Sachsenheim Spätzle schaben in Myanmar - Ochsenbacher helfen bei Lokal-Aufbau

Sachsenheim / MICHAELA GLEMSER 08.03.2016
Die ehemaligen "Schwanen"-Wirte Gerlinde und Herbert Merkle aus Ochsenbach bilden derzeit ein 16-köpfiges Restaurantteam in Myanmar in Südostasien aus. Sie bringen ihren Köchen auch Gerichte aus der Heimat bei.

Im Ruhestand einfach die Füße hochlegen? Für Gerlinde und Herbert Merkle kam das gar nicht infrage. Im Juni 2008 schlossen sie nach 34 Jahren ihr Gasthaus "Zum Schwanen" in Ochsenbach. Doch der Koch und seine Frau wollten ihre Erfahrungen weitergeben und gleichzeitig die Welt bereisen, neue Menschen und Kulturen kennenlernen. "Wir hatten die Idee, dass wir uns als Fachkräfte in die Datei des Senior-Experten-Service aufnehmen lassen. Natürlich schwang bei diesem Vorhaben auch etwas Abenteuerlust mit", erklärt das engagierte Ehepaar. Der Senior-Experten-Service (SES) ist als Stiftung der Deutschen Wirtschaft eine gemeinnützige Gesellschaft und hatte Ende 2015 knapp 12.000 Experten in seiner Datenbank gelistet. Diese Ruheständler wollen ihre Kenntnisse im Ausland, aber auch in Deutschland selbst, bei der Aus- und Weiterbildung in unterschiedlichen Unternehmen vermitteln. Sie leisten dabei Hilfe zur Selbsthilfe.

Seit 2009 sind die Merkles für den SES im Einsatz und waren bereits in Kasachstan, zweimal in Usbekistan, dreimal in Rumänien, zweimal in Mexiko sowie in Honduras und Armenien. "Wir haben in den unterschiedlichsten Betrieben und Gewerbeschulen gearbeitet und konnten teilweise selbst mehr lernen als wir gelehrt haben. Zu allen unseren ehemaligen Einsatzorten haben wir immer noch Kontakt und werden bei Problemen weiterhin aus der Ferne gefragt", berichten die Merkles per E-Mail, denn aktuell sind sie wieder im Ausland.

Seit Mitte Oktober 2015 helfen sie als Geschäftsführer beim Aufbau eines neuen Restaurants in der Stadt Mandalay in Myanmar in Südostasien. "Einer unserer ehemaligen Jungköche aus dem Schwanen' hat richtig Karriere gemacht und ist nun Generaldirektor eines der besten Hotels in Rangun, der größten Stadt in Myanmar. Ein Freund von ihm hat in Mandalay, wo mehr als eine Million Menschen leben, ein Restaurant im europäischen Stil eröffnet", erzählen die Merkles.

Das "Bistro@82nd" gelte inzwischen als eines der besten Restaurants in der Stadt, das zu 70 Prozent von Touristen aus aller Welt und zu 30 Prozent von einheimischen Gästen besucht werde. Die Schwaben kochen und servieren täglich mit angelernten und jetzt gut ausgebildeten Mitarbeitern verschiedene Gerichte und verständigen sich in einem Sprachgemisch aus Englisch und Burmesisch. "Es ist toll, wie viele neue Gemüse- und Früchtesorten wir kennenlernen konnten, denn es ist uns wichtig, fast ausschließlich nationale Produkte in unserer Küche zu verwenden", betonen die Merkles. So finden sich auf der Speisekarte des Restaurants das burmesische Nationalgericht "Mote Hin Gar", eine Art Fischsuppe mit Reisnudeln, aber auch Sauerbraten mit Spätzle-Omelette. Auch auf die geliebten guten Tropfen aus der Heimat müssen die Merkles nicht verzichten, denn in Myanmar hat der Deutsche Bert Mosbach ein Weingut eröffnet, dass die Rebengewächse nach deutschem Standard anbaut und unter anderem für seinen Dornfelder-Merlot bekannt ist. "Winzer Mosbach hat uns erzählt, dass er jedes Jahr nach Bönnigheim reist, um sich dort mit den nötigen Weinbauutensilien einzudecken." Insgesamt jedoch gelte Myanmar als eines der ärmsten Länder dieser Welt. Die hygienischen Bedingungen seien nicht mit den europäischen vergleichbar, "sodass wir im Restaurant zunächst einmal für einen gewissen Standard sorgen mussten. Viele Touristen kommen auch deshalb inzwischen zu uns und meiden die in Myanmar bekannten Straßenküchen".

Das Ehepaar wohnt in einem Haus am Stadtrand von Mandalay, dessen Zustand ebenfalls zunächst gewöhnungsbedürftig für die beiden Ochsenbacher war. "Bis zum Ende der Regenzeit hatten wir meist mehr Regenwasser in der Wohnung als tatsächlich aus der Leitung kam. Unsere Klimaanlage im Schlafzimmer war die Wohnung von 25 größeren und kleineren Fledermäusen. Auch Nagetiere und andere Hausbewohner mussten wir zu Beginn erst einmal verscheuchen", berichten die Eheleute.

Ihre Zeit in Mandalay mit seinen Pagoden und Palästen neigt sich dem Ende zu. Am 21. März startet die Heimreise nach Ochsenbach. "Wir wollten ein Abenteuer erleben. Dies haben wir in die Tat umgesetzt und sind um viele Erfahrungen bereichert worden." Nach Deutschland fliegen sie deshalb mit einem lachenden und weinenden Auge.

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