder und Jugendlichen möchten eine Realschule oder ein Gymnasium in Sersheim. Zudem plädieren sie für erweiterte Öffnungszeiten im örtlichen Jugendhaus. Auch die Nachfrage nach mehr Angeboten in der Erwachsenen- und Jugendbildung ist vorhanden.

„Personalbedingt waren die Betreuungszeiten im Jugendhaus zuletzt eingeschränkt, aber wir arbeiten an einer Lösung“, verspicht Scholz, „auch auf die Vertreter der Familienbildung und Volkshochschule werden wir zugehen, denn die Räume für solche Angebote sind in Sersheim vorhanden. Mit den Verantwortlichen der Evangelischen Heimstiftung werden wir wegen einer Aufstockung der Pflegeplätze reden.“ Bei der Kinderbetreuung war der Rathauschef der Meinung, dass eine qualifizierte Obhut mit einem hohen Standard durchaus auch etwas kosten dürfe. Einige seiner Gemeinderäte sehen dies anders, und über diesen Punkt wird künftig noch diskutiert werden.

Die meisten Bürger, die ihren Fragebogen zurückgeschickt haben, sind auch mit den Einkaufsmöglichkeiten und der Versorgungsstruktur vor Ort zufrieden. Auf ihrer Wunschliste stehen eine Tankstelle, eine Drogerie, barrierefreie Arztpraxen, mehr gastronomische Angebote und bei den Jugendlichen ein Fastfood-Restaurant. „Wir haben mit den Allgemeinmedizinern gesprochen, aber sie wollen an ihrem jetzigen Standort bleiben. Im Rahmen des Zweckverbands Eichwald wäre eine neue Tankstelle möglich, aber sicherlich nicht im Ort Sersheim selbst“, so Scholz.

Enttäuschen musste er die Bürger beim Thema Verkehr, denn für viele Bürgerwünsche wie bessere Bahn- und Busverbindungen, ein autofreies Ortszentrum und Tempo 30 mit Radarblitzer in der Oberriexinger Straße ist die Gemeinde nicht zuständig, sondern die Untere Verkehrsbehörde in Vaihingen. Die Kommune kann aber die Fuß- und Radwege ausbauen, überprüfen, ob noch zusätzlicher Parkraum geschaffen werden kann, und die Förderung der E-Mobilität vorantreiben.

Mehr Treffpunkte

Für die Jugendlichen ist WLan im Jugendhaus wichtig. Im Bereich der Naherholung wünschen sich die jungen Menschen einen geeigneten Treffpunkt, aber auch die Erwachsenen mehr Plätze mit Aufenthaltsqualität und Sitzbänken. Auch eine bessere Pflege der Spielplätze wurde angeregt. „Wir werden uns im Bereich der Talstraße noch über mehr Aufenthaltsräume und öffentliches Grün unterhalten“, versprach Scholz.

Info Am Ende konnten die Bürger noch an Plakatwänden ihre Meinung kundtun. Diese Ansichten werden die Gemeinderäte nochmals diskutieren. Ende diesen, Anfang kommenden Jahres sollen dann die Leitziele des Gemeindeentwicklungskonzepts vorgestellt werden.