Sachsenheim / Von Yasinna Hipp  Uhr

Von wegen Bodenturnen und Handball im Sportunterricht in stickigen Sporthallen. Zwölf Schüler der Hohenhaslacher Kirbachschule lernen jetzt das Bogenschießen als Teil des Sportunterrichtes. Zwischen der Schule und dem örtlichen Schützenverein besteht nämlich seit drei Wochen eine Kooperation. „Die Schüler kommen immer freitags für eineinhalb Stunden zu uns und wir bringen ihnen den Bogensport näher“, so Michael Franz vom Hohenhaslacher Schützenverein. Die Idee zu diesem Projekt hatte Schulleiter Rainer Graef. Nun sind zwölf Schüler der Klassen 8 und 9 begeistert bei der Sache. „Wir haben in Zusammenarbeit mit unserem DOSB-Trainer Uli Laszak didaktische Pläne für jede Einheit erstellt. Da sind dann genau der Ablauf und das Ziel der Stunden festgelegt“, erklärte Michael Franz. Der Bogenschütze ist einer von rund sieben Betreuer. Bei den Einheiten sind immer mindestens drei Betreuer dabei, und drei weitere sind als Back-up verfügbar, falls jemand verhindert sein sollte.

Die Jugendlichen motivieren

Zu Beginn der Stunde begrüßten sich die Schüler und Betreuer vom Schützenverein. Dann ging es an das Aufbauen der Carbon-Bögen. Die 14-jährige Vanessa Mathieu steckte konzentriert die einzelnen Teile zusammen: „Eigentlich ist das Aufbauen nicht so schwer, wir haben es jetzt ja auch schon ein paar Mal gemacht. Aber ich frag dann trotzdem lieber nochmal nach.“ Nachdem sie die drei Teile des Bogens mit ein wenig Hilfe von Betreuer Stephan Rupp zusammengesteckt hat, spannte sie die Sehne mithilfe einer Spannschnur auf den Bogen. „Wir wollen die Jugendlichen auch motivieren, das selbst hinzubekommen. Bei ein paar Handgriffen helfen wir aber natürlich noch“ so Franz. Nach wenigen Minuten stellte Vanessa ihren Bogen dann an die Startlinie. Bevor es dann an die Scheiben ging, wärmte die Gruppe zuerst noch Schultern und Arme auf.

„Das Schöne ist, dass die Schüler hier raus in die Natur kommen, sich bewegen und ein bisschen rauskommen aus ihrer digitalen Welt“, meinte Michael Franz, „was wir ihnen hier beibringen wollen, hat nämlich neben dem Sport auch einen tieferen Hintergrund.“ Die Schüler sollen ihr Ziel, beim Bogenschießen die Zielscheibe, im Auge behalten und fokussieren. Außerdem sollen sie die Sehne dann im richtigen Moment loslassen, genauso wie sie auch lernen sollen im richtigen Leben manchmal loszulassen.

Vanessa positionierte sich vor der acht Meter entfernten Zielscheiben und rief sich all die Tipps der professionellen Bogenschützen ins Gedächtnis. Auch Michael Franz wies die Schüler noch einmal auf die wichtigsten Dinge hin: gerader Stand, aufrechte Haltung, den Kopf hochhalten und dann den Bogen langsam von unten nach oben bewegen. „Das ist ein ruhiger Prozess, ein ruhiger Sport. Genießt das Schießen und seid nicht hektisch!“ ermahnte er die Jugendlichen. Der 14-jährige Max Collmer war mit seinen ersten Pfeilen zufrieden, mit allen drei hat er die Scheibe getroffen. „Ich finde es am schwierigsten, alle Tipps umzusetzen und an alles zu denken“, so der Neuntklässler, „aber wenn es dann funktioniert, kann man an der Scheibe seine Wut rauslassen.“ Nachdem alle zwölf Schüler ihre ersten drei Pfeile auf die Ziele gebracht haben, werden alle Pfeile wieder eingesammelt.

Deutliche Verbesserungen

„Ich sehe schon deutliche Verbesserungen gegenüber den letzten Malen, bei manchen sieht man, dass sie ein Gefühl für den Bogen entwickelt haben“, so der Betreuer Stephan Rupp. Der Bogenschütze war am Anfang skeptisch, wie sich das mit den Schülern entwickelt: „Die Jugendlichen hören gut zu, und lassen sich von uns leiten. Ich finde es eine tolle Abwechslung zum normalen Schulalltag.“ Auch die 14-jährige Romy Hornung freute sich über das „etwas andere“ Angebot, auch wenn sie am Wochenende Muskelkater im Arm hat. „Das Ziehen der Sehne Richtung Gesicht wird mit der Zeit schon anstrengend, aber es macht echt Spaß und ist mal was ganz anderes“, sagt die Schülerin.

Nach rund 90 Minuten ist die Einheit dann auch schon vorbei und alle räumen gemeinsam auf. In der Feedbackrunde gebe es laut Michael Franz immer nur eine Anmerkung vonseiten der 14- und 15-Jährigen: „Können wir nicht noch ein bisschen länger machen? Jetzt waren wir gerade so gut drin.“

Die Betreuer vom Schützenverein freuen sich über das Interesse der Schüler und sehen auch Fortschritte. Bis zu den Sommerferien bleibt die Kooperation bestehen, bis dahin sollen die Schüler Ziele in 18 Metern Entfernung anvisieren und natürlich auch treffen. Michael Franz meinte: „Das Ganze ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Wir können mit den Jugendlichen arbeiten und sie kennenlernen und ihnen gleichzeitig ein neues Körpergefühl vermitteln und die Schüler haben Spaß und lernen eine ganz besondere Sportart kennen.“