Sachsenheim / Michaela Glemser

Es ist nur ein kleiner Klick, mit dem die Pheromonampullen am Rebendraht befestigt werden. Aber dieser kleine Klick bewahrt die Wengerter vor großen Schäden. „Während meiner Ausbildungszeit vor rund 30 Jahren habe ich das erste Mal von den Pheromonampullen erfahren. Ich wollte dies in Hohenhaslach auch gerne ausprobieren. Als junger Mann habe ich bei einer Versammlung versucht die alten, erfahrenen Wengerter davon zu überzeugen“, erinnert sich Klaus Weiberle aus Hohenhaslach.

In den 30er-Jahren haben die Wengerter im Kirbachtal noch versucht den gefürchteten Schädling Traubenwickler, eine Schmetterlingsart, mit Nikotin- und Tabakjauche zu bekämpfen. In den 50er-Jahren kam es schließlich zum Insektizideinsatz, den die Winzer heute aus Naturschutzgründen unbedingt vermeiden wollen. „Wenn früher das Insektizid im Weinberg aufgespritzt wurde, durften die Kinder tagelang nicht mehr mit in die Rebflächen gehen. Die Pheromonampullen dagegen schädigen weder die Natur noch andere Nützlinge“, betont Klaus Weiberle.

Weibliche Sexuallockstoffe

In den Ampullen ist ein Wirkstoff enthalten, der über den Weinbergen eine Duftwolke mit süßlichen weiblichen Sexuallockstoffen verbreitet. Dieser Duft ist aber nur von den Männchen des Traubenwicklers wahrnehmbar und verwirrt diese, sodass sie ihre Weibchen nicht mehr finden und eine Begattung nicht stattfinden kann. „Sonst würden die Weibchen ihre Eier in den Blütenkäppchen der Reben ablegen und die schlüpfenden Larven, die sogenannten Heuwürmer, würden sich in die Blüten fressen und die Reben enorm schädigen“, erläutert Samuel Weiberle, „legen diese Heuwürmer nach ihrer Verpuppung Eier an den Traubenbeeren ab, fressen sich wiederum diese Larven als zweite Generation, die sogenannten Sauerwürmer, in die Beeren. Diese werden faul sowie sauer“, sagt Samuel Weiberle, der gemeinsam mit Klaus Weiberle im Vorstand der Rebschutzgemeinschaft Hohenhaslach sitzt.

Als Klaus Weiberle Ende der 80er-Jahre für den Einsatz der Pheromonampullen bei den Wengertern in der Kirchbachtalgemeinde warb, gab es noch viel Skepsis. „Viele hatten Zweifel an der Wirkung und dachten, dass ich ihnen etwas aufschwätzen will. Mit Gründung der Rebschutzgemeinschaft war aber klar, dass die Ausbringung der Ampullen eine Gemeinschaftsaktion ist. Sie wurde von allen finanziert und getragen“, betont Klaus Weiberle. In den Anfangsjahren hatte die Rebschutzgemeinschaft mehr als 200 Mitglieder und war mit ihrem Einsatz der Pheromonampullen ein Vorreiter in der Region. Andere Wengerter hätten erst vor zehn Jahren vom Insektizid auf die Ampullen umgestellt. „Bei uns in Hohenhaslach gibt es dies schon seit nunmehr 30 Jahren. Ich erfreue mich immer daran, wenn es unter den Reben grünt und blüht. Die Bienen fliegen, und kein Gift die Natur beeinträchtigt“, macht Klaus Weiberle deutlich.

Am Samstag, 13. April, werden die Hohenhaslacher Wengerter auf ihren Rebflächen von der Gemarkungsgrenze nach Spielberg bis hinüber ins benachbarte Freudental wieder rund 80 000 Pheromonampullen aushängen. 500 Ampullen werden pro Hektar ausgebracht. Zusätzlich werden die Randstreifen zu Wald und Flur hin mit den kleinen braunen Behältern bestückt. Laut Samuel Weiberle habe sich der Wirkstoff in den Ampullen über die Jahre nur geringfügig geändert. Aufgrund des Klimawandels wurde die Menge erhöht, da es in warmen Jahren zur Bildung einer dritten Generation des Traubenwicklers, dem Süßwurm, kam. Jetzt reiche die Duftwolke wirklich bis zur Lese im Herbst. Zudem gibt es noch einen zweiten Wirkstoff gegen den bekreuzten Traubenwickler in den Ampullen. „Dieser Schädling kam aus den wärmeren Gebieten in Mitteleuropa zu uns“, erklärt Samuel Weiberle. Insektizide selbst setzen die Hohenhaslacher Wengerter nur noch gegen Pilzkrankheiten an den Reben ein, gegen die es keine anderen Wirkstoffe gibt. „Uns liegt der Naturschutz sehr am Herzen. Wir beobachten die Reben sehr genau, haben eine eigene Wetterstation und machen immer wieder Untersuchungen unter dem Mikroskop, um Schäden rechtzeitig vermeiden zu können“, erzählt Klaus Weiberle. Die genaue Beobachtung der Temperaturen ist auch wichtig, um den richtigen Zeitpunkt, meist im April, für das Ausbringen der Pheromonampullen bestimmen zu können. „Mit einer bestimmten Temperatursumme lässt sich der Flugbeginn der Falter des Traubenwicklers ermitteln“, sagt Samuel Weiberle. Eine niedrige fünfstellige Summe investieren die Wengerter jährlich in den Kauf der Ampullen, der sich für die Weinbauern im Kirbachtal in den vergangenen 30 Jahren mehr als bezahlt gemacht hat.