Ausstellung Sherlock Holmes unter der Lupe

Michaela Glemser 09.11.2018

Er war gegen 22 Uhr auf dem Heimweg vom Gasthaus „Waldhorn“ und wurde auf offener Straße erschossen. Der Bönnigheimer Bürgermeister Johann Heinrich Rieber fiel im Jahr 1835 einem Rachemord zum Opfer, der lange Zeit unaufgeklärt blieb. Erst 37 Jahre später deckte ein Brief eines Auswanderers aus Amerika den Mörder auf, dem Johann Heinrich Rieber einst ein gutes Leumundszeugnis für die Bewerbung um eine bessere Arbeitsstelle verweigert hatte. Dieses historische Verbrechen ist der regionale Aufhänger der neuen Ausstellung im Stadtmuseum Sachsenheim, die sich um Detektive und Agenten dreht. „Wir konnten eine Wanderausstellung erhalten, welche die Kunsthistorikerin Dr. Alice Selinger konzipiert hat. Diese Ausstellung dreht sich um die wohl berühmteste Detektiv-Ikone der Film- und Literaturgeschichte, Sherlock Holmes“, erklärt die Sachsenheimer Museumsleiterin Dr. Claudia Papp.

Sie selbst war vor den Vorbereitungen zur Ausstellung nicht besonders begeistert von Sherlock Holmes, doch sie hat sich inzwischen zu einer wahren Expertin für diesen exzentrischen Detektiv entwickelt, dessen Geschichten von Arthur Conan Doyle entwickelt wurden und ab 1891 erschienen.

„In diesen Geschichten hat der Autor schon viel von moderner Ermittlungsarbeit bei Kriminalfällen wie das genaue Analysieren von Spuren vorweg genommen. Arthur Conan Doyle hat Sherlock Holmes schließlich nach 37 Geschichten sterben lassen wollen, aber die Menschen haben so sehr protestiert, dass es zu einer Fortsetzung kam, bis sich Sherlock Holmes auf dem Land als Bienenzüchter zur Ruhe gesetzt hat“, schildert Dr. Claudia Papp. Aber dies war keinesfalls das Ende der berühmten Detektivgeschichten, denn viele bekannte Autoren wie Mark Twain haben immer wieder Fortsetzungen von den Fällen des Sherlock Holmes geschrieben. „Sherlock Holmes und seine berühmte Silhouette mit Pfeife und Deerstalker als Kopfdeckung sind von Hongkong bis Island bekannt, wobei den Deerstalker eigentlich erst der Illustrator Sidney Edward Paget gezeichnet hat und so zum Markenzeichen von Sherlock Holmes machte. Über 70 Schauspieler haben die Detektivfigur bis heute verkörpert“, so die Sachsenheimer Museumsleiterin.

Einmal Sherlock Holmes sein

Die Ausstellungsbesucher erfahren viel über die Eigenarten des Detektivs, der sich Morphium und Kokain spritzte, wenn ihn die Langeweile überkam oder er begeistert Geige spielte. Die großen und kleinen Besucher dürfen aber auch selbst auf die Spuren von Sherlock Holmes gehen und im großen Mitmach-Bereich der Ausstellung Lieder und Filme über Detektive anschauen und hören, Phantombilder von einem Betrüger und einem Schmuckdieb erstellen oder Haar-, Ruß- und Pflanzenspuren unter dem Mikroskop untersuchen und entsprechend zuordnen. „Dieser aktive Bereich der Ausstellung für die gesamte Familie war uns sehr wichtig, und diesen haben wir selbst als Ergänzung auf die Beine gestellt“, erklärt Dr. Claudia Papp. Auch geheime Botschaften können die Besucher ver- und entschlüsseln oder mit einem großen Detektivkoffer mit Lupe, Zauberstift und Geheimschriftkarte einen spannenden Parcours durch die Ausstellung machen.

„In unserem umfangreichen Rahmenprogramm versuchen wir ebenfalls, die gesamte Familie zu berücksichtigen. Es gibt Kindererlebnisnachmittage, eine Taschenlampenführung für Erwachsene oder eine Autorenlesung mit Wolfgang Burger und seinem Kommissar Alexander Gerlach“, erzählt Papp. Die Besucher der Ausstellung dürfen zudem noch ein zweites Mal in die regionale Kriminal- und Agentengeschichte eintauchen, denn nicht nur der Mord am Bönnigheimer Bürgermeister wird mit Leihgaben des Staatsarchivs in Ludwigsburg aufbereitet, sondern auch die Spionage russischer Agenten. Sie kundschafteten einst die Stützpunkte der Allierten im Raum Stuttgart aus und versteckten im Krähenwald ihre Funkgeräte oder übermittelten sich in einem hohlen Baum geheime Nachrichten und Fotomaterial.

Info Die Ausstellung „Detektive und Agenten – Auf den Spuren von Sherlock Holmes“ wird am Sonntag, 11. November, um 11 Uhr mit einem Vortrag von Dr. Alice Selinger im Stadtmuseum Sachsenheim eröffnet. Die Detektivschau ist bis zum 14. April 2019 zu sehen.

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