Für Aufsehen hat in der vergangenen Woche ein angebliches Faschings- und Verkleidungsverbot eines evangelischen Pfarrers für einen evangelischen Kindergarten in Korntal-Münchingen gesorgt. Letztlich stellte sich heraus, dass kein Faschingsverbot ausgerufen wurde, sondern der betreffende Kindergarten einfach aus Personalmangel nicht selbst einen Kinderfasching veranstalten kann. In Verkleidung dürfen die Kinder trotzdem kommen.

Nichtsdestotrotz ist dadurch eine Diskussion entbrannt, inwiefern Kirche und Fasching zusammenpassen. „Wir haben mit den Urzeln eine Besonderheit in Sachsenheim. Das ist die einzige evangelische Fasnetszunft in der Region“, sagt der Großsachsenheimer Pfarrer Dieter Hofmann. Da gehörten die Besuche in den örtlichen Kindergärten und Schulen zur Faschingszeit dazu. Hofmann, der den Kollegen aus Korntal-Münchingen gut kenne, steht dem Mann aus dem Strohgäu bei. Dieser würde zunächst einmal nie etwas im Alleingang entscheiden und grundsätzlich wie jeder Pfarrer zunächst an das Wohl der Kinder denken.

Ob es in den den evangelischen Kindergärten in seiner Gemeinde ein Kinderfasching gebe oder nicht, überlasse er den Kita-Leitungen, die das jeweils in Abstimmung mit den Bedürfnissen und der Personalsituation entscheiden würden. Grundsätzlich spreche aber nichts dagegen, meint Dieter Hofmann.

Die Argumentation, dass es sich um ein heidnischen Fest handele sieht der Geistliche durch neuere Geschichtsforschung widerlegt. „Man geht davon aus, dass die Verknüpfung mit heidnischen Bräuchen vor allem während der Nazizeit hergestellt wurde um das Germanische zu stärken und die Kirche zu schwächen“, so Hofmann.

Christliche Mystik

Nach seiner Ansicht gehen die Masken und Verkleidungen im Fasching eher auf die christliche Mystik zurück, wo Gut und Böse aufeinandertrafen. In der Überlieferung habe sich dann das aufsehenerregende Böse bei den Masken einfach durchgesetzt.

Den Teil der Faschingsfeste, der nur als Vorwand für Promiskuität und Alkoholgelage genutzt werde, lehnt Pfarrer Dieter Hofmann aber entschieden ab: „Es gibt keine Zeit im Jahr für einen Christen, in der Sitte und Anstand beiseite gelegt werden können.“