Der Hohenhaslacher See ist eigentlich nicht fürs Angeln gemacht. Aber genau dafür wird er hauptsächlich genutzt. Und zwar vom Anglerverein Sachsenheim-Unterriexingen, der das Überlaufbecken von der Stadt gepachtet hat – und klagt über immer mehr Schlamm im See.

Vom Wasserstand können sich die Angler derzeit nicht beklagen, wie Frank Kapischke, Sprecher des Anglervereins betont: „Momentan ist die Situation nicht so tragisch, weil doch immer wieder Regenphasen dazwischen waren. Der See hat sich auch letztes Jahr wieder aufgefüllt. Das ändere aber nichts daran, dass von den Weinbergen her stetig mineralisches Sediment in den See gelange. „Das löst sich nicht auf. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis der See verlandet.“ Dazu komme die teilweise fehlende Uferbefestigung. „Vieles wird unterspült, und es bricht auch immer wieder mal was ab, zum Beispiel in Richtung Freudental, wo auch ein Baum umgestürzt ist“, berichtet der Vereinssprecher.

Mitte der 1980er-Jahre hatte der Anglerverein den See von der Stadt gepachtet. Schon damals beschäftigte die Mitglieder das Problem der Verlandung. Zu dieser Zeit waren die Weinberge noch nicht begrünt, was das Problem noch verstärkte. 1993 musste das Becken ausgebaggert werden – für 250 000 Mark. Kosten, die sich die Stadt heute wohl nicht erneut antun würde.

Künstlich angelegt

Der See wurde einst künstlich angelegt. Er dient als Überlaufbecken für den Kirbach. Außerdem entnehmen die Winzer – allerdings nur bei großer Trockenheit – daraus Wasser. „Die Frage ist: Was soll aus dem See werden?“, betont Kapischke. Der Verein schreibt das Gewässer für seine Zwecke auf lange Frist ab. „Wenn wir es – schon allein der Kreatur gegenüber – nicht mehr verantworten können, werden wir die Notbremse ziehen“, hatte der Vorsitzende Jürgen Hoffmann bereits vor knapp zweieinhalb Jahren gegenüber der BZ erklärt.

Aktuell sehen Stadt und Kreis keinen Handlungsbedarf, wie Alois Danner, beim Tiefbauamt Sachsenheim zuständig für Umweltschutz, betont: Auf Klagen des Anglervereins bei der Unteren Wasserbehörde des Landratsamts sei er im vergangenen Jahr „mit Schlauchboot und GPS“ auf den See gefahren und habe die Restwasserbestände gemessen. „Das Landratsamt habe darauf hin gesagt: ‚Es gibt aktuell keinen Handlungsbedarf’“, sagt Danner. Eventuell müsse man den Auslauf mal wieder reinigen, sei ihm bei einem Rundgang aufgefallen. Zudem habe der See im Untergrund eine Quelle, die neun Sekundenliter schüttet. „Deshalb sind meine Sorgen nicht so groß.“

Kapischke hält dem entgegen: „Der See hat vielleicht noch eine durchschnittliche Tiefe von 70 Zentimetern.“ Zwar kann er nicht sagen, wie sich diese Kennzahl in den vergangenen Jahren genau verändert hat, „aber 1,80 Meter war er sicherlich mal an der tiefsten Stelle“. Wie lange der See für die Angler noch nutzbar ist, könne der Sprecher nicht abschätzen. „Das ist auch abhängig von Starkregenfällen.“ Denn die Weinberge sind mittlerweile begrünt, sodass bei normalem Regen keine Erde abgeschwemmt wird, erklärt Reinhard Baumgärtner, Sprecher der Sachsenheimer Wengerter, aus Hohenhaslach. „Bei Starkregen sollte der Schlamm im Vorfluter im Bereich der unteren Weinbergewand bleiben. Der wird auch immer wieder ausgegraben“, berichtet er, „dass bei starkem Regen das Wasser nicht ganz sauber in den See fließt, ist aber auch klar.“

Schwarzangeln wird zum Problem


Ein Problem, das sich laut Frank Kapischke, Sprecher de Anglervereins immer mehr entwickelt, ist das Schwarzangeln im Hohenhaslacher See: „Viele kommen nachts oder am Abend. Wir werden nicht mehr Herr der Lage.“ Von den Behörden gebe es nur bedingt Unterstützung: „Wir haben schon oft die Polizei gerufen.“ Aber meist würden die Verfahren später eingestellt.

Der Bestand sei dadurch zwar nicht gefährdet, ein finanzieller Schaden ist es aber allemal. Und: „Jeder Angler muss nachweisen, dass er einen Fisch artgerecht töten kann. Und dann wird bei diesem Thema gar nicht vollstreckt“, ärgert sich Kapischke. msc