Bürgermeisterwahl Sachsenheim Siebenkampf um Chefsessel

Sachsenheim / Mathias Schmidt 02.02.2019

An diesem Sonntag wird es ernst. In Sachsenheim geht es dann um nichts Geringeres als die Frage, wer in den kommenden acht Jahren als Bürgermeister die Geschicke der Stadt maßgeblich lenken soll. Als Nachfolger von Horst Fiedler, dessen Amtszeit am 30. April endet, stehen im ersten Wahlgang sieben Kandidaten bereit. Dabei geht es auch um die Frage: Will Sachsenheim einen Bürgermeister mit Verwaltungserfahrung oder ein Stadtoberhaupt, dem diese Expertise fehlt und der – wie es die Kandidaten im Wahlkampf betonten – praxisnah agiere.

Holger Albrich: Der 48-jährige Jurist ist seit 2000 in der öffentlichen Verwaltung tätig, unter anderem bei der EU in Brüssel. Seit sechs Jahren arbeitet er im Ministerium für Soziales und Integration in Stuttgart. „Als erfahrener Verwaltungsjurist kenne ich den politischen und rechtlichen Handlungsrahmen einer Stadt“, sagt er. Bürgermeister in Sachsenheim zu werden ist für den zweifachen Vater, der mit seiner Familie aktuell in Ludwigsburg wohnt, ein „Lebenstraum“, wie er sagt. Denn in Großsachsenheim ist er aufgewachsen, dort immer noch verwurzelt, zum Beispiel als Präsident des Tennisclubs. Den Schutz von Natur und Ressourcen sieht er als „Querschnittsziel“ für alle Aufgaben.

Heiderose Frankenhauser: Die 63-jährige Krankenschwester machte im Wahlkampf durch kreative Ideen auf sich aufmerksam: So brachte sie zum Beispiel Großsachsenheimer Zwillingstürme, zwei zentrumsnahe Hochhäuser, ins Spiel. Bekannt ist sie in Sachsenheim auch durch ihr Wirken als ehemalige Vorsitzende der Initiative zur Belebung der Innenstadt Sachsenheim, kurz Ibisa. Mit diesem hat sie unter anderem Teile des ehemaligen Bahnhofsgebäudes zu Räumen für Veranstaltungen, Ausstellungen und den Verkauf von Lebensmitteln umgestaltet. Zur Kandidatur hat sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Armin Frankenhauser entschieden, mit dem sie auch ihre Ideen entwickelte.

Thomas Bay: Schon seit vielen Monaten sitzt der 53-jährige Sparkassenkaufmann in Sitzungen von Gemeinderat, Ortschaftsräten und Bezirksbeiräten, um sich über die Themen und Belange in der Stadt zu informieren. Er ist gebürtiger Großsachsenheimer. Als Mitglied der Familie der ehemaligen Metzgerei und des Gasthofs Adler ist er zudem gelernter Fleischermeister. Er ist der Überzeugung, dass es „Zeit für einen Wechsel“ ist: Weg vom „Verwaltungsbürgermeister“, hin zum Schultes aus der Mitte der Bevölkerung. „Unsere Stadt braucht neue Lösungen – in manchen Fällen auch außerhalb der gewohnten Bahnen“, sagt er.

Thomas Schärer: Als – neben Raisch – einziger auswärtiger Kandidat hat der 56-Jährige gelernte PR-Berater in den vergangenen Wochen vieles unternommen, um die Stadt besser kennenzulernen. „Sachsenheim ist mir ans Herz gewachsen“, sagt er nach vielen Gesprächen und Erfahrungen. Als ehemaliger Bürgermeister der Kreisstadt Sigmaringen bringt Schärer acht Jahre Erfahrung als Rathauschef mit. In Sachsenheim hat er sich unter anderem Bürgernähe groß auf die Fahnen geschrieben. Er will Bürger mehr an politischen Entscheidungen beteiligen und auch Jugendliche mehr einbeziehen. Der gebürtige Schweizer hat vor seiner Zeit in Sigmaringen auch als Fachbereichsleiter für Wirtschaft, Medien und Tourismus bei der Stadtverwaltung Ludwigsburg, wo seine Frau geboren ist, gearbeitet.

