Erbaut 1908“ steht über dem Eingang des Gasthauses „Zum Ochsen“ in Sachsenheim-Spielberg. Diese historische Inschrift hat der ehemalige Wirt Hans-Günther Klein einst aufwendig restaurieren lassen, um an die langjährige Geschichte des Gasthauses zu erinnern, an das früher auch eine Metzgerei und ein eigenes Schlachthaus angeschlossen war. Die Historie des Gebäudes reicht bis weit in das 18. Jahrhundert zurück.

„Wie alles genau angefangen hat, weiß ich selbst nicht mehr. Bekannt ist mir nur, dass das alte Gebäude des Wirtshauses im Jahr 1901 einem Brand zum Opfer fiel und anschließend größer neu aufgebaut wurde“, sagt Hans-Günther Klein, dessen Familie im benachbarten Ochsenbach das Gasthaus „Adler“ betrieb und bis heute betreibt. In den 1920er-Jahren hatte seine Tante Martha Ott in die Wirtsfamilie des „Ochsen“ eingeheiratet. Ihr Mann verlor im Zweiten Weltkrieg ein Bein, und daher habe Klein als junger Mann schon immer wieder im Spielberger Gasthaus ausgeholfen.

Zum „Ochsen“ in Spielberg wiederum gehörten damals auch zahlreiche Reblagen, die bewirtschaftet werden mussten. Nachdem der Mann seiner Tante verstorben war und auch deren Sohn das Gasthaus nicht mehr alleine weiterführen wollte, übernahm Hans-Günther Klein den „Ochsen“ in Eigenregie, da sein Bruder Wolfgang in Ochsenbach den „Adler“ weiterführte. „Ich habe 1988 den ‚Ochsen‘ übernommen, dessen Gebäude sehr renovierungsbedürftig waren. Ich habe zunächst viel investiert, um Dach, Fassade und Böden neu machen zu lassen. Mir ging es vor allem darum, die Tradition des Gasthauses weiterzuführen und es vor einer Schließung zu bewahren“, so Klein. Er übernahm auch noch einen kleinen Lebensmittelladen auf der gegenüberliegenden Straßenseite als Ergänzung zur Metzgerei und erweiterte vor allem den Betrieb des angrenzenden Schlachthauses.

„Während der BSE-Krise haben viele Metzgereien das eigene Schlachten eingestellt, und ich habe dies in meinem Betrieb für andere übernommen. Teilweise haben wir bis zu 70 Schweine in der Woche geschlachtet“, so Klein. Auch das Gasthaus florierte. Der große Saal fasste über 80 Gäste und wurde für Hochzeiten, Weihnachts- und Vereinsfeierlichkeiten gut gebucht. Zudem fanden Theaterabende und Tanznachmittage statt. „Ausflügler aus dem gesamten Raum Stuttgart und Pforzheim kamen gerne und häufig zu mir“, berichtet Klein über die Blütezeiten des „Ochsen“. Doch als die Auflagen der Europäischen Union (EU) für die Schlachthäuser immer strenger wurden, geriet der Spielberger Traditionsbetrieb mehr und mehr in die finanzielle Schieflage. „Die Gäste haben unsere gutbürgerliche Küche immer sehr gelobt, aber dennoch ist es mir nicht gelungen, den Betrieb aufrecht zu erhalten und aus der finanziellen Krise zu befreien. 2012 musste ich schließen“, stellt Klein fest.

Ein Käufer für die Gebäude wurde gesucht und fand sich zunächst im Landkreis Ludwigsburg, der den „Ochsen“ als Flüchtlingsunterkunft nutzen wollte. Das Gasthaus sollte saniert, Metzgerei und Schlachthaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden, um dort 50 Menschen unterzubringen.

Die Mitglieder des Spielberger Ortschaftsrates legten gegen diese hohe Zahl ihr Veto ein und erreichten eine Reduzierung auf 30 Personen. Doch auch im Ort selbst regte sich Widerstand.

Eine Initiative unter dem ehemaligen Ortsvorsteher Ulrich Salewski wollte unter dem Motto „Rettet das Gasthaus ,Zum Ochsen‘“ den gastronomischen Betrieb unbedingt erhalten und als Genossenschaftsmodell weiterbetreiben. „Mit dem Landkreis war bereits ein Kaufvertrag unterschrieben, als dieser aus wirtschaftlichen Gründen einen Rückzieher machte. Damals stand ich wieder ohne Käufer da“, erzählt Klein

Weinstube im Ochsen

Heute ist der einstige Wirt froh, dass der Verkauf an den Landkreis Ludwigsburg nicht zustande kam, denn 2015 schließlich verkaufte er den „Ochsen“ an die Wengerterfamilie Vollmer aus Bietigheim-Bissingen, die im „Ochsen“ heute eine Weinstube betreibt. „Es ist schön, dass die gastronomische Tradition des Hauses in Spielberg erhalten werden konnte, wenn auch auf andere Weise als früher“, unterstreicht Klein.