Ohne Ehrenamt und Eigenengagement geht nichts im Dorf – das ist auch aus den Sachsenheimer Ortsteilen im Kirbachtal immer wieder zu hören. An einzelnen Vorhaben und Projekten kommt immer wieder der Vorwurf: Die Kirbachtal-Gemeinden finden zu wenig Beachtung bei der Politik in Großsachsenheim. Um (zu) vieles müsse man sich selbst kümmern.

Die Stadt Sachsenheim soll zusammenwachsen. Gleichzeitig wollen die sechs Ortsteile ihre eigene Identität wahren. Diese beiden Tatsachen hängen unmittelbar zusammen. Denn: Genau dann, wenn es Uneinigkeit um Erhalt oder Sanierung von örtlichen Gebäuden gibt – und seien sie noch so klein – ist schnell der Vorwurf ausgesprochen: Für die großen Projekte in Großsachsenheim ist Geld da, für die kleinen im Rest der Stadt nicht.

So zum Beispiel, wenn alljährlich die Stadtteile ihre Bedürfnisse für das kommende Haushaltsjahr anmelden. 2015 sprach der bisherige Spielberger Ortsvorsteher Volker Pertler von „Spielberg 21“ mit Blick auf das Spielberger Bahnhöfle, das an der Landstraße steht. Bis heute währt die Diskussion. Die volle Breitseite bekam 2018 der damalige Bürgermeister Horst Fiedler ab. Anlass dafür war das reparaturbedürftige Jagdhäusle in Häfnerhaslach. Nicht nur dort, sondern „auch an anderen Bauten“ hätte der Ex-Schultes gezeigt, „dass die Liegenschaften der ehemaligen eigenständigen Ortsteile für Sie wenig Bedeutung haben“, polterte Pertler damals.

Fiedler wehrte sich stets gegen diese Vorwürfe. Vonseiten der Stadt ist zudem zu vernehmen, dass die Klagen aus der Bevölkerung, das Kirbachtal werde abgehängt, eher vereinzelt seien.

Neu-Bürgermeister Holger Albrich hat sich jedenfalls auf die Fahnen geschrieben, die klagenden Stimmen durch Handeln zum Verstummen zu bringen. Ein wichtiger Faktor ist für ihn, die Verbundenheit mit der Gesamtstadt zu fördern. Dabei sieht er aber nicht nur Arbeit in den Kirbachtal-Orten, sondern auch im städtischen Bereich. Dort wohnen viele Zugezogene, die sich ebenfalls als Sachsenheimer fühlen müssen, sodass sich in der Gesamtstadt ein flächendeckendes Zugehörigkeitsgefühl ausbilden könne. Albrich hatte unter anderem im Wahlkampf die Idee aufgegriffen, regelmäßige Feste in allen Ortsteilen, an denen aber die gesamte Stadt beteiligt ist, zu etablieren. „Es geht darum, dass sich alle heimisch fühlen“, beschreibt Stadtsprecherin Nicole Raichle.

Klar ist für Holger Albrich auch hier, dass die Vereine eine wichtige Rolle spielen müssen, wie sie das bereits in vielerlei Hinsicht tun: Der Verein Unser Dorf, der die Häfnerhalle in Betrieb hält, der Hohenhaslacher Kulturring, der selbiges mit der Kelter macht. Oder Ibisa in Großsachsenheim und der Trägerverein Dorfmitte Ochsenbach, die sich um Verschönerung und Belebung der Ortsteile bemühen.

Die neue Spielberger Ortsvorsteherin Viola Lepp betonte zuletzt im Gespräch mit der BZ ebenfalls, dass das Zusammenwachsen nur mithilfe der Menschen gelingen könne. „Das müssen zu einem großen Stück die Sachsenheimer Bürger liefern.“ Wichtig seien noch mehr Berührungspunkte. „Dazu braucht es die Vereine und Gruppierungen.“

Bürgermeister Albrich hat sich auch bereits klar für die unechte Teilortswahl ausgesprochen. Diese regelt die Sitzverteilung im Gemeinderat und garantiert jedem Ortsteil mindestens einen Platz. Gleichzeitig sollen auch die Ortschaftsräte weiter gestärkt werden. Dass der Wille zur Zusammenarbeit gegeben ist, zeigt unter anderem das Beispiel Kirbachtal-Feuerwehr, bei der sich die Einheiten aus Hohenhaslach, Spielberg und Ochsenbach zusammenschließen werden. Die Einigkeit der Flächenstadt bleibt ein Prozess – auch 47 Jahre nach der Eingliederung der Kirbachtal-Ortschaften.

Vorwürfe auch aus Kleinsachsenheim


Ähnliche Vorwürfe wie aus dem Kirbachtal bezüglich Zweitrangigkeit gibt es auch immer wieder aus Kleinsachsenheim. Dauer-Streitthemen dort sind vor allem die Kelter und das ehemalige Rathaus. Beides würden die Kleinsachsenheimer gerne wieder verstärkt nutzen, das kostet aber Geld.

Die Bürger pochen seit Jahren darauf, dass hier etwas unternommen wird, befürchten, die denkmalgeschützten Gebäude könnten langsam verfallen. Die Stadt fordert jeweils ein Nutzungskonzept, ehe sie aktiv wird. msc