Sersheim / Yasina Hipp  Uhr

Ich bin stark und groß durch Spätzle aus Fessler Mehl und Soß“, stand so auf den orangenen T-Shirts der zahlreichen Helfer der Fessler-Mühle geschrieben. Stärke und Kraft waren am Pfingstmontag gefragt, und die Teilnehmer waren gut beraten im Voraus einen Teller Spätzle zu essen.

Am Deutschen Mühlentag fand in der Fessler Mühle wieder ein ganz besonderes Spektakel statt: Das alljährliche Weizensack-Tragen. Starke Männer tragen einen 100 Kilogramm schweren Mehlsack über den Hof, über die Brücke und dann die Metter entlang, soweit die Kraft reicht. Timo Geiger war am Montagmittag um 12 Uhr der Erste, der sich an den Sack traute.  Nach 204,4 Metern musste er dem Gewicht Tribut zollen. „Ich bin zufrieden mit den 200 Metern, letztes Jahr habe ich nur 114 Meter geschafft“, so der Sersheimer. Das Jahr über habe er sich nicht speziell dafür vorbereitet. „Das Schwierige ist nicht mal das Gleichgewicht zu halten, sondern sobald die Kraft ausgeht, den Sack nochmal richtig auf der Schulter zu positionieren“, meinte Geiger. Die richtige Lage des Sackes auf der Schulter schien ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg zu sein. Auch Pascal Fingerhut aus Sindelfingen betonte: „Ich hätte mir am Anfang mehr Zeit nehmen müssen um den Sack richtig aufzusetzen.“ Fingerhut war zum ersten Mal dabei und konnte bei seinem Debüt am Sack mit 65 Metern, die 100-Meter-Marke nicht knacken.

Wolfgang Fessler, Müllermeister der Mühle, erklärte die richtige Technik: „Man muss den Sack hinten quer im Nacken positionieren und ein bisschen mehr vom Gewicht nach vorne verlagern.“ Er selbst hat vor über 30 Jahren schon Getreidesäcke von den Feldern zur Mühle geschleppt, Rückenschmerzen habe er bis heute keine. „Ich freue mich jedes Jahr, wenn wir diese alte Tradition hier in der Mühle wieder aufleben lassen und auch so viele Besucher begeistert dabei sind“, so Fessler, „da wird man dann für die ganze Arbeit belohnt.“

Denn neben dem Spektakel des Sack-Tragens bot die Fessler-Mühle an diesem Tag noch einiges mehr und lockte viele Besucher und vor allem auch Familien an. Der Mühlenladen war geöffnet, auf dem Mühlenfahrrad konnten die kleinsten Besucher mit ihrer Muskelkraft Körner zu Mehl „strampeln“. Eigenes Brot gab es zu kaufen und neben dem Mühlen- und Heimatmuseum öffnete auch die Gin- und Whiskeydestillerie die Türen für die Besucher. Auch für das leibliche Wohl war mit regionalen Spezialitäten aus der Mühlenküche gesorgt.

Bis 16 Uhr kämpften die Männer mit angespannten Muskeln, zitternden Beinen und roten Köpfen, dann stand der Sieger fest: Rolf Espert aus Tamm gewann mit 235,2 Metern vor Michael Vogt aus Gammertingen mit 226,1 Metern. Timo Geiger wurde Dritter.