Simone Gaiser: Animiert durch Zuspruch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis gab die 53-jährige selbstständige Kauffrau kurz vor Bewerbungsfrist ihre Kandidatur ab. Ihre Firma für Tiernahrung „Sunny Petfood“ hat sie, ebenso wie ihren Wohnsitz mittlerweile in Kleinsachsenheim. Ihre Motivation liegt darin: „Ich möchte, dass die Stadt auch weiterhin lebens- und wohnenswert bleibt.“ Sie wirft nach eigenen Angaben vor allen die Fähigkeit „kostenorientiert zu handeln und zu denken“ in den Ring. Dementsprechend will sich die alleinerziehende Mutter vor allem für einen soliden Haushalt einsetzen.

Michael Sax: Die Bewerbung des Fahrlehrers kam in letzter Minute. Und auch der 47-Jährige präsentiert sich als ein Mann aus der Mitte des Volks. Er sei wie vielen andere unzufrieden mit der Entwicklung Sachsenheims. Der dreifache Familienvater hat sich – getreu seines Berufs – als ein wichtiges Ziel die Verkehrssituation auf die Fahnen geschrieben. Dazu gehören für ihn nicht nur Verkehrsentlastung, sondern auch in erhöhtem Maße Straßensanierungen. Ebenfalls spricht er sich für den Ausbau der Kinderbetreuung aus und sagt: „Sachsenheim darf nicht ins Bodenlose wachsen.“

Ulrich Raisch: Der 58-Jährige sagte beim BZ-Wahlforum, dass seine Bewerbung dazu diene, den Kreis kennenzulernen, um für ein höheres politisches Amt zu kandidieren.

Infos zum Wahltag in Sachsenheim kompakt

Die Bürgermeisterwahl in Sachsenheim findet an diesem Sonntag, 3. Februar, statt. Sollte keiner der sieben Bewerber im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, gibt es am 17. Februar einen zweiten Wahlgang. Da reicht dann eine einfache Mehrheit, sprich: Wer am meisten Stimmen bekommt, gewinnt.

Wahlberechtigt ist grundsätzlich jeder, der am Wahltag mindestens 16 Jahre als ist, EU-Bürger ist, seit 3. November 2018 seinen Hauptwohnsitz in Sachsenheim hat, im Wählerverzeichnis der Stadt geführt wird oder die Eintragung in dieses beantragt hat. Unterm Strich macht das in Sachsenheim rund 14 500 Wahlberechtigte. Bei der letzten Wahl 2011 lag die Wahlbeteiligung bei etwas mehr als 30 Prozent.

Es gibt 16 Wahlbezirke. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Das jeweilige Wahllokal steht auf der Wahlbenachrichtigung. Zur Wahl mitgebracht werden sollten Wahlbenachrichtigung und Ausweis. Wegen eines Fehlers wurde eine zweite Wahlbenachrichtigung versandt. Die Stadt verweist, dass diese verwendet werden soll. Den Stimmzettel gibt es im Wahllokal. Die meisten der Wahllokale sind laut Stadt rollstuhlgerecht. Diese Info steht auch auf der Wahlbenachrichtigung.

Wahlbriefe können bis Sonntag, 18 Uhr, in den Briefkasten der Stadt Sachsenheim, Äußerer Schloßhof 3, eingeworfen werden. Wer am Wahltag krank ist, kann jemanden bevollmächtigen, für ihn dort Briefwahlunterlagen abzuholen.

Das vorläufige Endergebnis wird am Sonntag, ab 18 Uhr, im Kulturhaus in Großsachsenheim, der Homepage der Stadt und der Internetseite der BZ verkündet. msc

www.bietigheimerzeitung.de
www.sachsenheim.de

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