Eichwald-Realschule Selten: Streicherklassen an Realschulen

Beim Jubiläumskonzert wurden die bereits seit zehn Jahren bestehenden Streicherklassen der Eichwald-Realschule Sachsenheim gefeiert.
Beim Jubiläumskonzert wurden die bereits seit zehn Jahren bestehenden Streicherklassen der Eichwald-Realschule Sachsenheim gefeiert. © Foto: Richard Dannenmann
Sachsenheim / Susanne Yvette Walter 25.06.2018

Es war einmal ein Pulk von Streichinstrumenten, von denen keiner so genau wusste, wie diese an die Eichwald-Realschule nach Sachsenheim gekommen waren. Dr. Dietmar Bastian, der Konrektor, versuchte, diese Instrumente an interessierte Schüler auszuleihen – mit wenig Erfolg. Dann kam ihm die zündende Idee, eine Streicherklasse zu gründen. Damit war die Eichwald-Realschule eine der wenigen Realschulen in Baden-Württemberg, die Instrumentalklassen anbietet. Bastian rannte nicht nur bei seinen Schülern und dem Kollegium offene Türen ein, sondern mehr noch bei der Musikschule im Schloss in Bietigheim-Bissingen, die gleich zur Kooperation bereit war.

Seit damals kommt eine Lehrkraft der Musikschule einmal in der Woche in die Streicherklasse zusammen mit einer Lehrkraft der Schule. Bastian bezeichnet die Idee der Streicherklasse zurecht als sein Baby, denn er hat sie gegründet und acht Jahre geleitet. Weil er aber jetzt im Sommer in den Vorruhestand geht, hat er rechtzeitig für einen Nachfolger gesorgt, und in Stephanie Dreher eine Lehrerin gefunden, die die Streicherklasse weiterführen will.

Teenie-Orchester als Chance

Nachdem die Kinder und Jugendlichen in Klasse fünf und sechs die Streicherklasse besucht haben, können sie an der Schule ins Teenie-Orchester eintreten und an der Musikschule im Schloss in den noch intensiveren Einzel- oder Gruppenunterricht einsteigen. „In der Mehrzahl sind es Mädchen, die ins Tennie-Orchester kommen und an der Musikschule weitermachen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Kinder anschließend weiterspielen. In manchen Jahrgängen bleiben leider nur zwei oder drei übrig“, bedauert Bastian. Die Streicherklasse war seither immer zwischen sieben und 17 Schüler stark. Der Grund dafür, dass sich nicht mehr Schüler auf Dauer auf ein Streichinstrument einlassen, könnte an der Intensität des Übens liegen. Doch es gibt auch Schüler, die empfinden genau das als Reiz wie zum Beispiel Lara Wendland aus Kleinsachsenheim. „Mir macht das Geigespielen großen Spaß. Ich finde es so aufregend, immer neue Stücke zu lernen“, sagt sie beim Jubiläumskonzert am Sonntag.

In Anja Krüger-Spintler als Fachkraft für Violine, Viola und Orchesterbegleitung sieht der stellvertretende Schulleiter einen Glücksgriff für die Eichwald-Realschule: „Sie ist unentbehrlich und unbezahlbar. Sie kann sich durchsetzen und ist sehr kompetent“, lobt er sie. Rund ein Dutzend Kinder auf einen Streich in einem ohnehin schon schwierig zu lernenden Streichinstrument zu unterrichten, ist ein nervenaufreibender Kraftakt – jedes Mal.

Einheitliches Klangbild

Dass dabei überhaupt ein einheitliches Tongemälde herauskommt, grenzt für viele, die an Einzelunterricht gewöhnt sind, schon an ein Wunder. Beim Konzert zum zehnjährigen Jubiläum der Streicherklassen spielen am Sonntagmorgen alle: Die Streicherklasse der Fünfer, der Sechser und das Teenie-Orchester, das alle die auffängt, die nach zwei Jahren Streicherklasse weitermachen wollen. „Wer glaubt, dass man mit der Geige nur Klassik spielen kann, der irrt sich gewaltig“, ruft Rektor Sascha Renner ins Publikum, der selbst musiziert. Die Fünfer zeigen gleich wie es geht und küren „Freude schöner Götterfunken“ mit „We will rock you“. Auch die Schulband ist in abgespeckter Version dabei, das Keyboard bildet einen Klangteppich und dient den Streichern damit als Unterbau. Die Mischung macht’s und räumt auf mit verstaubten Klischees um Geige und Co, und die Mensa wurde zum Konzertsaal.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel